USA: "Mini-Kursfeuerwerk“ zum Jahresauftakt

9. Jänner 2009, 15:41
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Ein Kommentar von Ronald-Peter Stöferle aus dem Equity Weekly der Erste Group

Die US-Börsen starteten mit deutlichen Kursaufschlägen ins neue Jahr, ehe neuerliche Hiobsbotschaften am Mittwoch für herbe Verluste sorgten. Für Belebung sorgte zunächst eine Rede des künftigen Präsidenten Barack Obama, der ankündigte dass das Konjunkturprogramm nun noch größer als bislang geplant ausfallen könnte. Man plane Steuererleichterungen in Höhe von USD 300 Mrd. und ein großangelegtes Infrastrukturpaket.

Dafür werde man Budgetdefizite in Billionen-Höhe für die nächsten Jahre in Kauf nehmen. Die Federal Reserve sieht die Konjunkturaussichten nun doch wesentlich pessimistischer und rechnet für 2009 mit einem "kräftigen Minus". Erst 2010 sieht man ein zartes Wirtschaftswachstum, die gesamten Aussagen zeichnen jedoch ein recht trostloses Zukunftsszenario.

Auch die gemeldeten Konjunkturdaten bestätigten die trüben Aussichten. Die Arbeitsmarktdaten enttäuschten erneut. Laut ADP wurden 693.000 Jobs (Konsens: 500.000) gestrichen, dies stellt den größten quartalsweisen Stellenabbau seit 1945 dar. Im Gesamtjahr 2008 wurden 1,2 Mio. Stellen gestrichen, der höchste Stand seit 2003. Auch die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe stieg in der abgelaufenen Woche stärker als erwartet. Im Vierwochendurchschnitt kletterte sie sogar auf den höchsten Stand seit 26 Jahren. Die Konsumausgaben sanken im November den fünften Monat in Folge. Der Rückgang war allerdings etwas weniger stark als erwartet.

KFZ-Verkäufe brechen erneut ein

GM erhält nun per Mitte Jänner einen Notkredit in Höhe von USD 5,4 Mrd., Ende Dezember waren bereits USD 4 Mrd. ausgeschüttet worden. 2008 verkaufte GM um 23 Prozent weniger Fahrzeuge, besonders die Absatzzahlen für Dezember fielen katastrophal aus. Trotz massiver Preisnachlässe brach der Absatz um 31 % ein. Ford verkaufte 21 % weniger Autos. Alcoa meldete den Abbau von 13.500 Angestellten, den Verkauf von vier Geschäftssparten und drastische Produktionskürzungen. Man reagiere damit auf die globale wirtschaftliche Talfahrt und die eingebrochene Nachfrage nach Aluminium.

Am Donnerstag schockte Wal Mart mit einer Gewinnwarnung. Man erwarte nun lediglich USD 0,91 bis 0,94, statt USD 1,03 bis 1,07. Auch die Retailer Limited Brands, Gap und Dillard's litten unter der Meldung. Sears konnte hingegen die Konsens-Schätzung deutlich übertreffen, die Aktie klettert 30 %. Besonders positiv wurden die Zuwächse bei den vergleichbaren Umsätzen gewertet. Halbleiterhersteller litten unter den schwachen Zahlen von Intel sowie neuen Marktdaten des Halbleiterverbandes SIA. So werde der weltweite Absatz um mehr als 10 % einbrechen. Intel gab bekannt, die im bereits im November gesenkte Umsatzprognose, nicht zu erreichen. Die Erlöse im Schlussquartal werden um rund 25 % niedriger als im Vorjahresquartal erwartet.

Apple ohne überraschende Innovationen

Apple präsentierte auf der Messe MacWorld eine neue Variante des MacBook Pro. Spektakuläre Produktinnovationen (wie etwa das erwartete iPhone nano) blieben jedoch aus. Auch die Spekulationen um den Gesundheitszustand von Ikone Steve Jobs belasteten den Aktienkurs. Lt. Firmenaussagen habe Jobs jedoch lediglich Ernährungsbeschwerden und keine erneute Krebserkrankung. Time Warner meldete indes Abschreibungen in Höhe von USD 25 Mrd. für das Kabelgeschäft der Internetsparte AOL.

In der nächsten Woche erwarten wir den Auftakt der Berichtssaison zum 4. Quartal. Den Startschuss macht traditionellerweise Alcoa. Auch Intel, Philipp Morris und Wells Fargo präsentieren ihr Zahlenwerk. Zudem sollten Impulse von der Veröffentlichung der Arbeitsmarktdaten sowie einiger Stimmungsindikatoren kommen. Die Verfassung der US-Aktienmärkte erscheint nach wie vor fragil. Die massiven Stimuli der US-Regierung werden wohl erst in einigen Monaten greifen. Es erscheint jedoch als ob man im Glauben "Viel hilft viel" ein Problem bekämpfen will, das bereits durch zu billiges Geld entstanden ist.

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