"Das Geld liegt in den ORF-Strukturen"

12. Jänner 2009, 18:24
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Newsroom, Neubau, explodierende Kosten und neuer Chef: Schlag nach bei Dänen

Der dänische Rundfunk DR hat dem ORF einiges voraus. Einen Newsroom für TV, Radio, Online zum Beispiel, wie ihn ORF-Chef Alexander Wrabetz seit 2007 anstrebt und bald von einer Arbeitsgruppe planen lässt. DR nannte Wrabetz in dem Punkt mehrfach als Vorbild, neben der BBC als Mutter öffentlich-rechtlichen Funkens.

Ein gemeinsamer Newsroom für drei Medien stellt den ORF umso dringlicher vor die bekannte Frage, ob er eigene Direktoren für TV-Info, Radio, Online braucht. Das Gesetz verlangt derzeit mindestens vier und höchstens sechs Direktoren, heute ist die Zahl voll ausgeschöpft. Das EU-Wettbewerbsverfahren bietet noch heuer eine Gelegenheit, das Gesetz zu ändern, und damit die künftige Zahl der Direktoren.

Wrabetz schloss intern einen gemeinsamen Chefredakteur für alle ORF-Medien aus. Produktverantwortliche für Infos in TV, Radio und Online stehen einem gemeinsamen Direktor für Information grundsätzlich nicht im Weg.

"Das Geld liegt in den ORF-Strukturen"

Den ORF-Chef dürfte aber beim Strukturkonzept, das er am 2. April durch den Stiftungsrat bringen muss, vor allem eine Frage beschäftigen: Wie viele Führungsebenen gibt es unter den Direktoren - und was tun die? "Das Geld liegt in den Strukturen", wird er intern zitiert.

Der Medienpolitik liegt meist mehr an Personen. Also kursiert, bevor noch an ein kleineres Direktorium zu denken ist, ein Personaltausch: Wrabetz könnte versuchen, Kanzler Werner Faymann gnädiger zu stimmen, indem er TV-Chefredakteur Karl Amon ins Direktorium holt. Etwa als Radiodirektor, der Job interessierte Amon schon. Ausbaufähig zum Rundum-Infodirektor über einem multimedialen Newsroom in einem neuen ORF-Zentrum; dessen Standort ist ebenfalls im Frühjahr Thema.

Auch die dänische Anstalt baute um ihren Newsroom eine neue Zentrale. Die Kosten liefen derart aus dem Ruder, dass DR-Chef Christian Nissen den Hut nehmen musste. Seine Nachfolger zwang das zum Abbau von 300 Jobs. Wrabetz zieht diesen Punkt gerade vor. (Harald Fidler, DER STANDARD; Printausgabe, 13.1.2009)

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