Das zweite Leben des Familienvaters

9. Jänner 2009, 17:57
2 Postings

Schulden durch Kokainsucht und Bordellbesuche: Straßenprostituierte beraubt

Mehmet B. führte nach außen hin ein vollkommen normales, solides Familienleben: Der gelernte Installateur ist verheiratet, hat ein knapp fünfjähriges Kind. Nach einem kurzen Ausflug in die Selbständigkeit - mit einem Call-Shop-Center - begann er wieder als Installateur zu arbeiten. "Weil ich zu wenig Zeit für die Familie gehabt hatte", berichtet der 26-Jährige.

Im September des Vorjahres ist allerdings "mein ganzes Leben von mir gegangen", wie es Mehmet B. formuliert. Er wurde festgenommen unter dem Verdacht, drei Prostituierte in der Linzer Straße in ein Auto gelockt und dann mit vorgehaltener Waffe um ein paar hundert Euro beraubt zu haben. Er legte sofort ein umfassendes Geständnis ab - mehr noch: Er gab auch zu, einen Tag vorher zwei weitere Raubversuche ohne Beute begangen zu haben.

Als Motiv gab Mehmet B. hohe Schulden an - wie es zu dieser Überschuldung kam, muss Richterin Minou Factor am Freitag aber erst geduldig erfragen. Er habe seinerzeit einen Kredit über 22.000 Euro für seine Wohnung und das Geschäft aufgenommen, berichtet der Angeklagte. Später habe er mit dem Auto seines Chefs einen Unfall gebaut und den Schaden um ein paar hundert Euro selbst reparieren lassen, um das Missgeschick nicht eingestehen zu müssen.

Aber das alles sei doch noch nicht so schlimm, hakt Factor nach. "Ich habe Koks geraucht und gezogen", gibt der Familienvater zu. Wie er dazu gekommen sei? "Ich war bei Prostituierten. Da wurde mir das angeboten." Und am Schluss habe er auch noch einen ganzen Monatslohn verspielt.

Nur in einem wesentlichen Punkt korrigiert Mehmet B. sein Geständnis: Er habe bei den Überfällen nicht, wie angegeben, eine Schreckschusspistole verwendet - sondern nur einen Spielzeugrevolver. Und in diesem Fall würden nicht wie bei einem schweren Raub fünf bis 15 Jahre Haft drohen, sondern nur ein- bis zehn Jahre, wie Verteidiger Philipp Winkler betont.

Was immer es war: Es wurde nie gefunden: Er habe den Spielzeugrevolver beim letzten Überfall verloren, so Mehmet B. Als ihm die Prostituierte Pfefferspray ins Gesicht sprühte und er aus dem Auto sprang. Der Prozess wurde vertagt. (Roman David-Freihsl/DER STANDARD-Printausgabe, 10.1.2009)

Share if you care.