In Bulgarien haben 72 Betriebe Zwangspause

9. Jänner 2009, 19:44
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Industrie moniert: Gaskrise verursacht Ausfälle von 250 Millionen Euro - Chemiefabrik wäre fast explodiert

Die bulgarische Industrie erlitt durch den Gaslieferstopp aus Russland einen wahren Tiefschlag. Innerhalb von vier Tagen mussten 72 Betriebe stillgelegt werden, 153 rationieren. Der Bund der Arbeitgeber und Industriellen schätzt die Verluste auf 250 Millionen Euro.

Die Meldung Gasproms über den Lieferstopp am Dienstag versetzte Bulgarien in eine Notlage. Über Alternativen verfügt das Land nicht, in dem einzigen Speicher in Tschiren lagern 700 Mio. Kubikmetern Gas. So kann der Monopolist Bulgargas täglich lediglich 45 Prozent des normalen Bedarfs für ein paar Monate sichern.

"Knock-out"

"Die Industrie ist im Knock-out", sagte der Geschäftsführer des Arbeitgeberbundes, Evgenij Iwanov, im Gespräch mit dem STANDARD. Unter den Unternehmen, die schließen mussten, waren beispielsweise der mit EU-Mitteln subventionierte Hühnerschlachthof Dobritsch. Die gesamte Produktion der Lebensmittelindustrie und von pharmazeutischen Betrieben wurden wegen den Unterbrechungen unbrauchbar. In manchen Firmen wurden 90 Prozent des Personals zwangsbeurlaubt.

Fernwärmegesellschaften und die Industrie mussten auf Erdölprodukte umstellen, was auch Probleme verursachte. So ließ eine Panne in der Energiegesellschaft Toplofikazija Burgas 30.000 Haushalte ohne Heizung, und um ein Haar wäre es im Werk des Kunstdüngergiganten Nochim zu einer Explosion gekommen. Die ganze Evakuierung der Stadt Dimitrovgrad war bereits vorbereitet.

Banken besorgt

Die Gasnotlage dürfte nun die Wirtschafts- und Finanzkrise in Bulgarien vertiefen. Viele Banken zeigten sich besorgt, dass die von der Gaskrise betroffenen Unternehmen ihre Kredite nicht mehr bedienen können würden. Dazu kommt, dass die Industrie im November ohnehin shon einen Outputrückgang von 8,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu verkraften hatte.

Die Wirtschaft wirft der Regierung nun wichtige Versäumnisse vor. Rechtzeitige Investitionen etwa in den Gasspeicher Tschiren, alternative Transitwege über die Türkei sowie das Errichten eines Terminals für flüssiges Gas hätten die Gaskrise vereitelt, ist man beim Bund der Arbeitgeber und Industriellen überzeugt. Für die 250 Millionen Euro Verlust will man beim Energiekonzern Bulgargas Schadenersatz einfordern. (Diljana Lambreva aus Sofia, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10./11.1.2009)

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