Hamas: Keine Chance für Verhandlungen

10. Jänner 2009, 22:07
234 Postings

Mashaal fordert Ende der Angriffe, Abzug der Soldaten und Öffnungen der Grenzübergänge - Israel kündigte "neue Phase" des Krieges an - mit Video

Gaza - Der Krieg im Gazastreifen hat nach Worten des politischen Führers der Hamas, Khaled Mashaal, die letzte Chance für Verhandlungen mit Israel zunichte gemacht. Im arabischen Fernsehsender Al Jazeera verurteilte Mashaal am Samstag in scharfer Form die israelische Militäroffensive.

Er bekräftigte zugleich die Forderung nach einem sofortigen Ende der israelischen Angriffe im Gazastreifen, einem vollständigen Abzug der israelischen Truppen und der Öffnung aller Grenzübergänge zu dem von seiner Organisation regierten palästinensischen Autonomiegebiet. Erst dann werde die Hamas einer Waffenruhe zustimmen, so Mashaal.

Israel kündigt "neue Phase" des Krieges an

Zuvor hatten die israelischen Streitkräfte eine "neue Phase" im Kampf gegen die Hamas angekündigt. Nach Militärangaben warf die Luftwaffe am Samstag über dem gesamten Gazastreifen Flugblätter ab, in denen die Bevölkerung aufgerufen wurde, zu ihrer eigenen Sicherheit den israelischen Anordnungen zu folgen. Nach palästinensischen Angaben kamen am Samstag erneut 31 Menschen durch israelische Militäraktionen ums Leben.

In den Flugblättern wurden die Menschen vor einer Unterstützung der Hamas gewarnt. Israel kämpfe nicht gegen die palästinensische Zivilbevölkerung, sondern nur gegen die Hamas und Terroristen, hieß es in den in Arabisch verfassten Flugblättern, die als "allgemeine Warnung" bezeichnet wurden.

Besetzung des Gazastreifens vorgesehen

Aus Militärkreisen verlautete, die Streitkräfte seien auf eine dritte Stufe der Offensive vorbereitet, bei der die Bodentruppen noch weiter in das Autonomiegebiet vorstoßen würden. Den Gewährsleuten zufolge haben die Streitkräfte auch schon eine vierte Stufe geplant, die die vollständige Wiederbesetzung des Gazastreifens und den Sturz der dort regierenden Hamas vorsieht.

Luftwaffe bombardiert Dutzende Ziele

Ungeachtet der Forderung des Weltsicherheitsrates nach einer sofortigen Waffenruhe setzten Israel und die Hamas ihre Angriffe fort. Israelische Kampfjets griffen nach Militärangaben am Samstag in der Früh mutmaßliche Extremisten sowie Abschussrampen für Raketen, Waffenlager und Tunnels an. 15 Militante seien bei Kämpfen getötet worden. Am Abend wurden bei weiteren israelischen Luftschlägen neun Menschen getötet, wie Augenzeugen berichteten. Die Gesundheitsbehörde sprach von insgesamt 31 Toten am Samstag.

Israel wies jedoch Berichte zurück, bei einem Panzerangriff in Jebaliya am Vormittag seien neun Zivilisten getötet worden. Es habe dort gar keine Angriffe gegeben, so die Armee. Das israelische Militär bestritt am Samstag auch energisch, vor zwei Tagen einen UNO-Konvoi im Gazastreifen beschossen und dabei zwei Mitarbeiter des Hilfswerks UNRWA getötet zu haben.

Dagegen gab die israelische Armee bekannt, den Hamas-Kommandeur Amir Mansi getötet zu haben, den Sohn von Hamas-Telekommunikationsminister Yussef Mansi. Der bewaffnete Arm der Hamas, die Ezzedin-al-Kassam-Brigaden, bestätigten dies. Amir Mansi soll für den Raketenbeschuss von Israel in Gaza verantwortlich gewesen sein. Nach israelischen Armeeangaben wurden insgesamt bereits 300 Hamas-Kämpfer im Gazastreifen getötet.

Wieder Raketenangriffe aus dem Gazastreifen

Auch der Raketenbeschuss Südisraels ging weiter. Am Samstag schlugen wieder mindestens 15 Raketen aus dem Gazastreifen ein. In Ashkelon wurde dabei ein Haus stark beschädigt, zwei Menschen wurden leicht verletzt.

Um Rettungskräften und Hilfsorganisationen Gelegenheit zur Versorgung der Bevölkerung zu geben, unterbrach Israel am Samstag erneut seine Angriffe für drei Stunden. Helfer beklagten allerdings, dass diese Zeit viel zu gering sei.

Steinmeier auf Nahost-Mission

Während sich der palästinensische Präsident Mahmoud Abbas für die Entsendung einer internationalen Treuppe in den Gazastreifen aussprach, plädierte der deutsche Außenminister Steinmeier in Kairo einen "Arbeitsplan" für einen dauerhaften Waffenstillstand. Nach einem Gespräch mit dem ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak sagte er, die jüngste UNO-Resolution sei ein "wichtiger Schritt auf dem Weg, die Waffen zum Schweigen zu bringen". Als sich Steinmeier am ägyptischen Grenzposten Rafah ein Bild von der Lage machte, schlug ganz in der Nähe ein israelisches Geschoß ein. "Natürlich spüren und hören wir, dass das hinten noch gekämpft wird", sagte der deutsche Chefdiplomat, der am Sonntag mit israelischen Regierungsvertretern zusammenkommen wollte.

Am zweiten Tag seiner Nahost-Reise wird Steinmeier am Sonntag zu Gesprächen mit der israelischen Führung zusammen. Zunächst trifft er in Jerusalem Staatspräsident Shimon Peres (12.00 Uhr). Nach der wöchentlichen Sitzung des israelischen Kabinetts spricht Steinmeier mit Außenministerin Tzipi Livni (14.30 Uhr) über einen Waffenstillstand zwischen Israel und der radikalislamischen Hamas im Gazastreifen. Anschließend sind in Tel Aviv Gespräche mit Verteidigungsminister Ehud Barak und Oppositionsführer Benjamin Netanyahu geplant.

Bush für Waffenstillstand

US-Präsident George W. Bush sprach sich nach Angaben der EU für einen baldigen Waffenstillstand im Gazastreifen aus. In einem Telefonat mit dem tschechischen EU-Ratspräsidenten Mirek Topolanek habe Bush für einen Waffenstillstand "so bald wie möglich" plädiert, teilte die Ratspräsidentschaft in einer französischsprachigen Erklärung mit. In der englischen Fassung war von einem "sofortigen" Waffenstillstand die Rede. (APA/AP/AFP/dpa)

  •  

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Israelische mobile Artillerie schieß Samstag früh in Richtung Gaza-Stadt.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die Reste eines Gebäudes nach einem Luftangriff auf Rafah. 

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.