Afrikaner haben den besseren Geschmack

11. Jänner 2009, 19:22
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... so die Grundtendenz einer Studie von US-Wissenschaftern: Sinn für bittere Geschmacksrichtungen genetisch bedingt unterschiedlich differenziert

Philadelphia - Zwar rühmen sich Europäer und Asiaten ihrer feinen und zum Teil sehr ausgefeilten Küchen. Geht es allerdings um den Geschmackssinn, stehen Afrikaner nach jüngsten Untersuchungen ganz weit vorne. Vor allem was den Sinn für bittere Geschmacksrichtungen angeht, konnten Wissenschaftler der Philadelphia Universität bei Volksgruppen in Kenia und Kamerun eine größere Diversität eines Gens feststellen, das für die Wahrnehmung  bitterer Geschmäcker verantwortlich ist: Das berichtet das Wissenschaftsmagazin "New Scientist" in seiner Online-Ausgabe.

Europäer und Asiaten tragen eine von zwei Varianten des Gens TAS2R38, das sie den Bitterstoff Phenylthiocarbamid (PTC) schmecken lässt - unter Afrikanern gibt es hingegen deutlich mehr Varianten des Gens. PTC kann von nahezu zwei Drittel der Europäer bis zu 1.000 Mal besser wahrgenommen werden als vom restlichen Drittel. Dafür verantwortlich ist das individuelle Expressionsmuster von Varianten eines Genes für einen bestimmten Bittergeschmacksrezeptor. Unterschiedlich ist dabei die Konzentration, ab wann der Bitterstoff wahrgenommen und als unangenehm empfunden wird.

Evolutionärer Vorteil

In Untersuchungen konnten die Forscher um die Genetikerin Sarah Tishkoff und ihrem Kollegen Michael Campbell feststellen, dass Kenianer und Kameruner viel sensibler auf die Konzentrationen des Bitterstoffs reagierten als andere Versuchspersonen. "Die Heterogenität hat wahrscheinlich zu einem gewissen Zeitpunkt einen Evolutionsvorteil für die Bevölkerung von Afrika gebracht", vermutet die Forscherin. Möglicherweise spiele dabei die Vielzahl der angebotenen Nahrungspflanzen eine wichtige Rolle. "Wer einen besseren Geschmackssinn hat, kann auch leichter die besten Nahrungsmittel ermitteln." Die Forscher vermuten zudem, dass diese Fähigkeit eine Unterscheidung von ungenießbaren von gesunden Nahrungspflanzen ermöglicht.

Dass die Europäer wesentlich schlechter in der Identifikation der Bitterstoffe sind, hat seinen Grund darin, dass die genetische Diversität von Afrikanern südlich der Sahara weit größer ist als jene der Europäer: Ein Hinweis darauf, dass nur ein kleiner der Teil der genetischen Palette des Menschen durch Migration in andere Kontinente gelangte. (pte/red)

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