"Ich hoffe auf einen Dominoeffekt"

9. Jänner 2009, 19:39
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Tibor Tóth, Chef der Atomteststoppbehörde CTBTO, im STANDARD-Interview: Mit Obamas Wahl zum Präsidenten rückt die Ratifizierung des Atomteststoppabkommens näher

Mit Barack Obamas Wahl zum US-Präsidenten rückt die Ratifizierung des Atomteststoppabkommens näher, glaubt Tibor Tóth. Mit dem Chef der CTBTO in Wien sprach Julia Raabe.

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STANDARD: Was bedeutet die Wahl von Barack Obama für die Zukunft des Atomteststoppvertrags (CTBT)?

Tóth: Es ist natürlich sehr wichtig, dass Obama den Atomteststoppvertrag unterstützt. Während des Wahlkampfs haben wir gehört, dass er sich um den Ratifikationsprozess des CTBT kümmern möchte. Es ist natürlich eine Angelegenheit des Senats. Gleichzeitig kündigte Obama an, mit den Regierungen von Indien und Pakistan zusammenarbeiten zu wollen, um sicherzustellen, dass der Vertrag in Kraft treten kann. Neun Ratifizierungen stehen noch aus.

Wenn sich die USA bewegen, heißt das aber nicht, dass die anderen warten sollten. Um ein Beispiel zu nennen: Wir bekommen sehr positive Andeutungen von Indonesien, China sollte nicht unbedingt warten, ebenso andere. Aber es ist ein Katalysator, es ist sehr wichtig.

STANDARD: Was heißt das konkret - positive Andeutungen?

Tóth: Es gab zwei Treffen mit hochrangigen Funktionären in Indonesien in diesem Jahr. Die Botschaft von allen war, dass sie an der Sache arbeiten. Ich bin also sehr optimistisch. Ich hoffe auf einen Dominoeffekt - dass mit der Ratifizierung in den USA die anderen Dominos zu fallen beginnen.

STANDARD: Wann rechnen Sie mit der Ratifizierung in den USA?

Tóth: Ich denke, sie könnte im Jahr 2010 stattfinden.

STANDARD: Wie könnte Barack Obama die inoffiziellen Atommächte Indien und Pakistan zur Ratifizierung des Teststoppabkommens bewegen?

Tóth: Das einzige Land, das Indien überzeugen kann, ist Indien. Das einzige Land, das Pakistan überzeugen kann, ist Pakistan. Sie müssen aus ihrer eigenen Perspektive der nationalen Sicherheit verstehen, warum der Vertrag wichtig für sie ist. Denken Sie an die jüngsten Terroranschläge, die sowohl auf indischem als auch auf pakistanischem Territorium stattgefunden haben.

Es ist eine Erinnerung, dass Nuklearwaffen eine Gefahr darstellen. Der Anstieg von spaltbarem Material, die wachsende Zahl von Einrichtungen, die damit umgehen, von Menschen, die damit zu tun haben, schaffen auch mit Blick auf den Terrorismus zusätzliche Herausforderungen.

STANDARD: Auch der Iran hat noch nicht ratifiziert.

Tóth: Der Iran ist mit dem CTBT in der einfachen Lage, zu zeigen, dass er sich die militärische Option nicht offenhalten will. Es gibt einen einfachen Weg: den Vertrag ratifizieren. Das wäre für alle Länder, die noch nicht ratifiziert haben, die einfachste Art zu zeigen, dass sie auf der richtigen Seite bleiben.

STANDARD: Wann könnte der Vertrag in Kraft treten?

Tóth: Der Vertrag ist in Reichweite. Wir brauchen politische Führerschaft. Diese Führung kommt von den Vereinigten Staaten, sie wird untermauert von Ideen, wie es weitergehen soll bei der Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen und der nuklearen Abrüstung. Das Ergebnis davon ist: Es gibt ein Momentum, definitiv.

Was ich sagen kann, ist, dass es nicht Monate dauern wird. Es gilt weiterhin, dass Rüstungskontrolle und Abrüstung mehr Zeit brauchen als einige Monate.

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    Zur Person: Der ungarische Diplomat Tibor Tóth leitet seit August 2005 die Atomteststoppbehörde (CTBTO) in Wien. Im vergangenen November ist er für weitere fünf Jahre im Amt bestätigt worden.

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