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Der Kabarettist Lukas Resetarits denkt auch mit 61 noch lange nicht ans Aufhören. Fernsehen erachtet er jedenfalls nicht als attraktive Alternative zum Brettl, das ihm seit 32 Jahren die Welt bedeutet.
Mit Andrea Schurian traf er sich zum Wordrap. Über den Buchstaben A sind sie nicht hinausgekommen.
Aktien- und Finanzkrise:
Es ist ja großartig. Ich bin jetzt 61, und da sagt man mir: "Behalten S' die Aktien, weil in den nächsten 20 Jahren wird's wieder besser." Ja, das sitzen wir durch! Nur keine Panikverkäufe! So stolz war der ORF auf die Einführung der Börsenticker: Wir machen Österreich amerikareif! Dort hat jeder Hackler ein Portfolio, des brauch' ma auch. Jeder kleine Angestellte ein Aktionär! Und jetzt ham s' alle a Mordstrumm Watsch'n gekriegt, die armen Schweine. Zuerst hat ihnen der Meinl was gestohlen, dann die Krise. Jetzt ist das, was sie gespart haben, nur mehr ein Drittel wert.
Altersvorsorge:
Ich sage nur: dritte Säule bei der Pensionsvorsorge! Zum Teil wurden die Leute ja von der schwarzblauen Regierung hingeprügelt zu diesem dritten Bein. Schüssel, diesem macchiavellistischen Jesuiten, ist es ja gelungen, den Staat als stinkiges, unnötiges, überbezahltes Scheißdreckding darzustellen. Mehr privat, weniger Staat - also haben der Müller Franz und der Karli und die Resi alle fleißig selbst vorgesorgt. Und jetzt dürfen s' den Banken das Geld noch einmal zahlen, das die verschissen und verjankert haben.
Ausblicke:
Die Perspektive für die meisten Leute liegt bei 900 oder 940 Euro Nettoeinkommen. Jetzt vielleicht auch nicht einmal mehr das, weil sie hackenstad sind. Also wenn ich beim Baumax steh für 940 Euro und es kommt wer und will was wissen, versteckert ich mich auch schnell in der Wärmekammer. Weil es is eh wurscht, ob ich des gut mach. Eines wird passieren: Die Arbeitslosigkeit wird steigen. Aber das wird denen, die Arbeit haben, auch wieder wurscht sein. Weil Solidarität ist nullo, gibt es nicht mehr.
Anleitungen:
Also, ich finde ja toll, dass diese angeheiratete Glasscherben-Prinzessin aus Tirol Haushaltstipps gibt für die Krise. Das werde ich in meinem neuen Programm, an dem ich gerade schreibe, fortsetzen. Es wird übrigens Osterreich heißen. Ohne Ö-Stricherln. Das Urheberrecht auf Österreich haben ja die Fellners, eine Erbärmlichkeit, dass eine solche Schundzeitung so heißen darf wie das Land. Wenn mir die Leute während der Vorstellung noch einmal das Eintrittsgeld geben, sag ich ihnen den ultimativen Ausweg aus der Krise.
Alternativen:
Ich bin so dankbar, dass Einwandererkinder wie Efgani Dönmez uns Linken helfen, indem sie sagen: "Leutln, ihr müsst nicht mit so vielen Magengeschwüren herumrennen. Ihr dürft's sagen: Ein Arschloch ist ein Arschloch, ob es ein Tschetschene, ein Türke, Österreicher oder Norweger ist." An den Formulierungen könnt' ma noch a bissl feilen, die Wortwahl von den ostanatolischen Kameltreibern als Religionslehrer war ein bissl unelegant.
Allerwerteste:
Aber trotzdem, die etablierten Grünen, die auch schon ein bissi Schwielen auf den Arschbacken haben von den vielen Jahren, die sie auf ihren Sesseln sitzen, die sollen sich jetzt nicht gar so nonnenhaft aufführen. Es ist gut, wenn der Dönmez das alles sagt und damit den Blauen die Themenführerschaft abnimmt. Ich hätte gerne noch auf der Frauenseite auch jemanden wie den Dönmez. Die Frau Vassilakou ist es jedenfalls nicht.
Aufhören:
Ich? Aufhören zu spielen? Na, des geht net. Was soll ich denn machen? Mich dem Alkohol hingegeben? Dem bin ich nach einer persönlichen Krise entkommen. Zum Rauchen hab ich auch aufgehört. Fernsehen? Da hupfst ja vor Verzweiflung aus dem Fenster. Na ja, vielleicht: Wenn ich einmal in Routine hineinkomme, dann höre ich vielleicht auf. (DER STANDARD-Printausgabe, 10./11. Jänner 2009)
Lukas Resetarits: "XXII", 14. 1., 20 Uhr, Ronacher, 1010 Wien, Seilerstätte 9. Tickets: (01) 514 11
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Denn 1.) Der einzige in Österreich, der heute politisch angriffiges Kabarett bringt, ohne dabei krampfhaft auf politisch korrekt zu machen.
2.) Einer der wenigen, die als Kabarettisten keine Selbstdarsteller sind. Nichts gegen Selbstdarstellung an sich, aber mir gibt halt jenes Kabarett mehr, das die Welt zum Inhalt macht als zweieinhalb Stunden Nabelbeschau. Und kaum einer trifft den Punkt so gut wie er.
Und 3.) weil er sich selbst "proletarisch" positioniert und im Grunde ein Understater ist, denn um alle kleinen Seitenhiebe in seinen Programmen zu verstehen, muss man schon was auf der Platte haben. Er konterkariert damit jene, die auf "intellektuell" machen, aber dabei eher substanzlos bleiben.
Auf noch viele Programme von dir !!!
... Seine Aussagen sind viel intelligenter als Sie klingen . Conclusio : Sie werden vom -kleinen Mann- um den es eigentlich geht gar nicht richtig verstanden (Immer wieder ein Höhepunkt im alltäglichen Leben wenn ein erbärmlicher Rassist mit dem GastarbeiterroutenSchmäh daherkommt)
Besonders gut gefällt mir die Stelle, wo er vom "beim Baumax mit 940 Euro stehen" spricht!
Diese ganzen Grossfirmen versuchen ihren Hacklern mit Gewalt ihre Corporate Identity aufs Auge zu drücken! Man muss glücklich sein, dort arbeiten zu dürfen und ist doch eine grosse Familie. In Wirklichkeit speisen sie ihre Leute mit einem Hungerlohn ab und lassen sie im Ernstfall wie eine heisse Kartoffel fallen!
als ex obi mitarbeiter kann ich das nur bestätigen, zuerst corporate identity für 1060 €, die dümmsten sind ständig auf der flucht,verkauft wird haupsächlich billigschrott,wennst engagiert bist wirfst bald das handtuch oder man wird ohne grund von heut auf morgen gekündigt. Mitarbeiterfluktation pro Jahr 30%
Leute Kaufts euer Werkzeug im Fachhandel genauso wie man sich im Kabarett besser unterhaltet und länger davon was hat als vor der Glotze
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