Die Deutschen machen Probleme

9. Jänner 2009, 20:32
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Gewiss, das sind Feinheiten, aber eine feinfühlige Leserschaft bemerkt solche Unschärfen

Wir wollen nichts übertreiben, der marktschreierische Habitus steht uns fern. Darin liegt wohl begründet, dass wir in einem Kommentar der anderen am 3. Jänner nichts an der Darstellung fanden, der ORF habe in einer Spiel-Doku „superrealistisch einen GAU im grenznahen AKW-Dukovany“ nachgestellt.

In diesem Fall wäre die höchste Steigerungsform angemessen gewesen, es sollte von einem Super-GAU die Rede sein. Der GAU – der sogenannte größte anzunehmende Unfall – ist jenes Unglück, das ein Atomkraftwerk gerade aushält. Erst beim Super-GAU werden die Belastungsgrenzen überschritten, dann erst wird, wie im Film dargestellt, Radioaktivität frei. „In drei Tagen bis du tot“ mag in einem solchen Fall tragische Richtigkeit haben, der Film trägt entgegen unserer Vermittlung aber den Titel „Der erste Tag“.

Gewiss, das sind Feinheiten, aber eine feinfühlige Leserschaft bemerkt solche Unschärfen. Gebeutelt vom Sturm des Weltgeschehens, sind wir eben großzügiger. Dem Prinzip verpflichtet, dass jeder Mensch Vor- und Nachname hat, nannten wir in einem Kommentar zum inflationären Auftauchen von Wirtschaftsprognosen kurz vor dem Jahreswechsel die deutsche Kanzlerin artig beim – falschen Namen: Angelika Merkel. Sie wurde 1954 Angela Dorothea Kasner getauft, Angelika hieß sie nie.

Die Deutschen machen uns aber von jeher Probleme. Das ist zwar ein _Stereotyp, die von Notenbankchef Ewald Nowotny jüngst vorgestellte schlechte Konjunkturprognose unterfütterte das Vorurteil aber derart mit Fakten, dass wir zum Titel fanden: „Deutschland zieht Österreich hinunter“. In der feinfühligen Leserschaft wurde dies als übertrieben saloppe Formulierung aufgefasst.

So schlimm ist das nicht: Wenn das Bild stimmt und Deutschland Österreich wirklich hinter sich her zieht, dann werden wir, wenn unser Nachbarland erst einmal ganz unten angekommen sein wird, immer noch obenauf sein.

Was am Luxus falsch ist

Andererseits: Man kann schnell unter die Räder kommen. Nachdem die Automobilredakteure in den ersten Jännertagen ihre ganz persönlichen Autos des Jahres präsentiert hatten – nur vom Spaß am Vehikel geführt, eine Träumerei –, schoben wir gestern Freitag, politisch korrekt und von Vernunft geleitet, nach. Wir sagten im Automobilteil ein paar „Best of Böse“-Modellen Adieu. Dank seines Preises und ein paar anderer Nebensächlichkeiten wie dem Schadstoffausstoß fand sich in dieser Liste der Maybach. Warum tut sich VW solch ein Modell an?, fragten wir indirekt. Macht VW ja auch gar nicht, Maybach gehört zu Daimler. Mit Gottlieb Daimler hat die ganze Geschichte 1865 ja auch angefangen. (Otto Ranftl, DER STANDARD, Printausgabe, 10.11.1.2009)

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