Der geborene Flieger

11. Jänner 2009, 15:06
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Gregor Schlierenzauer feiert sechsten Sieg bei seinem sechsten Antreten auf einer Flugschanze - Olli und Ammann auf den Plätzen

Bad Mitterndorf - Air-Race-Weltmeister Hannes Arch drehte über dem Skiflugstadion am Kulm seine Schleifen, unten lieferte Gregor Schlierenzauer seine beeindruckende Flugshow ab. Der Tiroler machte am Sonntag mit Bestweiten in beiden Durchgängen der Weltcup-Konkurrenz das Double auf der riesigen Naturschanze bei Bad Mitterndorf/Tauplitz perfekt und ist auf den größten Bakken in Einzelbewerben weiter ungeschlagen - er hält nun bei fünf Siegen.

Nachdem er am Samstag vor knapp 50.000 Fans mit tollem Schanzenrekord von 215,5 Metern den Schweizer Simon Ammann noch abgefangen hatte, segelte Schlierenzauer 24 Stunden später vor rund 30.000 Zuschauern mit spielerischer Leichtigkeit zu seinem 15. Erfolg im Weltcup, dem vierten der Saison. Er verwies mit 203,5 und 202,0 Metern den Finnen Harri Olli (201,5/200,5) um 3,2 und den Schweizer Simon Ammann (197,5/198,5) um 11,4 Punkte auf die Plätze und reduzierte in der Weltcup-Gesamtwertung als Zweiter den Rückstand auf Ammann auf 77 Punkte.

Ein Überflieger

In nur achteinhalb Monaten hat es Schlierenzauer zu fünf Einzelsiegen und einem Mannschaftserfolg auf Flugschanzen gebracht. Nach seinem Flug-Debüt bei der WM in Oberstdorf, wo er den Titel im Einzel und der Mannschaft geholt hatte, und dem folgenden "Doppelpack" mit österreichischem Rekord von 233,5 Metern in Planica hat er nun auch auf dem Kulm beide Konkurrenzen gewonnen. Sein Körperbau und sein Stil prädestinieren ihn für weiteste Flüge.

Die Fans bejubelten Schlierenzauer, Tourneesieger Wolfgang Loitzl stand diesmal im Schatten seines fast zehn Jahre jüngeren Kollegen. Am Samstag war er vom dritten Halbzeitrang an die siebente Stelle zurückgefallen, tags darauf spielte die Gesundheit nicht mehr mit. Ein Magen-Darm-Virus, den er wohl von seiner Familie aufgenommen hatte, bremste den 29-jährigen Lokalmatador aus Mitterndorf.

Loitzl mit Handicap

Er erhielt von Teamarzt Peter Baumgartl vor dem Bewerb ein Medikament und kämpfte sich durch den Bewerb. 190,5 und 187,5 m ergaben den zehnten Platz. "Spitzenleistungen sind da fast nicht möglich", erklärte Baumgartl. Loitzl fuhr ohne einen Kommentar abzugeben gleich heim in sein nahe gelegenes Haus.

Bei Schlierenzauer war hingegen alles eitel Wonne. "Es war ein toller Tag, ich hab es sehr genossen", sagte der Stubaitaler, "ich war heute sehr locker." Dem Skiflug-Weltmeister gefiel, dass der Anlauf von der Jury relativ kurz bemessen worden war. Denn die Folgen seines Rekordsatzes vom Samstag - er hat nun Bestweiten auf sechs Weltcup-Schanzen in seinem Besitz - hatte er auch noch in der Früh gespürt.

"Das Kreuz hat mir etwas wehgetan", erzählte Schlierenzauer, nach einer Behandlung sei aber alles wieder perfekt gewesen. "Heute war auch Können beim Absprung gefragt. Was rausgekommen ist, ist gewaltig", freute sich der Teenager. "Jetzt gilt es, diese Form auf die kleineren Schanzen mitzunehmen."

Cheftrainer Alexander Pointner sprach an, wie perfekt Schlierenzauer mit der Luft spielt. "Am Samstag hat er allen beweisen wollen, dass er der Herr der Lüfte ist, am Sonntag war er gelöster und hat es genießen können."

Koch mit guten Flügen

Vize-Weltmeister Martin Koch, am Vortag Dritter, hatte mit den Bedingungen im ersten Durchgang Pech und verbesserte sich im Finale mit einem 201-m-Flug noch auf Rang fünf. "Ich bin sehr zufrieden, denn die Sprünge waren beide gut", sagte der Kärntner. Sein engerer Landsmann Thomas Morgenstern, am Vortag Sechster, landete an der neunten Stelle und reist keineswegs zufrieden aus dem steirischen Salzkammergut ab.

Der Weg, der den Weltcupsieger zum Titel bei der WM in wenigen Wochen führen soll, ist steil und steinig. "Im ersten Durchgang bin ich nicht so recht weitergekommen in der Luft, der zweite war okay. Es ist eine schwierige Phase", sagte der zehnfache Sieger der vergangenen Saison, der heuer noch auf einen Podestplatz wartet.

Eine Schrecksekunde musste Debütant Markus Eggenhofer im zweiten Durchgang überstehen, er vermied mit Geschick einen Sturz. "Ich wollte etwas zu viel, wollte unbedingt mithalten mit den Besten. Das nächste Mal muss ich es lockerer angehen. Zum Glück konnte ich den Sprung stehen", sagte der Salzburger. (APA)

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    Besser geht's nicht: Gregor Schlierenzauer.

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