Die kleine Rächerin

9. Jänner 2009, 20:15
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"Die Röte der Jungfrau" - Ein Krimi von Maria Ernestam

Ich war sieben Jahre alt, als ich beschloss, meine Mutter zu töten. Doch ich musste siebzehn werden, bevor der Beschluss in die Tat umgesetzt werden konnte." So knapp und klar eröffnet die Schwedin Maria Ernestam die Lebensbeichte einer Frau, - ein Risiko, denn aus dem Psychothriller könnte damit leicht die Luft draußen sein. Aber der Text bleibt in seiner langsamen Zuspitzung spannend. Eva hat zum 56. Geburstag ein Tagebuch geschenkt bekommen. Das veranlasst sie zum Aufschreiben ihrer Erinnerungen, ein Blick zurück im Zorn, doch ohne Reue: "... ich musste mir eingestehen, dass die Menschen oft nur deshalb Schuld empfinden, weil sie angeklagt werden.

Nicht, weil sie gesündigt haben." Und angeklagt ist Eva nicht, denn niemand weiß von ihrer Tat, und die Leiche ihrer Mutter ruht im wohlgedüngten Rosenbeet, - bis ihr Mann dort eine Wasserleitung verlegen möchte. Mit dem Wechsel von Erinnerung und Gegenwart hält die Autorin den Fluss der Erzählung in Schwung, sie schildert die vergeblichen Kämpfe eines Mädchens um Zuneigung und Wahrgenommenwerden, erzählt von einer beziehungsunfähigen Mutter, einem Vater, der das Weite sucht und der Rivalität zwischen

Mutter und Tochter. Das gerät aber nicht zum selbstmitleidigen Lamento, sondern wird von erfrischend boshaften Kommentaren ergänzt. Das Mädchen entwickelt sich zu einer Rächerin. Die Moral von der Geschichte? Nicht ertappt zu werden ist wichtig, sonst nichts. (Ingeborg Sperl/DER STANDARD-Printausgabe, 10./11. Jänner 2009)

 

 

Maria Ernestam, "Die Röte der Jungfrau." Deutsch: Christel Hildebrandt. € 9,30 / 432 Seiten. btb, München 2008

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