BZÖ sucht den Superwahlerfolg

11. Jänner 2009, 17:13
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Das BZÖ eröffnete den Landtags-Wahlkampf: Mit demonstrativer Dreieinigkeit der orangen Spitze, einem jungen Supertalent und einem großen Abwesenden

Klagenfurt - Es war ein Wahlkampfauftakt, der ganz seine Handschrift trug: Stefan Petzner drückte dem orangen Event am Sonntag in der Klagenfurter Messehalle 2 seinen Stempel auf. Der Wahlkampfmanager des BZÖ bot den rund 1500 Sympathisanten die bewährte bunte Mischung aus ein bisschen Traditionellem (Marschmusik), etwas Erhebendem (Fanfaren), einer Spur Spannung (Feuershow), etwas zum Staunen (Tanzperformance) und einer großen Portion Rührendem.

Für Letzteres war der zwölfjährige Duri Krasniqi zuständig: Der junge Kärntner Sänger hatte es im deutschen Privatfernsehen in der Show "Deutschland sucht das Supertalent" zu einiger Prominenz gebracht und wurde von den BZÖ-Anhängern - strikt rauchfrei, für Raucher gab es ein beheiztes Extrazelt - bejubelt.

Gedenkminute für Haider

Es hätte aber nicht erst Petzners bedurft, um einen großen Abwesenden beim Auftakt für die bevorstehende Landtagswahl am 1. März besonders zu würdigen. Jörg Haider, des tödlich verunglückten Landeshauptmanns und Gründers des BZÖ, wurde in Anwesenheit von Witwe Claudia Haider in einer Trauerminute gedacht.

Claudia Haider bekam eine Inszenierung vorgeführt, in der ihr Mann immer wieder als Anker zitiert wurde und sich seine politischen Nachlassverwalter - Landeshauptmann Gerhard Dörfler, BZÖ-Landeschef Uwe Scheuch und Finanzlandesrat Harald Dobernig - demonstrativ in neuer Dreieinigkeit präsentierten. "Wir sind nicht nur Kollegen, sondern auch Freunde", sagte Dörfler.

Das war zuletzt nicht immer so eindeutig zu erkennen. Für eine kräftigere Irritation hatte etwa ein "Kopfgeld"-Vorwurf von Dörfler an den zum FPÖ-Spitzenkandidaten gekürten Mario Canori, einen langjährigen Wegbegleiter Haiders, gesorgt. In der Zwischenzeit ist die Sache durch eine Entschuldigung Dörflers aber bereinigt worden.

"Die Drei" auf Wahlplakaten

Dörfler, Scheuch und Dobernig sind "Die Drei" auf den orangen Wahlplakaten - mal offiziös im Kärntneranzug im Landhaus, mal beim Holznachlegen vorm heimeligen Ofen, mal als sportive Seilschaft im Schnee. Ihre Latte liegt hoch: Jörg Haider hatte im März 2004 - damals noch mit der FPÖ - 42,4 Prozent der Stimmen erreicht.

Laut einer Umfrage des Klagenfurter Humaninstituts sind knapp sieben Wochen vor der Wahl 25 Prozent der Wähler im Lager der Unentschlossenen. Institutschef Franz Witzeling sieht die SPÖ derzeit bei 27 Prozent, sie hätte demnach erstmals das BZÖ, das bei 25 Prozent liegt, überholt.

Im Wahlkampf setzt das Kärntner „Bündnis Zukunft Österreichs" auf bekannte Themen. Wie schon Jörg Haider, der immer wieder Geld an Mütter, Babys oder Senioren verteilt hat, soll nun die Jugend einen "Tausender" als Startgeld erhalten, aber auch schon bald mit einer Helmpflicht beim Skifahren beglückt werden.

"Wir brauchen keine Tafeln"

Für die älteren Semester gab es die bekannte Härte in zwei besonderen Themenbereichen: zweisprachige Ortstafeln und Asylwerber. „Wir sagen Nein, wir brauchen keine Tafeln", rief Dörfler in die Halle. Und „für straffällige Asylwerber gibt es nur eine Umleitung - und die heißt Saualm". Die Alm, sagte der Landeshauptmann, sei genau der richtige Ort für die Anstalt, da es dort „keine Einkaufszentren gibt, wo sie einbrechen können, und die Bauern dort oben keine Drogen brauchen". Und überhaupt gäbe es ohne die Ideen des BZÖ in Kärnten keine zweite Katschbergtunnelröhre, keinen Gratiskindergarten und auch keine Lehre mit Matura.

Zur politischen Konkurrenz meinte Dörfler, die SPÖ habe „sich von den Menschen verabschiedet", die ÖVP sei „nur mehr in Inseraten präsent". Die Regierung in Wien wurde als „Ostregierung" bezeichnet, der man nicht erlauben werde, Kärnten wie „irgendeine Enklave" zu behandeln. (APA, nim, DER STANDARD, Printausgabe, 12.1.2009)

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    Claudia Haider, die Witwe von BZÖ-Gründer Jörg Haider, beim Wahlkampfauftakt mit BZÖ-Klubobmann Josef Bucher.

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