US-Amerikaner beugt sich der Inquisition

13. Jänner 2009, 14:31
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Jesuiten-Theologe verzichtet nach Sanktionen der Glaubenskongregation wegen "schwerer Irrtümer" auf Lehre und Publikationstätigkeit

Washington/Rom - Im vergangenen Dezember wurde der US-Amerikaner Roger Haight - nicht zum ersten Mal - von der vatikanischen Glaubenskongregation gemaßregelt. Nun leistete der Jesuiten-Theologe den gegen ihn ausgesprochenen Sanktionen Folge und verzichtet vorerst auf seine Lehr- und Publikationstätigkeit. Die Congregatio pro doctrina fidei, vor 1908 als Kongregation der römischen und allgemeinen Inquisition bekannt, hatte vor einem Monat das schon früher erfolgte, jedoch eingeschränkte Lehrverbot für Haight ausgeweitet.

Dem heute 72-Jährigen wurden auch neue Publikationen untersagt. Das Lehrverbot gilt jetzt auch für nicht-katholische Bildungseinrichtungen wie das protestantische New Yorker "Union Theological Seminary"; dort lehrte Haight seit seiner Emeritierung 2005. Zuvor hatte er an der "Weston Jesuit School of Theology" in Cambridge (Massachusetts) unterrichtet.

"Schwere lehrmäßige Irrtümer"

Anlass der theologischen Auseinandersetzung sind Kernaussagen in Haights Buch "Jesus: Symbol of God" aus dem Jahre 2000. Dabei geht es Ansichten des Theologen zur Göttlichkeit und Auferstehung Jesu, zur Dreifaltigkeit und zur Frage des Heils für Nicht-Christen. Das Werk, das einen Preis der "Catholic Press Association" erhielt, beinhaltet nach Auffassung der Glaubenskongregation "schwere lehrmäßige Irrtümer".

Diese betreffen laut der Kongregation die christlichen Glaubensüberzeugungen, dass Jesus Christus "wahrhaft Gott und wahrhaft Mensch" ist, die Dreifaltigkeit Gottes, die Universalität Jesu als einzigem Mittler zwischen Gott und den Menschen sowie seine Auferstehung von den Toten. Der Jesuit hatte argumentiert, es sei ihm darum gegangen, "klassische Formulierungen von Glaubenswahrheiten" für das postmoderne Verständnis zu erschließen. Man könne heute "nicht mehr an der Meinung festhalten", dass das Christentum die höchste Form der Religion darstelle oder dass Christus "das absolute Zentrum" der Menschheitsgeschichte sei, meinte Haight.

Zweite offizielle Lehrbeanstandung

Bereits im Dezember 2004 hatte die damals noch von Kardinal Joseph Ratzinger geleitete Kongregation Haight nach fünfjährigen Untersuchungen die Lehrerlaubnis für katholische Theologie bis zur Korrektur der beanstandeten Thesen entzogen.

Die jetzige Maßnahme ist die zweite offizielle Lehrbeanstandung des Vatikans unter Benedikt XVI., der die Glaubenskongregation vor seiner Papstwahl über zwei Jahrzehnte leitete. Im März 2007 hatte die römische Behörde Aussagen eines weiteren Jesuiten, des in El Salvador lebenden spanischen Befreiungstheologen Jon Sobrino, beanstandet. (APA/red)

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    Dies ist bereits die zweite offizielle Lehrbeanstandung des Vatikans unter Papst Benedikt XVI., der die Glaubenskongregation vor seiner Papstwahl über zwei Jahrzehnte leitete.

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