Der mediale Krieg

16. Jänner 2009, 10:48
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Die Machthaber wussten sich schon zu Zeiten von Alexander dem Großen der Macht der Medien zu bedienen

Youtube als Propagandakampfplatz - das ist ein neuer Schauplatz im Medienkrieg. Anfang der Woche strahlte der TV-Sender France 2 ein Video aus, das angeblich die Opfer eines israelischen Angriffs Anfang Jänner zeigte. In Wirklichkeit handelte es sich um Bilder, die bereits 2005 entstanden und die Folgen einer durch einen Unfall ausgelösten Explosion zeigten. France 2 musste eingestehen, einem Propagandavideo aufgesessen zu sein. Der gleichen Mittel bedient sich natürlich auch die zweite Kriegspartei. Auf youtube finden sich unzählige Beispiele, in denen Israel den Eindruck zu vermitteln versucht, einen sauberen und präzisen Krieg zu führen.

Youtube ist relativ neu - der Medienkrieg an sich ist natürlich ein alter Hut. Jahrhunderte vorher bediente man sich während Kriegen der Strategie der Manipulation der öffentlichen Meinung durch gezielte Information.

Erster "Pressekrieg" der Geschichte

Sucht man in der Geschichte nach der ersten Propagandaberichterstattung, könnte man ohne weiteres sogar auf Alexander den Großen zurückgreifen. Er wusste mit Hilfe von Berichterstattung von der Front seinen Ruf als glorreichen Feldherrn zu festigen. Seine Schreiber hatten aber auch die Aufgabe, den Gegnern gezielt Falschinformationen zukommen zu lassen. Trägermedium war,  damals - fast 700 Jahre vor youtube - natürlich auch die Kunst, wie zum Beispiel der Alexandersarkophag eindrücklich darstellt.

Als erster "Pressekrieg" der Geschichte wird häufig der Krimkrieg Russlands gegen England, Frankreich und das Osmanische Reich von 1853 bis 1856 zitiert. Die führenden Militärs waren zu Beginn des Krieges mit dem Aufkommen der Berichterstattung überfordert. Sie reagierten spät auf die Berichterstattung, dann allerdings sehr restriktiv. Der bekannte Kriegsberichterstatter William Howard Russel von der Londoner Times wurde wegen seiner Berichterstattung der Spionage bezichtigt. Zum Ende des Krieges wurde die Berichterstattung erheblich erschwert und zensiert.

"Embedded" Journalisten

Eine bewusste Lenkung und Informationsvermittlung existierte zu der Zeit allerdings noch nicht. Erst im ersten Weltkrieg wurde Propaganda bewusst eingesetzt. Großbritannien praktizierte erstmals den "embedded" Journalismus, bei dem die Berichterstatter mit an der Front waren. Erstmals wurden auch Filmaufnahmen gemacht. Bekannt wurde hier zum Beispiel Eduard Hoesch, der "persönliche Operateur" von Kaiser Karl, der ihn bei seinen Frontbesuchen mit der Kamera begleitete und das Bild eines sich sorgenden Kaisers zeichnete. Bekannt ist aus dem Propagandafilm "Unser Kaiser" vor allem die Szene, in der Karl an der Front für das Waffenglück seiner Truppen betete.

Weil vor allem und intensiv von der Heimatfront berichtet wurde, entstand allerdings bei der Bevölkerung der Eindruck, dass der Krieg auch dort verloren wurde. Die Nationalsozialisten wollten hinsichtlich der Kriegsberichterstattung nichts dem Zufall überlassen und bauten eine der wirksamsten Propagandamaschinerien der damaligen Zeit auf. Eigene Propagandakompanien waren für die erwünschte Berichterstattung zuständig.

Der Vietnamkrieg war ein Wendepunkt in der Chronik der Kriegsberichterstattung. In den USA wurde breit und regelmäßig berichtet. Der Zugang für Journalisten wurde relativ freizügig gehandhabt. Fernsehen und auch schon Video spielten eine wichtige Rolle für die Breitenwirkung der Berichterstattung. Ob der Krieg tatsächlich auf den Druck der kritische Berichterstattung hin gestoppt wurde, ist allerdings umstritten. Auf alle Fälle erfuhr die Entwicklung des freien Journalismus nach dem Vietnamkrieg eine Einschränkung. Das Trauma von Watergate tat sein übriges dazu.

Klinischer Krieg

Weltweit wurde Anfang der Neunziger dann der Irakkrieg inszeniert. Die Bilder von CNN präsentierten einen klinischen Krieg aus der Perspektive der Angreifer erstmals flächendeckend und mit Livecharakter auf allen Bildschirmen. Beim zweiten Irakkrieg konnte die internationale Berichterstattung zumindest auch auf Bilder der "Gegenseite", des arabischer Nachrichtensenders Al Jazeera zurückgreifen. (mhe, derStandard.at)

  • Schon Alexander der Große wusste über die Macht der gelenkten Berichterstattung. Noch heute werden über "den großen Feldherren" etliche Filme gdreht.
    foto: ap

    Schon Alexander der Große wusste über die Macht der gelenkten Berichterstattung. Noch heute werden über "den großen Feldherren" etliche Filme gdreht.

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