Ammann kritisiert Jury

10. Jänner 2009, 18:41
35 Postings

Schweizer fühlte sich um Siegchance betrogen und sorgte sich um Sicherheit: "Anlauf verlängert, obwohl ich vorher weit über die Hillsize gesprungen bin"

Bad Mitterndorf - Der zweitplatzierte Schweizer Simon Ammann hat sich nach dem Weltcup am Kulm kritisch über die Verlängerung des Anlaufes trotz seines weiten 207-m-Fluges im ersten Durchgang geäußert. Im Finish hatte ihm Schlierenzauer 215,5 m vorgelegt. "Mit diesem Flug hat er dem Simon sicher die Schneid abgekauft", merkte ORF-Co-Kommentator Andreas Goldberger an.

Und er sollte recht behalten, denn Ammann hatte Bedenken bezüglich seiner Sicherheit. "Bis 210 Meter ist es hier sehr schön zu springen", betonte er. "Ich bin aber nicht einverstanden, wenn verlängert wird, obwohl ich vorher weit über die Hillsize (Schanzennorm, Anm.) gesprungen bin. Die Voraussetzungen waren nicht dieselben", sagte der Weltcup-Spitzenreiter und Großschanzen-Weltmeister. "Es geht um die Wurst, ich will gewinnen, aber ich will auch eine faire Chance."

Sprungleiter Paul Ganzenhuber, bereits zum zehnten Mal am Kulm in dieser Funktion, verstand die Position Ammanns, stand voll hinter der Entscheidung der Verlängerung des Anlaufs. "Weil Rückenwind aufgekommen ist, haben wir das beschlossen. Es geht nicht darum, dem Führenden den Sieg zu reservieren, sondern wir müssen einen guten Wettkampf leiten", sagte Ganzenhuber.

Gregor Schlierenzauer hatte oben am Balken Gänsehaut und freute sich danach über das "lässige Gefühl" vor heimischer Kulisse zu gewinnen. Doch der 19-Jährige äußerte nach seinem Rekordflug auf 215,5 Meter auch Bedenken hinsichtlich der Sicherheit. "Skifliegen ist irgendwie auch Weitenjagd. Aber bei noch weiteren Flügen auf dieser Schanze steht die Gesundheit auf dem Spiel. Ich bin froh, dass es glimpflich ausgegangen ist."

Der Tiroler verglich die bei der Landung wirkenden Kräfte mit einem Sprung aus dem ersten Stock auf einen Asphaltboden. Er hält die meisten Schanzenrekorde aller Athleten und hat leidvolle Erfahrungen gemacht. In der vergangenen Saison hatte Schlierenzauer wegen seiner Sprünge in den Grenzbereich lange Zeit Probleme mit Beinhautentzündungen am Unterschenkel. Das habe er therapiert, nach einem neuerlichen Auftreten heuer in Garmisch habe er nun damit keine Probleme.

Doch nach der Anspannung der Muskulatur während des Fluges und dem Versuch, nicht den Boden zu berühren, habe er oberhalb des Knies einen Krampf bekommen, erzählte Schlierenzauer. Das sei kein Problem. "Ich werde mich massieren lassen, viel trinken und Magnesium nehmen", sagte er. Doch es hätte bei weniger günstiger Landung auch schlimmer ausgehen können, sagte der Teenager und sprach die Belastung des Kreuzbandes an.

Dennoch will er am Sonntag neuerlich voll angreifen. "Es wird sehr knapp werden, ich werde weiter voll durchziehen. Ein Schanzenrekord in Planica wäre mir aber noch lieber", sagte der Stubaitaler. Denn dann hätte er auch den Weltrekord (239 m). (APA)

 

Share if you care.