Bagger im Jurassic Park

13. Jänner 2009, 15:46
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Traditionsbruch bei den 79. Lauberhornrennen in Wengen: Das legendäre Ziel-S der Abfahrtsstrecke wurde entschärft

Wengen - Die Weltcup-Wochen im Berner Oberland gehen weiter, in Wengen wartet die 79. Auflage der Internationalen Lauberhornrennen. Eröffnet wird der Klassiker der Klassiker am Mittwoch um 12.30 Uhr mit dem ersten Training auf der mit 4,48 km längsten Abfahrt des Weltcups. Allerdings hat die Sicherheitsdiskussion im Weltcup für einen Traditionsbruch gesorgt, denn das legendäre Ziel-S wurde im Spätsommer wie von der FIS gefordert entschärft.

Eine Woche vor dem hektischen Treiben im Rahmen der Hahnenkamm-Rennen in Kitzbühel reisen die Athleten einmal mehr in eine andere Welt. Am Fuß von Eiger, Mönch und Jungfrau scheint die Zeit ein wenig langsamer zu ticken.

Der auf 1.274 m gelegene und autofreie Kurort, in dem nur einige wenige Elektroautos ihre Runden ziehen dürfen, ist ausschließlich mit dem Zug zu erreichen. "Wengen ist wie Jurassic Park", brachte es Benjamin Raich auf den Punkt. Der Tiroler will am Wochenende nicht nur Kombi- und Slalom-Punkte sammeln, sondern auch in der Abfahrt sein Konto auffüllen.

"Das ist ein echtes Urgestein, eine traditionelle, sensationelle Strecke", schwärmte auch der Abfahrts-Weltcup-Führende Michael Walchhofer, der wie seine Kollegen am Dienstag mit der Wengernalpbahn von Lauterbrunnen angereist war. Auch Hermann Maier zeigt sich immer wieder tief beeindruckt: "Das ist die schönste Kulisse, die wir weltweit haben."

So idyllisch die Stimmung, so fordernd ist Wengen aus sportlicher Sicht. Rund zweieinhalb Minuten lang gehen die Athleten über Hundschopf, Minschkante, Brüggli und Hanegg-Schuss. Da fehlt etwas? Richtig, denn als Folge des Sturzes von Matthias Lanzinger und der Sicherheitsdiskussion ist das Ziel-S, in dem 1991 Gernot Reinstadler tödlich verunglückte, entschärft worden.

Man darf gespannt sein, wie sich die Verbreiterung um rund 15 m und das Abtragen der Kante wirklich auswirken. Die Europacup-Abfahrten vergangene Woche waren nicht bis zum Weltcup-Ziel, sondern nur vom Kombinationsstart bis Seilersboden verlaufen.

Trotz der Veränderung dürfte Wengen weiter ein Fall für Routiniers bleiben, seit 2002 haben mit Stephan Eberharter (zweimal), Bruno Kernen, Michael Walchhofer, Daron Rahlves und Bode Miller (zweimal) ausnahmslos gestandene Abfahrer gewonnen. (APA/red)

 

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