Konkursverfahren über Georg Rihas Firma eröffnet

9. Jänner 2009, 16:53
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Dokumentarfilmer (ORF-"Universum") versucht Zwangsausgleich

Über die Produktionsfirma "Ultimate Pictures GmbH" des Dokumentarfilmers Georg Riha wurde am Freitag das Konkursverfahren eröffnet. Laut einer Pressemitteilung des Kreditschutzverbands (KSV) sind 141 Gläubiger von der Insolvenz des Unternehmens betroffen, das 29 Dienstnehmer beschäftigt. Nach Eigendarstellung des Unternehmens seien Aktiva in der Höhe von rund 440.000 Euro vorhanden, denen Passiva von rund 3,9 Mio. Euro gegenüberstehen, heißt es. "Wir versuchen einen Zwangsausgleich", so Riha gegenüber der APA, "sonst wird liquidiert".

"Als Hauptgrund für das Eingeständnis der Zahlungsunfähigkeit wurde ein bedeutendes Investment in eine zukunftsträchtige Technologie genannt", heißt es in der Mitteilung des KSV, "Es ist bislang jedoch noch nicht gelungen, aus diesem Projekt entsprechende Erlöse zu erzielen. Der kurzfristige Ausfall von zwei weiteren Projekten führte schließlich endgültig zur Insolvenz des Unternehmens."

Riha: "Ich werde nicht die Schuld woanders suchen"

Von der Insolvenz seien alle seine filmischen Aktivitäten betroffen, so Riha, der "Brains & Pictures" als Markenname aufgebaut hat. "Ich werde nicht die Schuld woanders suchen." Die von ihm immer angestrebte und gebotene Qualität sei wirtschaftlich nicht mehr zu gewährleisten gewesen. "Das ist schmerzhaft, keine Frage. Die Luft ist eisiger geworden. Und ich werde sicher nicht der Letzte sein." Er wolle jedenfalls versuchen, den Standort Tullnerbach zu halten.

Der Masseverwalter wird in den nächsten Wochen prüfen, ob eine Fortführung des Unternehmens tatsächlich möglich ist. Die Frist zur Anmeldung der Konkursforderungen wurde vom Handelsgericht Wien mit 5. März festgesetzt, am 19. März findet die Berichts- und Prüfungstagsatzung statt.

"Magier des Bildes"

Der Fotograf, Kameramann und Regisseur gilt als ein "Magier des Bildes". Während seines Studiums an der Wiener Filmakademie gründete Riha im April 1975 die FWG Foto Werbe GmbH. Lag der Schwerpunkt zu Beginn in der Werbe- und Industriefotografie, kam später die Architektur- und Luftfotografie hinzu. Eine Reihe von Büchern entstanden, u.a. "Bauen in Österreich", "Sound of Austria", "Vogelschau Österreich" und "Wien - Perspektiven einer Stadt". Danach wandte sich Riha wieder dem Medium Film zu.

"CamCat"

Das Bestreben, emotionalen und kraftvollen Bildern Raum zu geben und in unbekannte Bilderwelten vorzustoßen, war Triebfeder für spektakuläre technische Entwicklungen. Revolutionäre Aufnahmesysteme wie die Kameraseilbahn "CamCat" und die Zeitrafferkamera CamTL35 setzten neue Maßstäbe. 1995 wurde der neu errichtete Gebäudekomplex in Tullnerbach bezogen, der Studios, die technischen Departments, Büros, Werk- und Produktionsstätten beherbergt.

Auszeichnungen für "Universum"-Dokus

Erst Anfang Dezember hatte der Dokumentarfilmer den Streifen "Ein magischer Platz für die Musik. Julian Rachlin & Friends in Dubrovnik" in seinem Studio in Tullnerbach präsentiert. Für das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker 2008 hatte Riha auch den Pausenfilm "Austrian Kickoff" gestaltet. Seine Filme wie die ORF-"Universum"-Dokumentation "Wachau - Land am Strome" wurden wiederholt ausgezeichnet. (APA)

Nachlese
Riha rettet sich nach Peking - Millionenschwere Kameratechnik, etwa für die Olympischen Spiele, brachten den Filmer in finanzielle Nöte (STANDARD-Bericht vom 8.5.2008)

  • Riha: "Wir versuchen einen Zwangsausgleich"
    foto: christian fischer

    Riha: "Wir versuchen einen Zwangsausgleich"

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