Und ewig steigt der Feinstaubwert

12. Jänner 2009, 19:19
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Heuer wurden bisher täglich die EU-Grenzwerte für Feinstaub überschritten

Graz/Wien - Auf manche Dinge ist eben noch Verlass: Auch diesen Winter dürfen sich Menschen mit vorbelasteten Herzkranzgefäßen, ältere Menschen oder Eltern von Kindern wieder überlegen, ob sie "frische Luft schnappen" sollen oder die Gefahr einer Bronchitis oder eines Herzinfarktes doch lieber abmildern, indem sie zu Hause bleiben. Das neue Jahr bescherte vor allem den Grazern bisher tägliche Überschreitungen des EU-Grenzwertes von 50 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft.

Auch in anderen 77 österreichischen Orten, etwa Leibnitz, Lienz, Innsbruck, Fürstenfeld oder Eisenstadt, kletterten die Werte zu hoch. Martin Blum vom Verkehrsclub Österreich zog den Vergleich zum derzeit heiß diskutierten Rauchergesetz: "Die Wirkung des Feinstaubs ist mit den Gesundheitsschäden durch Rauchen vergleichbar. Während man es sich aber aussuchen kann, in welches Lokal man geht, ist man der Feinstaubbelastung schon allein dadurch ausgesetzt, wenn man auf die Straße geht."

Kritik kam am Montag auch von der steirischen Grünen-Klubobfrau Ingrid Lechner-Sonnek, die sich laut fragte, wo die "14 neuen Feinstaub-Maßnahmen", die der steirische SP-Umweltlandesrat Manfred Wegscheider noch für 2008 ankündigte, blieben.

Wegscheider hofft auf Berlakovich

Die Mitte Dezember um 17,5 Millionen installierte Verkehrsbeeinflussungsanlage, die mit 51 elektronischen Anzeigetafeln um Graz Tempolimits bei Grenzwertüberschreitungen anzeigt, zu beurteilen ist noch zu früh. "Erste aktuelle Auswertungen der Anlage bekommen wir Ende der Woche", heißt es aus dem Büro des Umweltlandesrates.

Bei der Umsetzung einer anderen Maßnahme hofft Wegscheider auf ein Gespräch mit dem neuen Umweltminister Nikolaus Berlakovich (VP), das er bis "spätestens Februar" führen möchte. Dabei geht es um die von allen Landesumweltreferenten schon im März 2007 geforderte Nachbesserung des Immissionsschutzgesetzes Luft (IGL). Diese wäre nötig, damit eine Umweltzonen-Regelung mit roten, gelben und grünen Plaketten für Autos, wie sie in Deutschland besteht, umgesetzt werden kann.

Dass Berlakovich schneller agiert als sein Vorgänger Josef Pröll, hofft Wegscheider, weil Berlakovich bei der Landesumweltreferenten-Konferenz (LURK) 2007 selbst als burgenländischer Umweltlandesrat den einstimmigen Beschluss mittrug. Für eine Zonenregelung müsste auch SP-Infrastrukturministerin Doris Bures ins Boot geholt werden, damit realisiert werden kann, was Pröll und Ex-Infrastrukturminister Werner Faymann verabsäumten. Aus dem Büro Berlakovich hieß es auf STANDARD-Anfrage lediglich: "Es wird daran gearbeitet." (Colette M. Schmidt/DER STANDARD-Printausgabe, 13.1.2009)

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