"Faszination und Grauen": 232.000 sahen im Schnitt die RTL-Dschungelshow

13. Jänner 2009, 15:18
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Im Schnitt sahen bisher jeweils 232.000 Österreicher der deutschen Halbprominenz sowie Mausi Lugner zu

Eklig oder amüsant - darüber lässt sich streiten - in jedem Fall ist es quotenträchtig: Das RTL-Dschungelcamp "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" In Österreich verzeichnet die tägliche TV-Show seit ihrem Start am vergangenen Freitag Spitzenquoten, wie RTL in einer Aussendung mitteilte. Im Schnitt sahen bisher jeweils 232.000 Österreicher der deutschen Halbprominenz sowie Mausi Lugner zu, wie sie im australischen Outback kleine und abstoßende Gemeinheiten über sich ergehen lassen müssen.

Die Top-Reichweite erreichte der Sender in Österreich am Samstag mit durchschnittlich 254.000 Zuschauern und 21,2 Prozent Marktanteil in den Kabel- und Satellitenhaushalten bei den 12-49-Jährigen. Vor allem die Jugend schaute trotz der späten Sendezeit hin, als Loriella London einen Känguru-Penis-Cocktail herunterwürgen musste oder Model Giulia Siegel mit Küchenschaben, Ratten, Ameisen, Kröten, Spinnen und Schlangen überschüttet wurde. Die bisherigen Folgen erzielten bei den Zwölf- bis 29-Jährigen einen durchschnittlichen KaSat-Anteil von 21,1 Prozent. In Deutschland ist das Dschungelcamp mit rund fünf Millionen Zusehern ebenfalls ein Erfolg.

Reize werden intensiviert

Weshalb wollen immer mehr Menschen Küchenschaben-essende-Semiprominenz sehen - und das, obwohl es sich um die bereits vierte Auflage der Show handelt? Laut Alfred Lackner vom Berufsverband Österreichischer Psychologinnen (BÖP) gelingt es dem Sender, bei den Zuschauern keinen Gewohnheits-Effekt aufkommen zu lassen. Die Reize werden intensiviert, wodurch die Zuseher und ihr Interesse bei Laune gehalten werden. So werden etwa von Folge zu Folge und Staffel zu Staffel die Prüfungen bzw. die Schikanen in ihrer Grausligkeit "verschärft", die Zuschauer werden immer wieder aufs Neue überrascht.

Anziehung an der Erniedrigung

Der Kommunikationswissenschafter Fritz Hausjell glaubt, dass das "Dschungelcamp" die richtige Mischung aus Faszination und Grauen bietet. "Man sieht hin, obwohl man es eigentlich nicht sehen will." Diese Schaulust und die Anziehung an der Erniedrigung sei nichts Neues sondern stößt in der Menschheitsgeschichte auf zahlreiche Parallelen. Hausjell erinnert zum Beispiel an Gladiatorenspiele oder Hinrichtungen, die in Antike und Mittelalter auf höchstes Zuschauerinteresse gestoßen sind. Dafür, dass in der heutigen Version der Horror-Spiele niemand ernsthaft zu Schaden kommt, seien laut Hausjell die Medienmacher zuständig. Er glaubt nicht, dass man sich hier auf die Ethik des Publikums verlassen könne.

Die Dschungelshow läuft noch bis Sonntag, 25. Jänner. (APA)

 

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    Eine Lugnerin streift durch die Wildnis.

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