Das Drama der Exklusion

12. Jänner 2009, 13:06
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Diskussion in Wien rund um die Degradierung armer Menschen, Gegenstrategien und veränderte Begriffe

Die Zahl der Armen in unserer Gesellschaft steigt. Wer von Armut betroffen ist, ist in mehrfacher Weise vom sozialen und kulturellen Leben ausgeschlossen - mit dramatischen Folgen für die Betroffenen. Bei der Tagung "Das Drama der Exklusion" des Internationalen Forschungszentrums Kulturwissenschaften (IFK) stehen am Freitag (16. Jänner) jene Teile der Bevölkerung im Mittelpunkt, die mit unscharfen Begriffen wie "Prekariat", "Unterschicht" oder "ModernisierungsverliererInnen" bezeichnet werden.

Degradierung

Eröffnet wird die Tagung vom Sozialwissenschafter Heinz Bude mit einem Vortrag über die schrittweise Degradierung der Armen, die dazu führt, dass sie schließlich vollkommen außerhalb des Sozialen stehen. Bude meint, dass sie dadurch "überflüssig" würden und keinen angestammten Ort, keine Adresse mehr hätten, sondern bloß ein gemeinsames Schicksal.

Michaela Moser von der Armutskonferenz berichtet in ihrem Vortrag "Wir sind keine Bittsteller, wir wollen Respekt" darüber, wie Armutsbetroffene selbst Strategien gegen ihre Situation entwickeln. Sie gibt einen Überblick über aktuelle Initiativen zur Stärkung der Teilhabe von Menschen mit Armutserfahrungen und ihren Kämpfen um Subjektstatus, Deutungsmacht und politische Einflussnahme.

"Soziale Ausschließung"

Der Soziologe Heinz Steinert plädiert dafür, sich genauer anzusehen, welche Vorgänge und Phänomene sich hinter dem Begriff "soziale Ausschließung" verbergen. Für die Wissenschaft interessant werde dieser Begriff dann, wenn wir darunter einen Vorgang verstehen - keinen Zustand, meint Steinert.

Abschließend spricht die Soziologin Hilde Weiss von der Universität Wien über die Veränderung in den Begrifflichkeiten der sozialen Ungleichheit. Heute, so Weiss, werde über die Wiederkehr der bereits verabschiedeten Klassengesellschaft diskutiert - die Phase des Wohlstands für breite Bevölkerungsschichten müsse als historische Ausnahmeerscheinung gesehen werden. (red)

Tagung
"Das Drama der Exklusion"
Tagung am IFK
16. Jänner 2009 (öffentlich zugänglich, freier Eintritt)
Zeit: 14.30-18.15 Uhr
Ort: IFK, 1010 Wien, Reichsratsstraße 17/DG

Konzeption
Lutz Musner (IFK, Wien)

TeilnehmerInnen
Heinz Bude (Fachbereich 05, Gesellschaftswissenschaften, Universität Kassel)
Michaela Moser (Die Armutskonferenz, Wien; Vizepräsidentin des European Anti-Poverty Network)
Heinz Steinert (Wien; Soziologie, Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt/Main)
Hilde Weiss (Institut für Soziologie, Universität Wien)

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