Riesenrundgemälde kann übersiedelt werden

12. Jänner 2009, 12:16
14 Postings

Kulturministerium bewilligt "Translozierung" auf Bergisel mit denkmalschutzrechtlichen Auflagen

Innsbruck - Im Streit rund um eine Translozierung des Tiroler Riesenrundgemäldes hat das Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur in Wien am Montag einen positiven Bescheid erteilt: Das Kunstwerk - es zeigt die Bergiselschlacht der Tiroler rund um Andreas Hofer gegen Franzosen und Bayern - kann von seinem jetzigen Standort im Innsbrucker Stadtteil Saggen auf den Bergisel übersiedelt werden. Die Attraktivität des Gemäldes solle dadurch gesteigert werden, hieß es in einer Aussendung. Allerdings sollen "klare denkmalschutzrechtliche" Auflagen eingehalten werden.

"Der Ausstellungskomplex am Bergisel, wo auch das Kaiserjägermuseum eingebunden wird, bildet jenes zeitgemäße museale Umfeld, das dem ursprünglichen Sinn des Panorama-Gemäldes gerecht wird", erklärte das Ministerium. Die "ursprüngliche Schaffung des Gemäldes als Kunstwerk" sei eine wichtige Grundlage der Entscheidung gewesen. Für die Unterbringung und Präsentation komme es in erster Linie auf den Typ und den attraktiven Standort des Gebäudes an.

Baulicher Zustand "bedenklich"

Kulturministerin Claudia Schmied (S) zeigte sich zudem überzeugt, dass auf dem Bergisel "mehr klimatechnische, konservatorische und wartungstechnische Leistungen zugunsten des Gemäldes erbracht werden", als dies am derzeitigen Standort im Innsbrucker Stadtteil Saggen "gesetzlich erwartbar und durchsetzbar" wäre. Der bauliche Zustand der Rotunde sei von einer Zivilingenieursfirma für Bauwesen als "bedenklich" eingestuft worden.

Bei der Übersiedelung müssten der Abbau, der Transport, die Restaurierung sowie die Neumontage ebenso berücksichtigt werden, wie die "konservatorischen Bedingungen" im neuen Ausstellungsgebäude. "Klar ist, dass der Transfer des Gemäldes von geeigneten Fachleuten und im Einvernehmen mit dem Bundesdenkmalamt zu erfolgen hat", hieß es in der Aussendung weiter.

Der Bestand des Riesenrundgemäldes am neuen Standort müsse unter konservatorischen Gesichtspunkten gewährleistet sein. Zusammen mit der im Denkmalschutzgesetz festgeschriebenen besonderen Beachtung der "langfristigen wirtschaftlichen Absicherung des Gemäldes" sei dies ein wichtiger Umstand, auf den die Transfer-Bewilligung aufbaue.

Als "Genugtuung" hat die Tiroler Landesregierung die Entscheidung gesehen. "Das neue Museum sei ein 'idealer Standort'. Das Konzept sieht vor, 'die wichtigsten Stränge der Erinnerungskultur Tirols zusammenzuführen und in der europäischen Perspektive des 21. Jahrhunderts neu zu bewerten'", sagte Landeshauptmann Günther Platter (V) in einer ersten Reaktion. Jene der Opposition fielen naturgemäß unterschiedlich aus: Während der Kultursprecher der Grünen Wolfgang Zinggl kritisierte, dass in der Entscheidung von Schmied der "Denkmalschutz zu einem politischen Spielball" werde, ortete das Bürgerforum Tirol in der Causa eine "reine Macht-, keine Sachentscheidung". Der Tiroler Landeskonservator Franz Caramelle akzeptierte die "Entscheidung von höchster Ebene kommentarlos".

Jahrelanger Streit

Dem Bescheid war ein jahrelanger Streit über eine mögliche Translozierung vorausgegangen. Das Bundesdenkmalamt hatte diese in einem Bescheid zweimal abgelehnt. Das Land Tirol hatte sich kämpferisch gezeigt und sich weiterhin für den neuen Platz des Kunstwerks eingesetzt.

Im laufenden Jahr begehen Nord- und Südtirol mit zahlreichen Feierlichkeiten den 200. Jahrestag der Bergiselschlachten der Tiroler rund um Andreas Hofer gegen Franzosen und Bayern. Aus diesem Anlass soll am Bergisel ein "Museum der Traditionskultur" entstehen. Dieses soll das Riesenrundgemälde, das Tiroler Kaiserjägermuseum und eine Dauerausstellung zur Geschichte Tirols beherbergen. Kosten werde das Projekt rund 20 Millionen Euro.

Zuletzt hatte sich ein Personenkomitee, unter anderem die Autoren Felix Mitterer, Christoph Ransmayr und Alois Hotschnig sowie Bergsteiger Reinhold Messner, für den Erhalt des Tiroler Riesenrundgemäldes an seinem ursprünglichen Standort eingesetzt. "Diese Personen haben sich zusammengefunden, um sich im Sinne des Denkmalschutzes gegen die Trennung des Ensembles zu stellen", hatte der Landeskonservator für Tirol, Franz Caramelle, damals gesagt. Die geschichtsträchtige Rotunde und das Gemälde dürften nicht getrennt werden. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Das Kunstwerk kann von seinem jetzigen Standort im Innsbrucker Stadtteil von der geschichtstraechtig Rotunde getrennt werden

Share if you care.