Frauenmuseum braucht Geld aus neuen Töpfen

9. Jänner 2009, 18:42
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Abgang der Leiterin löst Diskussion über Struktur aus - Karin Fritz von den Grünen meint, Stöckler sei von der ÖVP vertrieben worden

Hittisau - Das Frauenmuseum in Hittisau (Bregenzerwald), das einzige Museum dieser Art in Österreich, steht vor wesentlichen Veränderungen. Der überraschende Wechsel der Gründungsdirektorin Elisabeth Stöckler zur Kulturstiftung Liechtenstein löst intensive Diskussionen über die Zukunft des Museums aus.

Stöckler sei von der ÖVP vertrieben worden, kritisiert Karin Fritz von den Grünen. Fritz: "Seit Jahren weist Frau Stöckler darauf hin, dass ein Museum nicht mit einer Halbtagsstelle geführt werden kann." Mit der Forderung nach zwei Ganztagsstellen blitzten die Grünen bei der Budgetsitzung des Landtags im Dezember ab.

Elisabeth Stöckler sieht sich nicht als "Vertriebene". Nach acht Jahren der Pionierphase sei es an der Zeit für ihre persönliche und für die strukturelle Veränderung des Museums: "Ich bewege mich, und damit können sich auch die anderen bewegen." Die Übergangsphase bis zur Neubesetzung der Museumsleitung biete den 16 Museumsbegleiterinnen, die nun Stöcklers Arbeit weiterführen, "Entwicklungs- und Emanzipationschancen". Eine "Kultur des Zutrauens" könnte entstehen.

"Für den Ort wichtig"

Über die neuen Strukturen des Museums, vor allem eine Organisationsform, die den Zugang zu Bundesförderungen ermöglicht, will die Gemeindevertretung bei einer Klausur beraten. Bürgermeister Konrad Schwarz: "Ich stehe voll zu unserem Frauenmuseum. Es ist für den Ort wichtig. Das zeigt die internationale Anerkennung." Die Popularität überrasche ihn immer wieder.

Die inhaltliche Ausrichtung des Museums, die Auseinandersetzung mit Frauengeschichte und -alltag aus Frauenperspektive, der Brückenschlag zwischen ländlichem und urbanem Raum, zwischen Tradition und Feminismus, soll beibehalten werden. Seit 2000 besuchten 50.000 Menschen 25 Ausstellungen und 130 Veranstaltungen des Museums. Getragen wird die Arbeit von 16 Frauen im Alter von 20 bis 80 Jahren. (Jutta Berger, DER STANDARD, Print, 10./11.2009)

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