Ein Kampf um Faymann

12. Jänner 2009, 19:04
10 Postings

Es ist immer gut, wenn die falsche Darstellung von Ereignissen rechtzeitig korrigiert wird, sodass sie sich erst gar nicht als vermeintlich historische Wahrheit

Es ist immer gut, wenn die falsche Darstellung von Ereignissen rechtzeitig korrigiert wird, sodass sie sich erst gar nicht als vermeintlich historische Wahrheit in den Köpfen der Menschen festsetzen kann. Dieses Verdienst haben sich am Samstag mit Richard Lugner und Hans Dichand zwei prominente Landsleute erworben, indem sie in "Österreich" Meldungen des Blattes zurechtrückten, die, wie so viele andere Fantasien dortiger Blattmacher, geeignet wären, in Österreich für Aufruhr zu sorgen, blieben sie unwidersprochen.

Zunächst berichtete "Österreich" von Mausis 1. Tag im Dschungel nur das Beste: Gelungene Urwald-Premiere für Mausi. Offenbar bestanden sogar in der Redaktion Zweifel an dieser Art der Berichterstattung, weshalb man sich gleich um einen objektiven Beobachter umsah und ihn in Richard Lugner fand. Dessen Urteil über Mausis 1. Tag im Dschungel fiel naturgemäß etwas anders aus, nämlich so: Auch, wenn die ersten Meldungen und Bilder aus dem Dschungelcamp das Mausi als fürsorglich und liebenswürdig erscheinen lassen, ändert das nur wenig an meiner grundsätzlichen Haltung zum Format und zu ihrer Teilnahme: Es ist alles so furchtbar. Es ist alles so unendlich grauslich.

Eine gelungene Premiere sieht anders aus. Aber eine grausliche Premiere soll ja ein gutes Omen für weitere Aufführungen sein. In diesem Sinne hat Hans Dichand von "Österreich" eine Gegendarstellung begehrt, die das Blatt als Abenteuer im hiesigen Mediendschungel zwei Seiten hinter Mausis Dschungel-Abenteuer veröffentlichte. Es ging dabei um den berüchtigten Unterwerfungsbrief von Gusenbauer & Faymann in Sachen EU an den sehr geehrten Herausgeber der "Kronen Zeitung" und um die Frage, wie viel Inspiration dazu vorweg dem Adressaten entströmt sei.

"Österreich" war der Meinung: ein beträchtliches Quantum. Was Dichand entgegnete: Dazu haben Sie die Behauptung verbreitet, dass dieser Brief "von Faymann mit Dichand" getextet worden wäre. Diese Behauptung ist unwahr: Hans Dichand war an der Textierung dieses Briefes nicht beteiligt.

Statt sich von der in diesem Fall unangebrachten Bescheidenheit rühren zu lassen, stellte sich "Österreich" als die von Dichand allein verfolgte Unschuld dar. Nur von ÖSTERREICH verlangt Dichand die Entgegnung, der umstrittene EU-Leserbrief von SPÖ-chef Faymann wäre nicht (!) mit seiner Hilfe entstanden - was Kenner der Krone-Leserbriefseite zu einem Schmunzeln veranlassen dürfte.

Soll damit etwa unterstellt werden, der greise Dichand beteilige sich habituell an der Textierung von Leserbriefen, wo doch - bei erprobter intellektueller Mündigkeit der Beiträgerinnen und Beiträger - schon die Auswahl genügen dürfte? Jeder Zweifel an Dichands bis zur Teilnahmslosigkeit gehenden Unbeteiligtheit ist überflüssig. Aber "Österreich", sonst immer stolz, jeden Schmarren exklusiv zu haben, wollte Dichands Zorn über die Zumutung textlicher Urheberschaft nicht allein erleiden. Als ÖSTERREICH in einer Glosse darauf hinwies, dass zahlreiche Zeitungen diese Behauptung aufgestellt hatten, begehrte Dichand eine weitere Entgegnung: Das sei unrichtig - nur ÖSTERREICH hätte diese Darstellung gebracht, das wisse er aus eigener (offenbar besonders sorgfältiger) Lektüre ganz genau.

Mit seinem Versuch, "Österreich" das Exklusive zu retten, ist Dichand gescheitert. Das Gericht hat Dichands zweite Entgegnung in allen Punkten abgewiesen. Wenigstens daraus versuchte Wolfgang Fellner das Beste zu machen. Die Behauptung, Dichand hätte den Leserbrief mit Faymann gemeinsam getextet, stand in zahlreichen Zeitungen - von Standard bis OÖ Nachrichten, die der greise Dichand sichtlich weniger genau liest. Wir nehmen 's als Kompliment. Den Ruhm, die von Dichand am genauesten gelesene Zeitung zu sein, kann "Österreich" niemand mehr nehmen.

Der weiß schon, warum er die Konkurrenz so genau studiert. Schließlich will ihm Wolfgang Fellner den Faymann streitig machen - und das, ohne auch nur eine Zeile an dessen Brief mitgetextet zu haben. Erst im Sonntagsblatt hat er es wieder getan. Werner Faymann machte als Kanzler im ersten Monat eine exzellente Figur. Er hat im Gegensatz zum lahmen Gusi endlich Schwung in die österreichische Politik gebracht. Faymann ist endlich wieder ein Kanzler, der auf die Menschen hört und zu den Menschen geht. Das hatte Fellner so exklusiv, dass nicht einmal die "Krone" mitkonnte. Die sah Samstag nur einen Stil der Sachlichkeit. Peinlich!(Günter Traxler, DER STANDARD; Printausgabe, 13.1.2009)

Share if you care.