"Dominiert die Ökonomie, kommt der Crash"

11. Jänner 2009, 20:33
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    foto: orf, "kreuz & quer"

    Der Philosoph, Gruppendynamiker und Berater Gerhard Schwarz sieht die Ursachen der aktuellen Finanzkrise in einem Mangel an Regulierung. Die Politik habe nicht verstanden, wo sie bei den waghalsigen Finanztransaktionen mit Regeln ansetzen muss.

Die Theorien des Aristoteles über Geld und den Finanzmarkt helfen auch bei der Analyse der aktuellen Finanzkrise, erklärt der Philosoph Gerhard Schwarz im Interview

Nachgefragt hat Gabriele Kolar.

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STANDARD: Wie beurteilen Sie als Philosoph die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise?

Schwarz: Der Hauptparameter ist die Theorie des Aristoteles, der gesagt hat, dass das Geld drei Dimensionen hat: als Maßstab für den Tausch, als Kapital und als Eigentum. Zwischen diesen drei Dimensionen gibt es jeweils einen Widerspruch. Aristoteles hat das Zinsverbot durchgesetzt, weil er sagt, wenn Geld nur vom Gelde kommt, dann geht das ins Unendliche. Darum, sagt er, sind Finanzmärkte im Unterschied zu den Realmärkten crashanfällig. Immer dann, wenn die Finanzmärkte die Realmärkte dominieren, kommt es zum Crash.

STANDARD:  War der Crash also vorhersehbar?

Schwarz: Einige haben ihn schon vor 20 Jahren vorausgesehen, als das Verhältnis Finanzmarktumsätze zu realen Umsätzen auf der Welt 85:15 Prozent war. Und dann sind immer mehr gekommen, die gesagt haben, bei 90 bis 95 Prozent bricht die Blase zusammen. Dass es jetzt gekommen ist, da war die Immobilienkrise nur der Anlass. Man hat schon angenommen, dass es beim Platzen der IT-Blase passiert, aber da ist es noch nicht geschehen.

STANDARD: Hätte man den Crash trotzdem vermeiden können?

Schwarz: Noch eine These des Aristoteles: Er sagt, Kapital sei die Leistungsgerechtigkeit und Geld als Eigentum die Bedürfnisgerechtigkeit. Die beiden, Bedürfnis und Leistung, stehen in Konflikt. Wir brauchen eine dritte, übergeordnete, die sogenannte Gesetzesgerechtigkeit. Aristoteles sagte, immer dann, wenn nicht die Politik die Ökonomie dominiert, sondern umgekehrt, dann kommt es zum Crash. Denn dann dominiert die Leistungsgerechtigkeit über die Bedürfnisgerechtigkeit. Das ist ja die These, die Marx dann aufgegriffen hat. Marx sagte, am Kapitalismus ist nicht die freie Marktwirtschaft schlecht, sondern wenn Lobbys die Politik dominieren.

STANDARD: Ist dieser Crash in der Größe mit 1929 zu vergleichen?

Schwarz: Ich glaube nicht, dass dieser Crash so groß ist, wie der der 30er-Jahre. Objektiv nicht, und er wird auch nicht so lange dauern, weil die Politik jetzt besser gerüstet ist. Damals ist die Politik machtlos daneben gestanden. Marx hat gesagt, dass der Kapitalismus crashanfällig ist und er weiterentwickelt werden muss, indem die Politik die Ökonomie reguliert. Damit meint er den Sozialismus, der ein Kapitalismus ist, bei dem die Ökonomie von der Politik geregelt wird. Das, was passiert ist, ist ein Fehler der Politik gewesen. Wenn man ein Auto hat, das 300 Stundenkilometer fährt und keine Bremsen hat, bekommt man keinen TÜV mehr. Aber sie kriegen eine Zulassung als Investmentbank, wenn sie waghalsige Transaktionen machen. Es muss genauso einen TÜV für Finanztransaktionen geben, wie es einen TÜV für Autos gibt. Das ist eine Sache der Politik.

STANDARD: Die versagt hat ...

Schwarz: Die Politik kann die Ökonomie nur ändern, wenn sie sie versteht. Die politischen Parteien haben noch nicht mitgekriegt, was Ursache der Krise war und was reguliert gehört. Banken erfinden ja ständig neue Produkte, von denen die Politik noch nie etwas gehört hat. Jetzt wird mit der Gießkanne Geld ausgegeben, aber die Politik rettet jetzt auch. Das ist das Schöne, dass es die EU gibt, weil die Länder nicht der Reihe nach umfallen. Dieses Europa rettet uns jetzt vor dem Crash der 30er-Jahre.

STANDARD: Wenn Sie mehr Regulierung fordern, sind Sie auch für eine Tobin-Steuer?

Schwarz: Ja, natürlich, Tobin ist einer der genialsten Leute und sollte einen Nobelpreis kriegen. Mit so einer Steuer wären 80 Prozent dieser blödsinnigen Investmentspekulationen unrentabel. Dann braucht man sie nicht verbieten. Aber auch die Aufsichtsbehörden müssen besser besetzt werden, die gehören aufgewertet und grundsätzlich reformiert, damit es einen Anreiz gibt für gescheite Leute, in die Finanzmarktaufsicht zu gehen. Aber das muss EU-weit gemacht werden.

STANDARD: Ist Ethik eine Größe in diesem Spiel oder nicht?

Schwarz:  Das ist eine sehr umstrittene Frage, die wir jetzt unter den Philosophen lange diskutiert haben. Meine Hypothese ist, dass der Kapitalismus ein bisschen ein Rückfall auf die Urgesellschaft, auf archaische Strukturen ist. Der größere und stärkere frisst den Schwächeren. In der Natur nimmt im Tierreich der Stärkere dem Schwächeren das Essen weg, in der Hoffnung, dass der verhungert, was den evolutionären Vorteil hat, dass der seine schwächeren Gene nicht weitervererben kann. So ähnlich war's auch beim Homo sapiens. Aber irgendwann sind die Menschen draufgekommen, dass der Schwächere Mathematik kann, und wir lassen den nicht verhungern. Und das war der Beginn der Ethik, weil da haben sie eine Regel aufgestellt: Du sollst nicht stehlen. Wenn man Ethik jetzt so auffasst, im Allgemeinen Sinn, dass sie ein politisches Regulativ ist, dann war zu wenig Ethik da.

STANDARD: Also doch ...

Schwarz: Das ist der eine Begriff von Ethik, den ich für systematisch richtig halte: Wenn man sagt, Ethik sind Normen, die sich gegen die Natur richten. Es gibt kein Gebot, das sagt: "Du sollst nicht aufs Atmen vergessen", weil das tut ja niemand. Aber es gibt ein Gebot "Du sollst nicht stehlen", weil Stehlen eine normale Form der Ressourcenoptimierung darstellt. Das ist eine Regel gegen Ressourcenoptimierung, also gegen die Natur.

STANDARD: Also Ethik als Regeln gegen die "niederen Triebe"?

Schwarz: Wir sind eben noch immer Naturwesen. Aber es gibt noch einen zweiten Begriff von Ethik, und der funktioniert leider nicht, zum Beispiel der faire Preis: Dass man im Geschäftsleben sagt, ich zahle für einen Kaffee mehr Geld, weil es die Kaffeebauern in Peru schwerer haben als die in Afrika. Das funktioniert nicht, weil das Zeug kauft dann keiner. Diese Ethik im Sinn von Gewissen ist im Geschäftsleben nicht möglich, weil es sich nach Angebot und Nachfrage richtet. Da gibt es schöne Beispiele im Hochkapitalismus, die ethisch gehandelt haben, unternehmerisch aber zugrunde gingen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.1.2009)

Zur Person

Der Wiener Gerhard Schwarz (71) ist Philosoph, Gruppendynamiker sowie Berater und seit 1973 als Privatgelehrter freiberuflich tätig. Er hat an der Universität Wien Philosophie und an der Uni Klagenfurt Gruppendynamik unterrichtet und mehrere Bücher verfasst, darunter "Die heilige Ordnung der Männer", "Konfliktmanagement" und "Führen mit Humor". Schwarz arbeitet als Berater auch für mehrere Banken, darunter für die Deutsche und die Dresdner Bank.

 

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25 Postings
VomStandardzensuriert
00
21.8.2009, 21:36
Noch ein Wald.....

In Österreich hat die Kirche indirekt über eine Bank Beteiligungen an den Casinos Austria

vi-de dot com
 
00
27.7.2009, 09:14
Natürliche Systeme

wachsen bis sie ein Limit erreichen, dann gehen sie in ein Gleichgewicht über das relativ stabil ist.

(Wiese wird zu Wald und bleibt dann Wald)

Wir sind jetzt an diesem Punkt ... entweder wir reißen alles nieder und wachsen erneut, oder wir verabschieden uns von der Idee des Wachstums und damit von der Idee des Zinseszins. Vorerst.

Die dritte Alternative wäre es zu expandieren richtung All, nur blöderweise fehlt uns hierfür der Warpantrieb. Sobald wir soetwas haben geht das System wieder in ein Wachstum über (neben dem Wald verlandet ein See -> wird Wiese -> wird Wald)

jürgen hirsch
 
00
12.1.2009, 16:13
Freiwlligkeit bei Ethik ?

Freiwilligkeit bei Ethiknormen unterstützt letztlich die die sich zwar an Gesetze, und deren unsoziale Un-Ethik, halten aber ihre niederen Triebe im gesetzlichen Rahmen zur persönlichen "An-Reicherung" kräftig ausleben. Ökonomischer Sammeltrieb unter dem Motto: "Erlaubt ist was nicht veboten ist". Oder alles wird - bei "Was Fair ist bestimmen wir" - letztlich zur Machtfrage....

Arno Niesner
 
00
12.1.2009, 15:53
Ethik funktioniert nur ohne Vorschrift ...

... jedenfalls nicht mit jenen Regeln, die sich irgendein/e Philosoph/in ausgedacht und publiziert hat.

Nur weil ethisches Handeln den Hochkapitalismus nicht überlebte heißt es noch lange nicht, dass es nicht funktioniert. Bio und fair gehandelte Waren und das dafür stehende Wirtschaftssystem treten zum Gegenbeweis an. Ja, diese Form des ethischen Wirtschaftens war vielleicht gerade deshalb in den letzten Jahren so erfolgreich, WEIL ein neuer Hochkapitalismus bedrohliche Ausmaße annahm.

Und außerdem:

Was teurer ist als komplementäre Produkte, muss nicht unverkäuflich sein. Ganz im Gegenteil! Gekoppelt mit dem passenden Image können bio und fair gehandelte Produkte ein größeres (& wachsendes?) Finanzkuchenstück für sich beanspruchen.

mikromalist
 
00
12.1.2009, 13:45
Vielleicht wäre unser Universum auch weniger

krisenanfällig, könnten Philosophen den Quarks vorschreiben, sie sollen sich nach dem Atombild der Antike verhalten?
Aber nein, im Gegensatz zu den Teilnehmern und Beobachtern der Finanzsysteme, Quarks lesen keine Zeitungen und geraten deshalb nicht in Panik.

Und zugegeben, sie kennen weder Angst noch Gier.


Dr. Seltsam
 
11
12.1.2009, 13:05

Altruistisches Verhalten gibt es nicht nur beim Menschen. Alle staatenbildenden Tiere brauchen das.
Dementsprechend ist es auch nicht wider die Natur.

Franco Danilo
00
12.1.2009, 12:36
sehr passen dazu die "Austrians":

http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%... che_Schule

Frank'n'furter
01
12.1.2009, 12:12
Bankrotterklärung der Philosophie

Seit spätestens 2300 Jahren ist also selbst dem der Liebe zur Weisheit Verpflichteten bekannt, dass das Zinssystem zwangsläufig zur Katastrophe führen muss, Moses muss das zumindest intuitiv auch schon bewusst gewesen sein, weil der den Zins auch verbietet.
Der Beweis ist trivial, vgl. Money as Debt http://www.youtube.com/watch?v=vVkFb26u9g8 bzw. kürzer und humorvoller: http://www.youtube.com/watch?v=9BrLrwbkQWQ

Die ganze Ethik ist aber sowieso für den A*sch, weil nur graue Theorie, daher berate ich lieber Banken, wie sie diese glasklare und einfache Tatsache durch geschwollene Formulierungen vernebeln können, ein Penthouse ist schließlich besser als ein Fass.

Traurig.

T.h. omas
00
12.1.2009, 09:40
Guter Text.

Nur bei der Erklärung, dass Ethik Regeln gegen die Natur beinhaltet muss man widersprechen. Ich glaube, da gibt es viele Missverständnisse, was "natürliches" Verhalten angeht. Ethisches Handeln nach dieser Definition kann man bei zahlreichen Spezies beobachten, solange die Ressourcen nicht sehr knapp werden. Es ist daher nicht zuwider, sondern Bestandteil der Natur.
Und dass man den Mathematiker aus dem Besispiel nicht verhungern lässt, wenn es nicht wirklich eng wird mit der Versorgung, ist Spekulation und sehr unwahrscheinlich.

Harald Schoenknecht
01
12.1.2009, 12:59

Ich sehe den unterschied zwischen natuerlichen und ethischen Handeln im Regulativ. Bei natuerlichen Handeln ist ein Beduerfnis das Regulativ (Hunger, Gier, Neid, etc.). Bei ethischen Handeln ist ein "Schuldgefuehl" das Regulativ ("das tut man nicht", "was bin ich fuer ein Mensch, wenn ich das tue", etc.). Somit scheint mir zweiteres spaeter hinzugekommen zu sein...
(Interessant waere ob Tiere Schuldgefuehle haben oder ob Leute mit bestimmten Hirnschaeden (bei denen hoehere Funktionen ausgeschaltet worden sind) Schuld empfinden koennen).

PeAcE

na seawas heast
00
12.1.2009, 08:41
Muß es wirklich einen "TÜV " für Finanztransaktionen geben ?

Ich bezweifle das und meine, daß es bessere Lösungen gäbe.
Solange sich eine Firma (Bank, Versicherung, Fonds und was weiß ich) im legalen Bereich bewegt -und ein TÜV würde diesen ja nur neu, vermutlich enger, definieren- kann sie riskieren, bis zum ersten großen Fehler lukrieren und ist ab dann Geschichte.
Bis dahin haben die EigentümerInnen Gewinne eingeheimst und die ManagerInnen gut verdient.
Dann suchen die ManagerInnen neue Firmen und die Investoren gründen solche und dann fangen alle von vorne an.
Wesentlich zielführender als Beschränkungen wären Haftungen. Wenn EigentümerInnen und ManagerInnen mit ihrem Privatvermögen für jeden Schaden, den sie verursachen, haften, braucht man keinen "TÜV".

God of futball
00
12.1.2009, 12:04
du bist ein träumerlein...

Christoph Karl Steininger
01
12.1.2009, 08:32
Der Stärkere und der Schwächere.

Hm. Das ist ziemlich Beliebig. Soziale Systeme wurden nicht wegen Ethik geschaffen. Es wurde eifrig dafür gestritten. Weitsichtige Leute haben gestiftet und gegründet es wurde aber auch darum gestreikt und Arbeitskämpfe fanden darum statt.
Da war Marx nicht wichtiger als Bodelschwingh.
Im Hintergrund ist dann da auch immer noch die diffuse Angst der Reichen vor den Volksaufständen und der Revolution.

> /dev/null
 
00
12.1.2009, 05:25
leider ist die zahl der denker

viel zu klein, also wird sich nichts aendern.
unsere herrn politiker, sind wie die herrn der wirtschaft, nur auf ihr sackerl aus. jeder denkt es ist taeglich weihnachten und kassiert und kassiert und kassiert, ob berechtigt oder nicht ist in den meisten faellen egal.

nick morgenland
 
00
12.1.2009, 09:15
denker(innen) und ethiker(innen) gibt es genug.


es ist schwierig, einfluss zu gewinnen.
menschen, die rechtzeitig gewarnt haben, hat es ja (fast) immer gegeben.
die systembedingungen sind zu verändern (politische innovation und ökonomische). wirkliche leistung soll belohnt werden, bei fehlleistungen oder nichtleistung muss es sanktionen geben. das gegenteil ist der fall.

in der politik:
mindestalter fünfunddreißig jahre (bis auf wenige ausnahmen)
nicht länger als fünfzehn jahre in der spitzenpolitik
keine geheimnisse vor dem souverän (hauptausschuss, ausschüsse des parlaments, ministerratssitzungen): videostream, digitalisierung der statements, zugang zu allen dokumenten und beweisstücken.

völlig unverständlich: kein einziger alter mensch im parlament.

österreich = entmutigungsweltm.

Liam N.
00
12.1.2009, 00:15
erfreulicherweise

scheint die Krise schneller überwunden zu werden als befürchtet.
Allerdings sollten die jetzigen Geldempfänger später auch kräftig bei der Begleichung der von ihnen direkt oder indirekt verursachten Schäden an der Wirtschaft mitmischen müssen.
Am einfachsten alle Konzerne stark am direkten Abbezahlen der Staatsschulden beteiligen.

Harald Schoenknecht
00
12.1.2009, 13:01

Naja, bei zusaetzlichen Belastungen holen sich die Firmen dann entweder ueber Mitarbeiterabbau oder Verteuerungen das Geld wieder 'rein, oder?

PeAcE

Frank'n'furter
00
12.1.2009, 00:29
wer sagt das


Und hang 'em high wird die Systemfehler, die diese Auswüchse erst möglich gemacht haben, nicht beseitigen.

wunderwuzzi25
02
11.1.2009, 22:04

kein schlechtes interview. warum müssen geisteswissenschafter aber immer so viel zitieren? ist doch wurscht was marx gesagt hat. man stelle sich vor ein umweltwissenschafter würde immer den namen des entdeckers nennen. da würde auch keiner mehr weiterlesen. er soll seine meinung sagen und sich nicht immer auf die aussagen anderer ausreden. das erzeugt so eine etwas scheinheilige unverbindlichkeit.

Snowball
01
12.1.2009, 15:12

Geisteswissenschaftler sind im Name-Dropping Spezialisten, weil da schon die pure Erwähnung des Erfinders einer Theorie/These diese belegt/bestärkt. Also weil der Aristoteles (großer FilosoF), das gesagt hat wirds wohl richtig sein. Auch wichtig dabei, Geisteswissenschaflter müssen mit ihrem angelesenen Wissen angeben, sich in einer Tradition von Geistesgrößen bewegen, (das gilt auch als Argument), das kommt immer gut. Lustig wirds dann wenn unser Philosoph anfängt den Marx darzulegen, denn das hat ungefähr gar nichts mit dem zu tun was der alte Bartträger so zusammengeschrieben hat, aber wenn interessiert DAS schon.

nick morgenland
 
00
12.1.2009, 09:36
so wie der bundesminister, vormals chef eines konzerns, der jährlich 60.000 high tech glücksspielautomaten produziert. was spricht gegen radikales umdenken und umsetzen? radikal hat nichts mit gewalt zu tun. es geht um wurzelbehandlung des systems.



das nächste mal nehmen wir ein mitglied der waffenlobby als verteidigungsminister und eine strohfrau eines kernaktionärs, einer kernaktionärin der pharmaindustrie als gesundheitsministerin.

es geht um tausende menschenleben. warum gibt es nicht einmal ein promille der ressourcen für vorsorge (statt zehn prozent - entsprechend der forderung eines gesundheitsexperten)?

warum werden an österreichs universitäten studentinnen und studenten verheizt?

warum gibt es nicht vorausschauende sicherheitspolitik (statt bombenflugzeuge zu kaufen, krisenprävention zu betreiben - global)?

es fehlt an fehler verzeihenden systemen (politik und wirtschaft). was spricht dagegen, wirkliche leistungen (dort) zu fördern (und fehlleistungen zu sanktionieren)?

lessismore
00
11.1.2009, 23:38

Nennt er die Quelle nicht, dann kommt einer und sagt, er schmückt sich mit fremden Federn ... Außerdem sind Autoritäten selber schon so etwas wie Argumente (jedenfalls unter den Freunden des Aristoteles).

Frank'n'furter
00
11.1.2009, 23:58
so isses

Ausserdem besteuert die Tobin Tax den internationalen Devisentransfer um Währungsspekulationen vorzubeugen und tangiert den wackeren Börsebroker höchstens peripher.

nick morgenland
 
00
12.1.2009, 09:40

im artikel von hans-werner sinn (der markt ist auf dem sozialen auge blind - rechter rand des bildschirms) steht im titel: alternativen zur marktwirtschaft sieht er freilich keine.

woran liegt das (das nicht sehen)?

die marktwirtschaft ist nicht einmal eine marktwirtschaft. auf einem markt gibt es ein dutzend standeln. in österreich beherrschen den lebensmittelsektor aldi, spar und rewe. im medienbereich sieht es ähnlich finster aus.

der preis ist hoch. laut ak zahlen österreichische konsument(inn)en für dieselben produkte rund zwanzig prozent mehr. was ist zu tun?

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