Wieder Mordalarm in Wien - Schüsse in der Ostmarkgasse

13. Jänner 2009, 15:04
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Drei tödliche Schießereien auf offener Straße in vier Wochen

Wien - "Mann mit Schussverletzung" - zum dritten Mal innerhalb von vier Wochen trudelte am Dienstag ein Aviso der Wiener Polizei mit diesem Titel ein. In allen drei Fällen wurden Männer auf offener Straße angeschossen, alle drei sind ihren schweren Verletzungen erlegen. Ob es einen Zusammenhang zwischen den Verbrechen gibt, kann die Kripo noch nicht sagen.

Doch allein der eher seltene Umstand, dass der oder die Täter ohne zu zögern in aller Öffentlichkeit abgedrückt haben, rief bei den Fahndern die Spezialisten für organisierte Kriminalität auf den Plan. Eine derartige Häufung von kaltblütigen Schießereien hatte es zuletzt zur Zeit der Wiener Unterweltfehden Anfang der 90er-Jahre gegeben.
Die Hintergründe der jüngsten Bluttat in Wien-Floridsdorf sind aber noch unklar. "Zeugen haben gesehen, dass in der Leopoldauer Straße zwei Männer einem anderen nachgelaufen sind und auf diesen geschossen haben", schilderte Polizeisprecherin Karin Strycek dem Standard.

Der Verfolgte brach schließlich in der Ostmarkgasse zusammen, wo ihm einer der Verfolger in den Kopf schoss. Das Täter-Duo entkam unerkannt, beim Opfer handelt es sich um einen 27-jährigen Asylwerber aus Tschetschenien, dessen Frau hochschwanger ist.

Schüsse in Ottakring

Ähnlich kaltblütig hatten in der Nacht auf Montag zwei Unbekannte in Ottakring agiert. Nach einem Streit in einem türkischen Café in der Neulerchenfelder Straße verfolgten die beiden den 41-jährigen Sezay P. auf die Straße, schossen ihm mehrere Mal nach und trafen auch. Mit Schussverletzungen am Arm blieb P. schließlich in der Friedmanngasse liegen. Nach einem weiteren Schuss in den Bauch ließen ihn die Verfolger auf dem Gehsteig zurück. Stunden später starb P. im Wilhelminenspital. Über konkrete Hintergründe hält sich die Polizei noch bedeckt, die Spur führe in Kreise von "Little Istanbul", in denen "Schlepperei, Zuhälterei und Waffenhandel zum Alltagsgeschäft gehören".

Ein namentlich bekannter Tatverdächtiger wird hingegen im Mordfall Mohammed D. gesucht. Der 38-jährige Asylwerber aus Algerien war fünf Tage vor Weihnachten tot auf einer Parkbank an der Donau-Promenade im zweiten Bezirk aufgefunden worden. Er wies einen Schuss ins Knie auf und war daran verblutet. Bei den Ermittlungen stießen die Kriminalisten auf einen staatenlosen Bekannten des Opfers: Omar B. (32). Er soll wenige Tage vor dem Verbrechen angekündigt haben, Mohammed D. einen "Denkzettel" zu verpassen und ist seit dem Verbrechen untergetaucht. (Michael Simoner/DER STANDARD, Printausgabe, 14.1.2009)

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    Bei der Spurensicherung am Tatort wird auch überprüft, ob die Täter verwertbares DNA-Material hinterlassen haben

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