Bush verweigerte Israel Hilfe für Iran-Schlag

11. Jänner 2009, 18:19
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Israel wollte Bunker­bomben für einen Angriff auf die Atomanlagen des Iran und Überflug-Genehmigungen über den Irak - Bush sagte Nein, berichtete die „New York Times"

Washington - US-Präsident George W. Bush hat laut einem Bericht der New York Times im vergangenen Jahr ein Vorhaben Israels abgelehnt, Luftangriffe auf die iranische Atomanlage Natanz zu fliegen. Der israelische Premierminister Ehud Olmert habe bei Bush dafür geworben, die Anlage im Iran zu attackieren, berichtete die Zeitung am Wochenende unter Berufung auf hochrangige Vertreter der Regierung in Washington und aus anderen Ländern.
Olmert habe von Washington besonders schlagkräftige Anti-Bunker-Bomben und das Überflugrecht für den Irak gefordert, heißt es in dem Bericht weiter. Hochrangige US-Vertreter mit Verteidigungsminister Robert Gates an ihrer Spitze hätten Bush jedoch davon überzeugt, dass jeder Angriff auf den Iran kontraproduktiv sei.

Nach einem Angriff werde Teheran internationale Inspekteure ausweisen und noch weniger über das iranische Atomprogramm preisgeben, warnten Gates und andere laut New York Times. Auch vor einer Ausdehnung des Konflikts sei gewarnt worden, der auch die US-Truppen im Irak in die Kämpfe verwickeln könnte. Bush stimmte dem Bericht zufolge allerdings geheimen Aktionen zu, mit denen der mutmaßlich geplante Bau einer Atombombe im Iran vereitelt werden sollte. Dabei sei es vor allem darum gegangen, Iran vom nuklearen und technischen Nachschub aus dem Ausland abzuschneiden. Auch habe die US-Regierung 2008 den Austausch von Geheimdienstinformationen mit Israel über den Iran intensiviert.

Vier-Augen-Gespräch

Bereits im vergangenen September hatte der Londoner Guardian berichtet, Bush habe bei einem Vier-Augen-Gespräch mit Olmert am 14. Mai dessen Forderung nach einer Bombardierung der iranischen Atomanlagen abgelehnt. Die israelische Zeitung Ha'aretz berichtete ebenfalls im September, die USA hätten die Lieferung von Anti-Bunker-Bomben an Israel in der Annahme verweigert, sie würden für einen Angriff im Iran genutzt. Israelische Kampfjets probten bereits über dem Mittelmeer Einsätze, die ein Bombardement im Iran simulieren sollten.
In der Atomanlage Natanz betreibt der Iran nach eigenen Angaben rund 5000 Gaszentrifugen zur Urananreicherung. Teheran weist die Forderung des UN-Sicherheitsrates nach Stopp dieser Aktivitäten zurück und betont, es reichere das spaltbare Uran-235 nur bis zu 3,5 Prozent an, was für den Betrieb von Kernkraftwerken ausreicht. Westliche Staaten und Israel verdächtigen aber den Iran, den Bau von Atomwaffen anzustreben, für die ein Anreicherungsgrad von 90 Prozent nötig wäre.

Der künftige US-Präsident Barack Obama hat den Iran als großes außenpolitisches Thema seiner Amtszeit bezeichnet. „Ich glaube, dass der Iran eine unserer großen Herausforderungen wird", sagte Obama am Sonntag dem Fernsehsender ABC. Teheran könne womöglich ein Atomwaffen-Wettrüsten im Nahen Osten auslösen. Obama will sofort mit seinem Amtsantritt in gut einer Woche in Nahost vermitteln. Er sei schon jetzt dabei, ein Expertenteam zusammenzustellen, sagte er. Ziel sei es, „dass wir am 20. Januar, also gleich am ersten Tag, die besten Leute beieinander haben, die sich sofort im Nahost-Friedensprozess als Ganzes engagieren". Derzeit habe aber noch Präsident George W. Bush das Sagen, betonte Obama. (AFP/dpa/APA, DER STANDARD, Printausgabe, 12.1.2008)

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    Der iranische Staatschef Mahmud Ahmadi-Nejad auf Besuch in der unter-irdischen Atomanlage Natanz im April 2008. Israel wollte von den USA spezielle Bomben für einen Angriff. Präsident Bush lehnte ab - die Folgen eines Militärschlags gegen den Iran wären zu negativ für die USA und die Region.

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