FMA schickt Aufseher zu Wiener Broker RRS

13. Jänner 2009, 14:27
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Die Eigenkapitaldecke der Brokergesellschaft ist in Gefahr - angeblich nach Geschäften mit RHI-Papieren und AvW Invest

Wien - Nächster Knall in der Finanzbranche. Die Finanzmarktaufsicht FMA hat am Dienstag den Regierungskommissär Ernst Malleg in die Wertpapiergesellschaft RRS Capital Strategies Services GmbH geschickt. Er soll "mögliche Gefahren für die finanziellen Belange der Kunden" abwenden. Offenbar besteht bei der Gesellschaft die Gefahr, dass ihr Eigenkapital unter die gesetzlich vorgeschriebene Grenze (25 Prozent der fixen Gemeinkosten) fällt.

Hintergrund all dessen dürften die Geschäftsbeziehungen der RRS mit der krisengeschüttelten Kärntner Beteiligungsgesellschaft AvW-Invest sein. Die AvW war Kundin bei RRS, die für ihre Klientel börsliche und außerbörsliche Aktiengeschäfte durchführt. Geleitet wird das Unternehmen von René Riefler und Stephan Zöchling, beide sind auch beteiligt. Die Kärntner AvW soll dem Vernehmen nach auch ihre Geschäfte mit RHI-Optionen über RRS abgewickelt haben. Der Kurs von RHI-Papieren ist Ende 2008 massiv abgestürzt, RRS soll nun auf einem Teil der Verluste "sitzengeblieben sein". Weder Riefler noch Zöchling waren für den STANDARD erreichbar.

Die Eigenmittelquote von RRS hatte 2005 rund 61 Prozent betragen, 2006 knapp 32 Prozent. Die Nettoprovisionserträge betrugen 2005 fast sechs Millionen Euro, 2006 rund 2,3 Millionen Euro. Der Jahresgewinn 2006 belief sich auf rund 225.000 Euro.

Vorwürfe der AvW, die RRS habe von der AvW nicht genehmigte Geschäfte durchgeführt - etwa einen stornierten Deal über 700.000 RHI-Aktien - hatten Riefler und Zöchling schon im Oktober zurückgewiesen.

Die personellen Verquickungen sind auch in dieser jüngsten Causa auf dem Wiener Finanzparkett umfangreiche: Jeder kennt jeden. Der 44-jährige Riefler hat einst in der Investmentbank Austria AG gearbeitet, wo er mit dem späteren Börsenchef Stefan Zapotocky gearbeitet hat. Gute Verbindungen hat er auch zu Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser, der auch Dritteleigentümer der Managementgesellschaft von Meinl International Power (MIP) ist. Im vorigen Sommer soll Riefler im Vorfeld der MIP-Hauptversammlung auf Stimmenfang zugunsten des damaligen MIP-Boards gegangen sein. Im Juli hatte die RRS eine sehr hoffnungsfrohe MIP-Analyse veröffentlicht. Zudem hat die RRS im Mai die Begebung einer Anleihe der Swarco Holding von Manfred Swarovski begleitet.

Von Gastro bis Constantia

Sein 36-jähriger Kompagnon Zöchling wiederum, gut bekannt mit Ex-Hypo-Alpe-Adria-Chef Wolfgang Kulterer, war mit seiner früheren Fondsgesellschaft Lead Equities an Palmers beteiligt. Rund ein halbes Jahr lang hatte er sich 2006 auch an Toni Mörwalds Restaurant-Gesellschaft beteiligt.

Die Unternehmensberatungsgesellschaft Melina GmbH (sie ist mit 49 Prozent an RRS beteiligt) gehört der Melina Privatstiftung - und die ist ebenso wie die Hypo Alpe Adria oder die Stephanie Privatstiftung von Ex-CA-Chef Guido Nikolaus Schmidt-Chiari an der heutigen Lead Equities Mittelstandsfinanzierungs AG beteiligt; dort war Zöchling bis Dezember 2004 Geschäftsführer.

Jahre zuvor (Mitte 1997 bis Frühling 1998) war er Prokurist in der Constantia Corporate Finance Consulting AG der Constantia Privatbank gewesen. (Renate Graber, Bettina Pfluger, DER STANDARD, Printausgabe, 14.1.2009)

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