Die EU bleibt weiter im "Geburtentief"

12. Jänner 2009, 15:21
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Kein einziges Land erreicht die notwendige Geburtenzahl, um ohne Migration die Bevölkerung stabil halten zu können - Österreich sogar unterm Durchschnitt

Rostock - In allen europäischen Ländern sind die Geburtenraten zu niedrig, um die gegenwärtige Bevölkerungszahl ohne Zuwanderung stabil zu halten. Zu diesem Ergebnis kam eine umfassende Analyse des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung in Rostock.

Akzeptanz von Patchwork-Familien wirkt positiv

Allerdings seien die Geburtenraten in Nord- und Westeuropa deutlich höher als auf dem übrigen Kontinent. Österreichs Werte wurden diesbezüglich als unterdurchschnittlich eingestuft.Die Untersuchung sieht dabei einen Zusammenhang mit der Familienpolitik und dem Vorherrschen toleranter und säkularer Werte, wie die Fachzeitschrift "Demografische Forschung aus Erster Hand" in ihrer aktuellen Ausgabe berichtet. Die zunehmende Akzeptanz von eheähnlichen Gemeinschaften und nicht-ehelichen Kindern wirke sich inzwischen positiv aus.

Dem sogenannten "Ersatzniveau" von 2,1 Geburten je Frau kämen nur Frankreich, Großbritannien, Irland und die nordischen Länder nahe, und zwar mit Werten von 1,8 bis 2,0. Die deutschsprachigen Länder und die übrigen Staaten Mittel-, Ost- und Südeuropas hätten dagegen deutlich niedrigere Geburtenraten zwischen 1,3 und 1,5.

Ausbildung wichtiger als Kinder

Die Forscher erklären das "Geburtentief" in ganz Europa mit dem Aufschieben von Familiengründungen und dem veränderten Lebenslauf junger Menschen, in dem die Ausbildungszeiten eine immer größere Rolle spielen.

"In den nordischen Ländern, wo die Kinderbetreuungsinfrastruktur gut ausgebaut ist und wo Männer sich mehr als in anderen Teilen Europas an der Kindererziehung und Hausarbeit beteiligen, fallen diese Entscheidungen leichter", meinen die Forscher. In den 60er- und 70er- Jahren habe es in Nord- und Westeuropa einen Kultur- und Wertewandel in Bezug auf Familiengründungen gegeben, der zunächst zu einem Sinken der Geburtenraten geführt habe. Dies habe sich inzwischen umgekehrt. "Der ursprünglich negative Zusammenhang zwischen dem Kultur- und Wertewandel und der Geburtenrate hat sich sogar in einen positiven verkehrt", heißt es in der Zeitschrift.

Allerdings liegt Irland, das die Forscher auf dem "Index der Familienwerte und des Verhaltens" nur im Mittelfeld verorten, bei der Geburtenrate noch vor Frankreich, Spitzenreiter ist Island. Deutschland, Österreich und Slowenien werden zwar als sehr tolerante und säkulare Länder eingestuft, ihre Geburtenraten sind jedoch unterdurchschnittlich.

Kleiner Beitrag von Migrantinnen

Eine positive Wirkung auf die Geburtenrate hat nach Ansicht der Bevölkerungswissenschaftler auch die Einwanderung. In acht ausgewählten westeuropäischen Ländern (Niederlande, Großbritannien, Portugal, Österreich, Italien, Frankreich, Spanien, Deutschland) hätten die Zuwanderinnen die Geburtenziffern zwischen 1997 und 2006 um drei bis acht Prozent gesteigert. Damit sei ihr Beitrag allerdings zu klein, um in diesen Ländern den Anstieg der Geburtenrate allein zu erklären. (APA/dpa)

 

 

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