Europa: Leichtes Plus zu Jahresbeginn

9. Jänner 2009, 15:44
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Ein Kommentar von Stephan Lingnau aus dem Equity Weekly der Erste Group

Der Start ins neue Jahr verlief positiv an den europäischen Börsen, wobei die Märkte ab Mitte der Woche wieder von schnellen Gewinnmitnahmen bei geringem Volumen geprägt waren. Der DJ STOXX 600 konnte ein Plus (+2,9%) verbuchen, während der DAX sich wieder von der 5000er-Marke entfernte (-0,7%). Insbesondere die im letzten Jahr eingebrochenen Titel aus dem Immobilen- (+8,8%) und dem Finanzdienstleistungssektor (+6,7%) waren gefragt. Die BoE senkte den Leitzins von 2,0% auf 1,5%. Die EZB trifft nächsten Donnerstag ihren Zinsentscheid. Der
Markt rechnet mit einer Lockerung um 50 Basispunkte. Das Barrel Brent verbilligte sich auf USD 44,9 (-6,3%) und der Baltic Dry Index tendiert auf niedrigen Niveau weiter seitwärts.

Der Economic Sentiment Index für die Euro- Zone, welcher die Stimmung von Unternehmern und Verbrauchern misst, brach im Dezember stärker als erwartet von 74,9 Punkten auf 67,1 Punkte ein. Bis auf den Bausektor und den Einzelhandel befindet sich die Stimmung in allen betrachteten Sektoren nun auf Rekord-Tiefständen.

Auch der Einkaufsmanagerindex für die Euro-Zone sank weiter und erreichte zum dritten Mal in Folge ein neues Rekordtief. Nicht besser sehen die Zahlen in Deutschland bei den Exporten (-10,7%) und dem Auftragseingang der Industrie (-6%) im November im Vergleich zum Vormonat aus. Besonders markant ist der Auftragsrückgang im Vergleich zum November 2007 mit Minus 27,2%. Düster ist auch der Ausblick in Großbritannien. Der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe verbesserte sich zwar im Dezember leicht, doch die in die Zukunft gerichteten Komponenten der Umfrage deuten auf eine weitere Verschlechterung der Lage hin.

Deutscher Staat nun größter Aktionär der Commerzbank

Deutschland wird größter Aktionär der Commerzbank und rettet damit die Übernahme der Dresdner Bank. Die neuen Hilfen fließen auf zwei Wegen: Zum einen erhält die Commerzbank vom Staat eine stille Einlage in Höhe von EUR 8,2 Mrd. Zum anderen kauft der Staat 295 Mio. neue Stammaktien im Wert von EUR 1,8 Mrd. Insgesamt stockt der Staat so die Hilfen von EUR 8,2 Mrd. auf EUR 18,2 Mrd. auf und hält nun 25% plus eine Aktie an der Bank. Der Kurs der Commerzbank fiel am Donnerstag um rund 14%. Zeitweise lag er unter EUR 5 - so tief wie nie zuvor.

Die Volkswagen Tochter Audi hat sich im Dezember erneut deutlich gegen die weltweite Krise der Branche gestemmt. Mit rund 82.800 Wagen verkaufte Audi 17,4% mehr als im Vorjahresmonat. Positive Nachrichten auch von Sainsbury. Der Konzern konnte die Erwartungen übertreffen und im dritten Quartal einen Umsatzanstieg um 4,8%.vorweisen. Praktiker hingegen konnte die Umsatzziele im abgelaufenen Geschäftsjahr nicht erreichen. Der vorläufige Konzernumsatz fiel mit
EUR 3,907 Mrd. (-1%) schwach aus und flächenbereinigt fiel der Umsatz sogar um 6 %. Zu den Auswirkungen auf den Gewinn hielt sich der Konzern bedeckt weshalb die im MDAX notierte Aktie in der Spitze um mehr als 17% einbrach.

Die Deutsche Post hat einen Servicevertrag über EUR 350 Mio. mit Telefonica abgeschlossen. Der Konzern will die Kosten für Telekommunikation in Europa über 5 Jahre so um EUR 150 Mio. senken. Deutschland ist zwar wegen eines langfristigen Vertrags mit der Deutschen Telekom vom Vertrag ausgenommen, dennoch gilt das Unternehmen als der große Verlierer der Ausschreibung. Im Wettstreit um den niederländischen Versorger Essent liegt RWE vorn und tritt nun in exklusive Verhandlungen über eine Übernahme. RWE erwägt weiters den Bau eines neuen Atomkraftwerks in Großbritannien und plant den weiteren Einstieg in Kernkraftwerke in Osteuropa. Auf Infineon kommen möglicherweise neue, hohe Belastungen zu.

Die EU-Kommission hat die Büros mehrerer Chipproduzenten durchsucht. Die Ermittler gehen Hinweisen auf Preisabsprachen im Geschäft mit Chips für sogenannte Smart Cards nach.

Billigflieger mit mehr Fluggästen 2008

Die großen Billigfluglinien in Europa konnten trotz der nachlassenden Konjunktur im vergangenen Jahr einen Passagierrekord erreichen. Mit rund 58 Millionen Fluggäste konnte insbesondere Ryanair einen starken Zuwachs (+18%) verzeichnen. Auch Easyjet (+17%) und Air Berlin (+1%) steigerten das Passagiervolumen. Allerdings ging im Dezember das Passagiervolumen bei Air Berlin um 5,4% zurück, während Ryanair (+11%) und Easyjet (+7%) Zuwächse verbuchen konnten. Die Auslastung
konnte im Dezember bei den drei Fluglinien leicht gesteigert werden.

Nächste Woche präsentieren Novartis und Beiersdorf ihren Jahresabschluss und Heidelberg Cement legt Quartalszahlen vor. Weiters darf man auf die Zinsentscheidung der EZB und die Neuwagenregistrierungen in der EU gespannt sein.

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