"Antisemitische Angriffe könnten zunehmen"

13. Jänner 2009, 11:46
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"Le Monde": Gefahr, dass Nahost-Konflikt nach Frankreich importiert wird - Europäische Medien zu den Auswirkungen des Nahost-Konfliktes

Paris/Rouen/Madrid (APA/AFP/dpa) - Mehrere Tageszeitungen schreiben am Dienstag über die Auswirkungen des Nahost-Konfliktes auf die europäischen Länder:

"Le Figaro" (Paris):

"Die 600.000 Juden in Frankreich müssen nicht Partei für Israel ergreifen und die etwa sechs Millionen Muslime müssen nicht die Sache der Palästinenser vertreten. Gewiss gab es in den letzten Tagen große Kundgebungen zur Unterstützung der Palästinenser im Gazastreifen. Doch sie zeigen nicht die Einstellung der Mehrheit der Menschen, die mit Sorge, aber relativ unparteiisch das unlösbare Drama im Nahen Osten beobachten. Politische Parteien, Vereinigungen und die Medien sind aufgerufen, sich verantwortlich zu zeigen und jede Verquickung von Gefühlen, Emotionen und Meinungen zu verhindern. Denn einige versuchen diese Gelegenheit zu nutzen, um alte Hassgefühle, Radikalismus und religiösen Fundamentalismus zu schüren."

"Le Monde" (Paris)

"In Frankreich lebt eine der größten muslimischen Gemeinden Europas und in Frankreich lebt auch die größte jüdische Gemeinde des alten Kontinents. Man muss weder Jude noch Muslim sein, um von dem Drama, das sich in Gaza abspielt, berührt zu werden. Es ist jedoch verständlich, dass die Muslime Frankreichs, die zumeist aus Nordafrika stammen, sich mit den Palästinensern solidarisch fühlen, ebenso wie es natürlich ist, dass zahlreiche Juden in Frankreich eine Solidarität mit Israel empfinden. Entsprechend groß waren die Kundgebungen der Muslime. Dabei lauert die Gefahr, dass der Nahost-Konflikt nach Frankreich importiert wird, was niemandem nützen würde. Es könnten auch antisemitische Angriffe zunehmen. Dies ist nicht die Angelegenheit der betroffenen Gemeinden, sondern Sache aller Franzosen. "

"Paris-Normandie" (Rouen):

"Die Anschuldigungen der Vereinten Nationen über Verletzungen der Menschenrechte und des Kriegsrechts lassen das Image der israelischen Armee noch schwärzer erscheinen. So sehr, dass dies einige israelischen Minister mit Unbehagen erfüllt. Sie wollen nun, wie man hört, weiteren Schaden verhindern. Dies ist umso dringender als die palästinensische Frage - wie immer - die alten Dämonen des Antisemitismus wiedererweckt. (...) Die Schlimmsten greifen Synagogen an, so wie sie zu anderen Zeiten Anschläge auf Moscheen verübt haben. Dies alles ist immer Besorgnis erregender."

"El País" (Madrid):

"Bei den Demonstrationen gegen die israelische Offensive hätte man bei der Wahl der Slogans behutsamer vorgehen müssen. Dies gilt vor allem für die Kundgebung in Madrid, wo Israel Völkermord vorgehalten wurde. Außerdem sollten die Veranstalter dieser Proteste stärker darauf achten, dass die Demonstrationen nicht als Unterstützung der Hamas interpretiert werden können. Das ist nicht eine Frage der Proportion, sondern des Prinzips. Jede Attacke auf zivile Bevölkerungsgruppen sollte verurteilt werden. Trotz der massiven israelischen Menschenrechtsverletzungen muss auch von Hamas eine Einhaltung der Grundrechte gefordert werden. Dabei spielt es keine Rolle, dass die Opferzahlen auf beiden Seiten nicht vergleichbar sind." (red)

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