Kraftfutter für den Tourismus

9. Jänner 2009, 19:30
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Vier Millionen Euro mehr für die Österreich Werbung und neue Kreditlinien für die Tourismusbranche: Das sind die Eckpunkte eines Maßnahmenbündels, mit dem der Tourismusmotor trotz Krise auf Touren gehalten werden soll

Wien - Bis Neujahr und auch noch die Tage danach lief das Geschäft in Österreichs Tourismusbetrieben überwiegend gut bis sehr gut. Nun sind erste Bremsgeräusche zu hören. Die im Vergleich zum Vorjahr etwas niedrigeren Buchungszahlen für die nächsten Wochen deuten darauf hin, dass die Wirtschaftskrise auf den Tourismus durchschlägt. Nun will man von staatlicher Seite gegensteuern.

Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner hat gemeinsam mit der Wirtschaftskammer ein Maßnahmenpaket zur Förderung von Investitionen und Werbung geschnürt. Einerseits bekommt die Österreich Werbung (ÖW) mehr Geld, um im Ausland noch wirkungsvoller Stimmung für Österreich zu machen. Andererseits soll Tourismusunternehmen mit zusätzlichen Kreditlinien geholfen werden. Hotelbetriebe sollten auch oder gerade in Zeiten der Krise investieren, wird argumentiert.

"Die Krise wird nicht spurlos am Tourismus vorübergehen", sagte Mitterlehner. Gleichzeitig zeigte sich der Minister aber optimistisch, dass die Bremsspuren durch rechtzeitiges Gegensteuern nicht allzu tief ausfallen werden.

Sonderbudget

Die ÖW erhält ein Sonderbudget von vier Mio. Euro, womit sich ihr Gesamtbudget von 51,6 Mio. auf 55,6 Mio. Euro erhöht. Drei Mio. Euro kommen vom Bund, der mit 75 Prozent an der ÖW beteiligt ist; eine Mio. Euro zahlt die Wirtschaftskammer, die das restliche Viertel hält. Ob es die Sondermittel auch 2009 geben wird, ließ Mitterlehner offen. Das zusätzliche Geld wird die Österreich Werbung zum Großteil auf den Nahmärkten ausgeben, vor allem in Deutschland, aber auch in Norditalien sowie in Zentral- und Osteuropa. Dort sieht ÖW-Geschäftsführerin Petra Stolba gerade in Zeiten einer allgemeinen Wirtschaftsflaute die größten Chancen, neue Gäste anzusprechen.

In die Unterstützungsaktion für den Tourismus ist auch die Hotel- und Tourismusbank (ÖHT) eingebunden. Sie haftet für eine neue Kreditlinie, die an Kleinbetriebe in der Branche adressiert ist. Diese "Mirkokredite" werden im Rahmen des Austria Wirtschaftsservice aus Mitteln des ERP-Fonds (Marshallplanhilfe) vergeben.

Stadthotellerie pessimistischer

Die Bundeshaftung für die ÖHT soll, wie von den beiden Regierungspartnern vereinbart, auf 500 Mio. Euro verdoppelt werden. Die für den Tourismus im Rahmen des ERP-Fonds reservierten Mittel sind im Dezember 2008 von 32 auf 38 Mio. Euro aufgestockt worden.

Die ÖHT ihrerseits hat einen Refinanzierungsantrag bei der Europäischen Investitionsbank (EIB) zur Gewährung eines Globaldarlehens in Höhe von 140 Mio. Euro eingebracht. Dadurch könne die ÖHT günstige Kreditkonditionen an die Betriebe weitergeben, sagte Geschäftsführer Reinhard Mücke.

Spartenobmann und Hotelier Hans Schenner rechnet zwar mit Umsatzrückgängen der Branche im heurigen Jahr, aber mit keinem dramatischen Einbruch. Laut einer vom Linzer Market-Institut durchgeführten Umfrage ist die Stadthotellerie, insbesondere die in Wien, pessimistischer eingestellt als die Ferienhotellerie am Land. (Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10./11.1.2009)

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