Israel nähert sich Zielen

12. Jänner 2009, 14:52
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Zu Beginn der dritten Woche der israelischen Militäroffensive im Gazastreifen bleiben die Fronten verhärtet - Israels Regierungschef Ehud Olmert deutet aber erstmals ein mögliches Ende an

Trotz der Rufe nach einer Waffenruhe waren in Israel Einschätzungen zu hören, dass die Kämpfe „noch Wochen", „bis zum Monatsende" oder sogar „noch einige Monate" dauern könnten. Die Führer der „Innen-Hamas" im Gazastreifen selbst sind untergetaucht und kaum noch zu hören, aber die von Khaled Meschal geleitete „Außen-Hamas" in Damaskus bleibt dabei, dass sie weiter Raketen auf Israel abschießen lassen werde, solange die Übergänge geschlossen sind.
Israels Premier Ehud Olmert wiederum wies am Sonntag vor dem Ministerrat in Jerusalem indirekt die Waffenstillstands-Resolution der UNO zurück. Sein Land werde niemanden darüber entscheiden lassen, ob es sich gegen jene wehren dürfe, die „Bomben auf unsere Kindergärten und Schulen werfen", sagte Olmert, „Israel nähert sich den Zielen, die es sich vorgegeben hat, aber es sind noch Geduld, Entschlossenheit und Anstrengungen nötig".

Heftige Straßenkämpfe

In der Nacht auf Sonntag hatten die Israelis nach eigenen Angaben rund 60 Ziele aus der Luft angegriffen, darunter bewaffnete Kommandos, Waffenlager, unterirdische Tunnels und eine Moschee in Rafah, die auch als Trainingscamp gedient haben soll. Auf dem Boden kam es immer wieder zu Gefechten, darunter besonders heftige Straßenkämpfe am Ost- und Südrand der Stadt Gaza. Die Israelis warfen auch Panzer und Hubschrauber in die Schlacht, die Hamas setzte Anti-Panzer-Raketen und Mörsergeschütze ein. Die Palästinenser meldeten bis zur Tagesmitte mindestens 26 Tote. Der Anteil der zivilen Opfer ist dabei schwer zu bemessen, weil es zur Taktik der Hamas gehört, die eigenen Verluste geheim zu halten. Nach israelischen Schätzungen könnten seit Beginn der Militärkampagne schon bis zu 500 Hamas-Männer getötet worden sein. Die Hamas ihrerseits verbreitet, dass sie noch 10.000 Kämpfer in Reserve habe, die erst dann eingreifen würden, wenn die Israelis ins dicht verbaute Gebiet eindringen. Die Islamisten schossen zuletzt täglich 20 bis 30 Raketen auf Israel ab, deutlich weniger als zu Beginn der Militärkampagne.

Israelische Emissäre und Hamas-Vertreter pendelten weiterhin nach Kairo, um über die ägyptisch-französische Initiative zu verhandeln. Ein Schlüsselproblem ist dabei die künftige Überwachung der Grenze zwischen dem Gazastreifen und Ägypten, und die Beteiligten ziehen noch in völlig verschiedene Richtungen. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas etwa hat vorgeschlagen, den Waffenstillstand durch internationale Truppen sichern zu lassen. Die Ägypter wollen solche Truppen aber nicht auf ihrem Territorium, während die Hamas überhaupt keine internationale Kontrolle akzeptiert und für sich selbst eine Rolle bei der Verwaltung des Grenzterminals fordert.

Die Israelis wiederum verlangen internationale Garantien dafür, dass die Hamas in Zukunft keine Raketen in den Gazastreifen schmuggeln kann. Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier, der am Wochenende in Kairo und Jerusalem war, trat nicht als Vermittler auf, sondern bot lediglich technische Unterstützung an, etwa durch „die Teilung von Erfahrungen, die wir bei der Entwicklung des Schengen-Grenzschutzsystems gemacht haben". (Ben Segenreich aus Tel Aviv, DER STANDARD, Printausgabe, 12.1.2009)

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    Aufmunternde Gesänge vor der Invasion: Israelische Soldaten machten sich Sonntagmorgen an der Grenze zum Gazastreifen Mut. Danach begannen die Straßenkämpfe gegen die Hamas am Rand von Gaza-Stadt.

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