Investor klagt Bank Medici und Bank Austria

13. Jänner 2009, 14:17
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Irreführung der Anleger vorgeworfen - Auch gegen UniCredit, HSBC, Pioneer Alternative, Kohn und Scheithauer Klage in den USA eingebracht - Bank Medici: "Typisches US-Vorgehen"

Wien - Die Bank Medici muss sich mit der ersten Klage wegen des mutmaßlichen Milliardenbetrügers Bernard Madoff herumschlagen. Repex Ventures SA, eine auf den British Virgin Islands angesiedelte Firma, ist am Montag in den USA vor Gericht gezogen, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg. Repex hatte 700.000 Dollar in den Herald (LUX) US Absolute Return Fund der Bank Medici investiert und wirft nun dem kleinen Wiener Geldhaus vor, die Investoren in die Irre geleitet zu haben. Naben der Bank Medici dürften unter anderem auch die Bank Austria, ihre Mutter UniCredit und die HSBC geklagt worden sein, verlautete es.

"Ohne Wissen der Investoren wurden 100 Prozent der Herald Fonds zu Madoff transferiert", heißt es laut Bloomberg in der Klagsschrift, die am Bundesgericht Manhattan eingebracht wurde. Die Bank Medici bestätigte die Klage am Dienstag, meinte aber, dass es sich dabei um ein "typisches US-Vorgehen", bei dem jeder, der mit Madoff zu tun habe, geklagt werde. Außerdem sei die Bank Medici nur eine von vielen Geklagten, so die Sprecherin. Laut Bloomberg wird eine Sammelklage oder Gruppenstatus für die Klage angestrebt.

Kreisen zufolge dürften die Repex-Anwälte auch die Bank Austria, die Pioneer Alternative Investments, deren Mutter UniCredit sowie die HSBC geklagt haben. Auch die Mehrheitseigentümerin der Medici Bank, Sonja Kohn sowie der am 2. Jänner zurückgetretene Ex-Bank-Medici-Chef Peter Scheithauer seien als Geklagte angeführt. Die Bank Austria hält ein Viertel an der Bank Medici, der die Finanzmarktaufsicht (FMA) Anfang des Jahres einen Aufpasser ins Haus geschickt hat. Die HSBC war der Custodian der Medici Bank. Die britische Großbank ist mit über 1 Mrd. Dollar bei Madoff engagiert. Die Pioneer Alternative Investment ist mit 75 Mio. Euro bei Madoff exponiert.

Nicht die erste Klage

Die Klage ist nicht die erste in Sachen Madoff. Im Dezember hatte die Universität New York (NYU) den Manager Ezra Merkins und dessen Feeder-Fonds "Gabriel Capital" und "Ariel" verklagt. Auch wegen des "Ascot Partners" ist Merkins angezeigt worden.

Die Bank Medici hatte vor dem Auffliegen des wohl weltgrößten Schneeball-Systems 80 Prozent seiner Provisionen mit Madoff-Fonds verdient und ist nun dabei, sich neu aufzustellen. Am Freitag wurde mit dem britischen Banker John Holliwell und Werner Tripolt ein neuer Vorstand bestellt. Dass das Institut wie kolportiert seine Banklizenz zurücklegen könnte, wurde am Dienstag dementiert. "Die Bank beabsichtigt nicht, seine Lizenz zurückzulegen", sagte eine Sprecherin.

 

US-Anwälte ziehen vor Gericht

Die US-Anwaltskanzlei Stull, Stull & Broody hat im Namen aller, die zwischen 12. Jänner 2002 und 12. Jänner 2008 in die Fonds "Herald USA", "Herald Luxemburg", "Primeo Select" und "Thema International" investiert haben, in New York um Klagszulassung bei Gericht angesucht, geht aus einer Medieninformation der US-Advokaten hervor.

In diesem Zeitraum soll die Wiener Bank Medici zusammen mit Sonja Kohn, Peter Scheithauer, Bank Austria, UniCredit, Pioneer Alternative Investments, Ernst & Young und HSBC Holdings nahezu ihr gesamten Investment in die genannten Fonds von Bernard L. Madoff und die Bernard L. Madoff Investment Securities gesteckt haben - ohne das Wissen der Investoren, so der Vorwurf der Anwaltskanzlei mit Sitzen in New York und Los Angeles. Die Rechtsvertreter streben eine Sammelklage an, haben das Verfahren aber noch nicht eröffnet.

Die Bank Austria wollte keine Stellungnahme dazu abgeben. Die Beschuldigten dürften die Klage gelassen nehmen, weil die Vorwürfe wenig konkret seien, verlautete am Dienstag. (APA)

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