Schwedin Langbakk wird Direktorin

13. Jänner 2009, 13:07
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Parlament kritisiert geringe frauenpolitische Erfahrung der Kandidatin - Institut hätte bereits Anfang 2007 Arbeit aufnehmen sollen

Straßburg - Der Start des Europäischen Genderinstituts in Vilnius ist einen entscheidenden Schritt näher gerückt: Am Montag konnten sich die Kommission und das EU-Parlament  in Straßburg auf die Besetzung des DirektorInnenposten mit der Schwedin Virginja Langbakk einigen. Zuvor war unklar, ob das Parlament den von der Kommission erbrachten Personalvorschlag akzeptieren würde.

Denn im Frauenausschuss des EU-Parlaments gab es Einwände gegen den Vorschlag der Kommission. So kritisierte etwa die deutsche Europaabgeordnete Lissy Gröner, welche auch als Berichterstatterin mit dem Genderinstitut befasst war, dass Langbekk zuwenig Erfahrung auf dem Gebiet der Frauenpolitik vorweisen könne. Diese sei für die Leitung des Instituts jedoch dringend erforderlich, damit ein wirklicher Fortschritt im Kampf um Gleichstellung erzielen werden könne, so die sozialdemokratische Politikerin. Langbakk ist bisher vor allem als Managerin und als Koordinatorin für Entwicklungsprojekte in Erscheinung getreten.

Grünes Licht für Kandidatin

Auf Anfrage von dieStandard.at bestätigte Gröner nun, dass der Frauenausschuss dennoch grünes Licht für Langbakk geben werde. Ausschlaggebend für die Entscheidung sei jedoch nicht der Umstand gewesen, dass Langbakk im internen Hearing "vollkommen" überzeugt hätte: "Die Kandidatin blieb in ihren Ausführungen zur Zusammenarbeit, der Arbeitsweise und den Möglichkeiten des Instituts vage," so Gröner. Weitere Fragen seien deshalb noch zu klären. In Anbetracht der großen Verzögerung beim Start des Instituts müsse nun jedoch schnell die nötige Infrastruktur bereitgestellt werden. Der Frauenausschuss fordert im Gegenzug, dass die Kommission bis zum Internationalen Frauentag am 8. März ein arbeitsfähiges Institut präsentiert.

Hintergrund

Das Genderinstitut gilt seit Jahren als beschlossene Sache. Vorgesehen ist, dass das Institut die EU-Mitgliedsstaaten mit geschlechtsspezifischen Statistiken und Datenmaterial versorgt und Koordinationsaufgaben übernimmt. Eine bessere Datenlage zu den Geschlechterverhältnissen im EU-Raum war vor allem deshalb nötig geworden, weil sich die EU im Vertrag von Amsterdam dazu verpflichtet hat, die Geschlechterperspektive in allen Politikbereichen zu berücksichtigen. Ursprünglich hätte das Institut bereits Anfang 2007 seine Arbeit aufnehmen sollen. (red)

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