Neues Offert, kein Verkauf

9. Jänner 2009, 18:21
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"Rien ne va plus" heißt es für die Österreichischen Bundesforste (ÖBf) beim angedachten Mondsee-Kauf - Denn auch ein neuerliches Angebot stieß bei der Seebesitzerin Nicolette Waechter auf äußerst wenig Gegenliebe

Linz - Und wieder sind die Österreichischen Bundesforste (ÖBf) im Zusammenhang mit dem vieldiskutierten Mondsee-Verkauf baden gegangen. Ein neues, von den ÖBf erst im Dezember gelegtes Angebot an die Seebesitzerin Nicolette Waechter wird jetzt von selbiger brüsk zurückgewiesen. "Die Bundesforste sind kein Gesprächspartner mehr für mich, egal womit sie kommen", stellt Waechter im Standard-Gespräch klar.

Der Grund für den rauen Seegang am Verhandlungstisch ist nach wie vor Angebot Nummer eins der Bundesforste. Diese hatten im Juli 2008 offeriert, die Bewirtschaftung des 14 Quadratkilometer großen Sees für zwei Jahre unentgeltlich zu übernehmen - mit einer Kaufoption für danach. Für Waechter damals wie heute "gelinde gesagt eine Frechheit".

Runder Tisch fiel ins Wasser

Die verhärteten Fronten machten den Verkauf des wässrigen Salzkammergut-Idylls in weiterer Folge zum brisanten Politikum. Die Wogen sollte ein runder Tisch, angesetzt für den 13. Oktober 2008, glätten. Initiator war damals Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer (VP), selbst jeden Sommer mit eigenem Wohnwagen am Mondsee anzutreffen. Doch man hatte die Rechnung ohne die Mondsee-Frau gemacht. Waechter erklärte sich zunächst nicht bereit, sich mit den Bundesforsten an einen Tisch zu setzten. Erst als Pühringer wortgewaltig warnte. "Frau Waechter soll nicht die Republik Österreich brüskieren", lenkte diese ein. Zum Treffen kam es dennoch nicht, da die Seebesitzerin zum besagten Termin erkrankte. Und zu einem neuerlichen Treffen konnte man sich von politischer Seite bis dato noch nicht durchringen.

Anfang Dezember änderten dann die Bundesforste durchaus überraschend ihre Position und legten ein neues Offert. "Wir haben Frau Waechter angeboten, dass ein unabhängiger Gutachter den Wert des Mondsees schätzt und wir diesen Preis dann zahlen. Ein faires Angebot.", erläutert ÖBf-Sprecher Bernhard Schragl im Standard- Gespräch. Doch Fairness beim Seekauf ist offensichtlich eine Frage der Sichtweise. Waechter: "Die Bundesforste würden mir den amtlichen Schätzwert zahlen, also etwa zwischen sechs und acht Millionen Euro. Und da spiele ich nicht mit. Unter zehn Millionen Euro gehe ich nicht. Abgesehen davon, dass ich ja sowieso nicht mehr an die Bundesforste verkaufen will." Einzige Option bleibt für die resolute Dame mit See ein Verkauf an das Land Oberösterreich, wobei eine mögliche Beteiligung des Bundeslandes Salzburg durchaus geduldet wird.

Doch auch wenn der Waechter'sche Groll ("Es sind einfach die Nachwehen des ersten ÖBf-Angebots") hörbar groß ist, bleibt man bei den ÖBf gelassen. Schragl: "Unser neues Angebot steht weiter. Ein unabhängiger Dritter prüft den Wert, bestimmt den Preis und wir zahlen - damit ist allen gedient." Doch möglich wäre auch eine weitere Option, die die leidige Seeschlacht schlagartig beenden würde. Waechter: "Es kann natürlich auch sein, dass ich angesichts der Wirtschaftskrise meinen See gar nicht verkaufe. Aber zuerst höre ich mir einmal das Angebot vom Land Oberösterreich an." (Markus Rohrhofer/DER STANDARD-Printausgabe, 10.1.2009)

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    Die Bundesforste angeln mit neuem Köder nach dem Mondsee, ...

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    ... doch Besitzerin Nicolette Waechter beißt nicht an.

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