Kostspieliger Patriotismus

12. Jänner 2009, 10:43
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Der Verwaltungsrat der neuen Alitalia hat den Verkauf von 25 Prozent der Anteile der Airline an die Air France-KLM abgesegnet

Mailand - Der Verwaltungsrat der neuen Alitalia hat zu Wochenbeginn den Verkauf von 25 Prozent der Anteile der Airline an die französisch-niederländische Fluggesellschaft Air France-KLM abgesegnet. Ab Dienstag soll die neue Gesellschaft, in die auch Italiens zweitgrößte Airline Air One integriert wurde, den Betrieb aufnehmen. Vorerst werden aber noch einige der Flugzeuge am Boden bleiben, weil die Flugbehörde Enac eine technische Überprüfung angeordnet hat.

Rettung von Malpensa

Die Regierung hat zugesagt, den Mailänder Flughafen Malpensa zu "retten". Sie werde die - durch den Alitalia-Transfer nach Rom - freigewordenen Slots anderen Fluggesellschaften zuteilen und bilaterale Flugrechte neu verhandeln.

In der Regierungskoalition selbst ist die Partnerwahl auf Kritik gestoßen. Die norditalienische Lega Nord beschuldigt die Franzosen, Malpensa schließen zu wollen, um möglichst viele Passagiere nach Paris zu lotsen. Die Freigabe von Slots wird zweifellos der Lufthansa zugutekommen, die ab Jahresbeginn mit der neuen "Lufthansa Italia" von Mailand aus neue Flüge angekündigt hat.

Grundsätzlich saniert

Air France beteiligt sich an einer grundsätzlich sanierten Alitalia. Die Schulden (zwei Mrd. Euro), der Personalüberhang und die defizitären Bodendienste wurden wie berichtet an eine Verwertungsgesellschaft ("Bad Company") übertragen. Der Staat hat auch drei Mrd. Euro für eine außerordentliche Arbeitslosenhilfe der entlassenen Arbeitskräfte bereitgestellt.

Air France hatte vor knapp einem Jahr ein Übernahmeangebot für Alitalia präsentiert. Damals waren die Franzosen bereit, eine Mrd. Euro auszugeben und die gesamten 20.000 Alitalia-Arbeitnehmer zu übernehmen. Regierungschef Silvio Berlusconi wollte aber, dass Alitalia in italienischen Händen bleibe. Nun kommen die Franzosen billiger zum Zuge. Die Mehrheit an Alitalia ist ihnen sicher - innerhalb von fünf Jahren dürfen die Alitalia-Großaktionäre ihre Anteile abgeben. (tkb, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.1.2009)

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    Regierungschef Silvio Berlusconi wollte, dass Alitalia in italienischen Händen bleibe. Nun kommen die Franzosen billiger zum Zuge.

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