Niki Lauda: "2009 wird ein Horrorjahr"

11. Jänner 2009, 19:25
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Seine Billiglinie müsse heuer auf der Hut sein, sagt Airline-Gründer Niki Lauda

Warum er sich auf den Bundespräsidenten freut und weshalb ihn der AUA-Verkauf vergrämt, erzählte er Kurt Hofmann.

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STANDARD: Die ersten drei Monate dieses Jahres gelten als die schwierigsten in der zivilen Luftfahrt, da sich die Abwärtsspirale weiterdreht. Wie ist Ihr Ausblick?

Lauda: Ich bin Realist. Das, was wir seit August erleben, ist nur der Beginn. Jedes Unternehmen, ob Fluglinie oder Autozulieferer, hat Kapazitäten zu reduzieren. Dass Banken vom Staat gesichert werden, ist gut, dauert mir aber zu lange. Das Bankenpaket ist bis heute nicht umgesetzt, das blockiert alle. Maßnahmen wie Kurzarbeit sind nötig, aber die Arbeitslosenrate steigt, Kaufkraft fehlt. Wir alle müssen es schaffen, uns so aufzustellen, dass es 2010 wieder aufwärts geht.

STANDARD: Was bedeutet diese Entwicklung für Niki?

Lauda: Alle Unternehmen, die mit Gewinn unterwegs sind, haben es leichter. Dazu gehören wir. Niki ist vom Produkt her (in der Economy Class, Anm.) vergleichbar mit Lufthansa und AUA. Doch wir produzieren viel billiger. Das ist unser Vorteil. Mit 2009 kommt ein Horrorjahr auf uns zu, und wir müssen verdammt auf der Hut sein. Daher ist unser Management gefordert, schnellst möglich flexibel zu entscheiden. Schneller als andere.

STANDARD: Erste Probleme?

Lauda: Was wir heute spüren, ist etwa ein Rückgang nach Ägypten. Routen wie Paris oder Mailand, wo wir die SkyEurope hinausgedrängt haben, wurden auf gewinnbringend gedreht. Wir haben Cash in der Kassa und sind gut aufgestellt.

STANDARD: Planen Sie keine Reduzierung der Flotte?

Lauda: Die Größe der Flugzeuge ist nicht das Problem, aber mit der Kapazität müssen wir aufpassen. Wir beobachten den Chartermarkt, einzelne Frequenzreduzierungen bei Linienflügen wären möglich. Aber wenn ein Flugzeug bei mir nicht die variablen Kosten erwirtschaftet, bleibt der Flieger stehen.

STANDARD: Durch die Übernahme der AUA von Lufthansa ist Niki nun die größte Fluglinie Österreichs?

Lauda: Wie in Österreich der Verkauf der Airline durch die Politik über die Bühne gegangen ist, versteht kein Mensch. Das AUA-Desaster basiert ja auf Management- Fehlern der letzten Jahre. Ich freue mich schon, wenn der Herr Bundespräsident in Zukunft mit Niki, der größten in österreichischen Besitz befindlichen Fluglinie, seine Staatsbesuche absolvieren wird.

STANDARD: Thema AUA/Lufthansa. Wird dieser Deal bei der EU-Wettbewerbsbehörde genehmigt?

Lauda: Ich wundere mich, dass jeder glaubt, dass es keine Einwände geben wird. Es kann nicht sein, dass der Staat der AUA 500 Mio. Euro Steuergelder zur Schuldentilgung gibt und sie an eine der stärksten Airlines in Europa verschenkt. Ich sehe dadurch für meine Firma Riesennachteile. AUA hat Monopole auf den Strecken nach Osteuropa, bei zeitlichen Fenstern für Landungen. Es muss Auflagen geben. Ich verstehe nicht, dass auch Peter Michaelis (Chef der ÖIAG, Anm.) glaubt, dass keine Einwände kommen, weil Niki in anderen Segmenten tätig ist. Ich bin kein Zug.

STANDARD: Gibt es schon Zahlen zum Jahresabschluss 2008?

Lauda: Wir haben 2,2 Millionen Passagiere befördert, plus 30 Prozent, und wir werden wieder ein positives Ergebnis erwirtschaften. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.1.2009)

Zur Person

Niki Lauda (59), dreifacher Formel-1-Weltmeister, vierfacher Airline-Gründer, startete vor fünf Jahren die Billigfluglinie Niki.

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    Niki Lauda: "Es kann nicht sein, dass der Staat der AUA 500 Mio. Euro Steuergelder zur Schuldentilgung gibt und sie an eine der stärksten Airlines in Europa verschenkt. Ich sehe dadurch für meine Firma Riesennachteile."

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