Fehler im Virenschutz legte Kärntner Spitäler fast lahm

11. Jänner 2009, 20:39
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3000 Computer in Landeskrankenanstalten in Klagenfurt, Hermagor und Wolfsberg betroffen - Netzwerk außer Betrieb - Keine Gefahr für Daten

Klagenfurt - "Wir haben großes Glück gehabt, dass das am Wochenende passiert ist, an dem keine Operationen angesetzt werden", ist der technische Direktor des Kärntner Krankenhausbetreibers Kabeg, Herwig Wetzlinger, erleichtert. Ein sogenannter Wurm hat seit Freitagnachmittag rund 3000 Computer im Netzwerk der Krankenhäuser Klagenfurt, Hermagor und Wolfsberg lahmgelegt. "Bis Montag sollten aber die Intensivstationen, die OP-Räume und die Patientenaufnahmen wieder einsatzfähig sein", hofft er im Gespräch mit dem STANDARD.

Ein verseuchter USB-Stick soll schuld an der Misere sein. "Es gab im Virenschutzsystem von Microsoft offenbar eine Lücke: Daten, die von außen kamen, wurden kontrolliert. Jene, die über einen Stick eingespielt worden sind, nicht", behauptet der Manager. Der Softwareriese habe das "gröbere Problem" auch eingestanden, sagt er.

Folgenschwer

Die Folge der Attacken: der Datentransfer von befallenen PCs schwoll derart an, dass die Verbindung zusammenbrach, andere Maschinen konnten sich nicht mehr in dem Netzwerk anmelden. "Zum Glück sind aber keine Patientendaten beschädigt worden", schildert Wetzlinger. Man habe den Virus mittlerweile entfernen können, die Installation des Virenschutzes einer anderen Firma dauere aber rund eine Stunde pro Computer. "Bis Dienstag oder Mittwoch sollte alles wieder im Normalbetrieb laufen."

Auffällig ist die Parallele zum Daten-GAU bei der Kärntner Landesregierung und Bezirkshauptmannschaften seit Jahresbeginn. Auch hier waren rund 3000 PCs von einem Wurm befallen und unbrauchbar gemacht worden. "Nach derzeitigem Wissensstand ist es bei uns derselbe Virenstamm, aber eine andere Mutation." Über einen möglichen absichtlichen Angriff will er nicht spekulieren, die Polizei sei aber nicht eingeschaltet worden.

Um einen ähnlichen Vorfall in Zukunft zu verhindern, werden nun die Berechtigung zur Verwendung von USB-Sticks verschärft. Was die Ärzte ärgern dürfte - die haben anscheinend zum Beispiel Röntgenbilder auf den Speichermedien transportiert. (moe/DER STANDARD-Printausgabe, 12.1.2009)

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