"Wir sind hier, um zu bleiben!"

12. Jänner 2009, 19:23
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Die US-Autohersteller verzichten bei der Heimmesse auf Bombast und versprechen wieder einmal, "grüner" zu werden

"In mehrerlei Hinsicht ein Neubeginn für General Motors" bedeute diese Autoshow, betonte Konzernchef Rick Wagoner. Der vielkritisierte GM-Boss sagte, was dies bedeuten solle: Mit den Subventionsmilliarden der US-Regierung wolle er "schnellstmöglich die Restrukturierung umsetzen", außerdem "die weltweiten Technologieführerschaft anstreben". Kleiner, schlauer, sparsamer sollen die Autos des Konzerns demnach ab sofort werden, und dazu ließ man alles aus US- und Korea-Fertigung auffahren, was auch nur entfernt das Prädikat "neu" verdiente. Dazu skandierte eine gute Hundertschaft von GM-Mitarbeitern, bewaffnet mit Transparenten, beschriftet mit Durchhalteparolen: "We are here to stay!" - "Wir sind hier, um zu bleiben!" Der Hang zur Show bleibt den Amerikanern selbst in der ärgsten Krise erhalten. Indes: kein Vergleich zu den bombastischen Showspektakeln vergangener Jahre.

Was übrigens auch für die Kollegen von Ford und Chrysler gilt. Auch bei Ford sorgten hauseigene Claqueure für nur spärlich aufkommen wollende Stimmung, und Bill Ford versprach eine glänzende ökokorrekte, weil hybridisierte Zukunft - der Fusion Hybrid etwa soll in den USA bereits im Frühjahr auf den Markt kommen.

Scherzen über die Krise

Anders als GM und Ford will Chrysler auf Elektromobile setzen. Auch hier sind es die ungewohnt leisen Töne, die auffallen - aber Scherzchen über die Krise wollten die Präsentatoren sich dann doch nicht verkneifen. 2010 soll das erste E-Modell auf den Markt kommen, bis 2013 sollen weitere folgen, falls es "uns dann noch gibt". Insgesamt aber hinterlässt die Show einen beklemmenden Eindruck. Viele (Porsche, Nissan, Suzuki etc.) sind gar nicht erst gekommen, und es sind die Deutschen - sowie, mit Abstrichen, Toyota und Honda - mit ihrer Neuheitenflut, die die Messe retten.

Doch auch bei den Deutschen ist nicht alles eitel Wonne: In den großen Daimler-Werken hat am Montag die Kurzarbeit begonnen. Auch VW schließt Kurzarbeit nicht mehr aus. Die deutschen Ford-Werke warten noch ab, BMW fährt die Produktion nach der verlängerten Weihnachtspause nach oben und verzichtet vorerst auf Kurzarbeit. (Andreas Stockinger aus Detroit, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 13.1.2008)

 

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