Trend zum Euro schwächt USA mäßig

12. Jänner 2009, 19:56
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Studie entwirft Szenarien der Angleichung der Währungsreserven bis 2018

Wien - Das Leistungsbilanzdefizit der USA wurde bisher hauptsächlich von den Gläubigerländern Japan, Europa und China finanziert, wobei insbesondere die asiatischen Länder beachtliche US- Währungsreserven halten. Schon mehrfach wurde dieses Ungleichgewicht von Ökonomen kritisiert.

Eine aktuell erschienene Studie unter der Leitung von WU-Professor und Wifo-Mitarbeiter Fritz Breuss (mit Werner Roeger und Jan in't Veld) untersucht, welche gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen eine Umschichtung der Weltwährungsreserven auf je 45 Prozent in Dollar und Euro bis 2018 hätte. Der Anteil der Euro-Reserven stieg seit 1999 von 18 Prozent stetig auf 25 Prozent 2007, während die Dollar-Reserven vom Höchststand 2001 - 72 Prozent - auf 65 Prozent gesunken sind.

Keine US-Katastrophe

Dies überrasche laut Studienautoren insofern, da eine "makroökonomische Katastrophe" für die USA ausbleibe. Die durch die Nachfrageverlagerung ausgelöste Abwertung des "Greenback" falle geringer aus als erwartet. In einem moderaten Szenario verliere der Dollar von jetzt an bis 2013 gegenüber dem Euro um 8,5 Prozent an Wert. Dieser Abwärtstrend würde danach abflachen. In den USA steigt das reale BIP zwar kurzfristig, um dann innerhalb der nächsten zehn Jahre um bis zu 0,25 Prozentpunkte insgesamt zu schrumpfen. Dieser relativ geringe Rückgang lasse sich durch die bessere Wettbewerbssituation erklären.

Für die Eurozone ergäben sich spiegelbildliche Auswirkungen: Der durch die gestiegene Nachfrage erstarkte Euro wirke sich negativ auf die Handelsbilanz des Euroraums aus. Das reale BIP werde anfangs um 0,25 Prozentpunkte schrumpfen, um dann mit der Zunahme des Finanzvermögens, dem Anstieg des Konsums und der Investitionen im Euroraum stetig kumulativ um bis zu 0,6 Prozentpunkte zu wachsen.

Breuss und Co glauben nicht, dass die USA "trotz Verwerfungen der Weltwirtschaft" den Status als "internationaler Financier" verlieren würden. 8Katharina Spiegl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.1.1.2009)

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