Suche nach Sündenböcken für FWF-Finanznot läuft

13. Jänner 2009, 19:15
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Wissenschaftsminister berät am Montag mit Aufsichtsrat

Wien - Kaum wurde der Wissenschaftsfonds FWF per Ministerratsbeschluss ins Wissenschaftsressort transferiert, läuft die Suche nach den Sündenböcken für die angespannte Finanzsituation an. Sie glaubt man im FWF, genauer gesagt im Cashflow-Management des für Grundlagenforschung zuständigen Fördertopfs gefunden zu haben. Dort ortet man seitens des Wissenschaftsministeriums insofern "Optimierungsbedarf", als man vermutet, dass für mehrjährige Programme gewidmete 30 bis 40 Millionen Euro in einem Jahr ausgeschüttet worden seien, anstatt die Fördergelder auf wenigere mehrjährige Projekte aufzuteilen.

Ganz schlüssig ist diese Argumentation freilich nicht, denn das für die FWF-Gebarung hauptzuständige Infrastrukturministerium hatte dem FWF in der Vergangenheit stets so genannte Vorbelastungsgenehmigungen erteilt. Mit diesen Vorbelastungen lebte der FWF wohl auf Pump, konnte aber immerhin die Ausfälle der Nationalstiftung wettmachen. Allein 2008 mussten auf diese Weise 17 Mio. Euro ersetzt werden, weil die Nationalstiftung an den FWF statt 42 nur 25 Mio. Euro ausschüttete.

Jedes über Vorbelastungen finanzierte Projekt sei von den Aufsichtsorganen genehmigt worden, heißt es im FWF, wo man aber einräumt, dass es über die jahresweise Zuordnung tatsächlich Auffassungsunterschiede gegeben habe.

Fakt ist, dass die vom Hälfteeigentümer, also Wissenschaftsminister Johannes Hahn, entsandten FWF-Aufsichtsratsmitglieder bis dato die Gebarung nie beanstandet haben. Sie mussten über die Vorbelastungen im Bilde sein, waren sie in der FWF-Bilanz doch in Absprache mit Wirtschaftsprüfer KPMG ordnungsgemäß als Forderung gegen die Republik verbucht.

Der grüne Wissenschaftssprecher, Kurt Grünewald findet das Suggerieren von Misswirtschaft "inakzeptabel". Am Montag will Hahn mehr wissen, er lässt den FWF-Aufsichtsrat antreten. (ung/STANDARD,Printausgabe, 14.1.2009)

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