Hollywoods 3D-Hoffnungen in Gefahr

12. Jänner 2009, 14:19
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Kinos hinken mit technischer Ausstattung hinterher

Hollywoods überschwängliche Erwartungen an das 3D-Kino sind möglicherweise zu hoch gefasst. Im vergangenen Jahr ist das Thema 3D-Film in der Traumfabrik zur großen Zukunftshoffnung herangewachsen. Viele Studios investierten verstärkt Geld in die Produktion von digitalen 3D-Filmen und versuchten auch die Digitalisierung der Kinos anzutreiben. Walt Disney allein hat bereits 15 3D-Filme in Planung, 20th Century Fox pumpt geschätzte 200 Mio. Dollar in das 3D-Abenteuer "Avatar", das im Dezember in die Kinos kommen soll. Allerdings melden sich nun erste Analysten zu Wort, die davor warnen, die Erwartungen in den Bereich 3D zu hoch zu stecken. Wie die New York Times berichtet, hinken die meisten Kinos in puncto technischer Ausstattung nämlich noch deutlich hinterher und stehen im Digitalisierungsprozess erst ganz am Anfang.

"Der Prozess der Umstellung befindet sich aber noch am Anfang"

"Die 3D-Entwicklung hängt von der Digitalisierung der Kinos ab. In Deutschland versucht die Branche insgesamt die Digitalisierung voranzutreiben, 3D wird dabei inkludiert", erklärt Jan Oesterlin, Geschäftsführer von Zukunft Kino Marketing, einer Initiative des Hauptverbandes Deutscher Filmtheater (HDF), im Gespräch mit pressetext. 3D-Film sei ein tolles, innovatives Produkt im Kontext der gesamten Entwicklung. Allerdings müssten dafür zunächst komplett auf digitale Systeme umgestellt werden und das gehe nicht von heute auf morgen. "Es gibt bereits einige Kinobetreiber in Deutschland, die schon 3D haben. Der Prozess der Umstellung befindet sich aber noch am Anfang", so Oesterlin weiter. Es bleibe abzuwarten, ob bzw. wie viele Kinos zum Start der neuen 3D-Hollywoodfilme dann schon entsprechend ausgestattet sein werden.

Furcht

Einige Branchenbeobachter in den USA befürchten nun, dass die Filmstudios am Ende mit ihren sündteuren 3D-Produktionen nicht genügend Geld einspielen können, weil die meisten Kinosäle nicht entsprechend ausgestattet sind. "Es sieht langsam so aus, als würde es eine Menge enttäuschter Produzenten geben, die nicht in der Lage sind, die Investments wieder hereinzubekommen", meint Harold L. Vogel, Medienanalyst und Autor des Buches "Entertainment Industry Economics", gegenüber der New York Times. 3D-Filme kosten um einiges mehr in der Produktion, können aber auch deutlich mehr Umsatz bringen. Allerdings unterstützen derzeit nur rund 1.300 der 40.000 Kinos in Nordamerika das digitale 3D-Format. Hierzulande sind es bislang ohnehin verschwindend wenige. Immerhin handelt es sich bei der Umrüstung der Kinosäle auch um eine kostspielige Investition.

Aufgrund der Finanzkrise ist auch das Finanzierungsprojekt zur Digitalisierung von US-Kinos seitens fünf der größten Filmstudios zum Stillstand gekommen. Doch Hollywood versucht zu beruhigen. "Das ist eine Langzeit-Vereinbarung und eine Langzeit-Strategie", so DreamWorks-Chef Jeffrey Katzenberg. Die deutsche Kinobranche scheint der Entwicklung des 3D-Films ebenfalls zuversichtlich und gelassen gegenüber zu stehen. "3D bietet dem Zuschauer eine spannende Innovation. 3D-Filme werden in der Regel aber auch als 2D-Version möglich sein. Nicht jeder Film muss in Zukunft zwingend in 3D gezeigt werden", meint Oesterlin gegenüber pressetext. (pte)

 

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