So viele Filmeinreichungen wie noch nie

9. Jänner 2009, 14:27
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Direktor Dieter Kosslick sieht sein Festival der Finanzkrise trotzen: Stars dürften kommen, Sponsoren sind geblieben

Berlin - Die Berlinale (5. bis 15. Februar) trotzt den Krisenzeiten und verspricht auch in diesem Jahr glamourös zu werden - wenngleich Kaliber von der Kategorie der Rolling Stones oder Madonna wie 2008 nicht aufgefahren werden. Kommen sollen dafür aber  - immerhin allesamt Filmprominenz im eigentlichen Sinne - Kate Winslet, Willem Dafoe, Steve Martin, Keanu Reeves und Michelle Pfeiffer, wie Festival-Direktor Dieter Kosslick ankündigte. Darüber hinaus würden Naomi Watts, David Kross, Michel Piccoli und Woody Harrelson erwartet. "Man kann wieder davon ausgehen, dass ein Großteil der Stars der eingeladenen Filme kommt", betonte Kosslick, der mittlerweile zum achten Mal für die Festspiele verantwortlich ist. Auch die von der Berlinale organisierten Partys sollen wie gewohnt steigen. "Unsere eigenen Veranstaltungen, die Eröffnung und die Preisverleihung werden wir jedenfalls nicht kleiner machen. Das ist gar nicht möglich", sagte Kosslick.

Er meldete darüber hinaus einen Rekord bei den Filmeinreichungen. Knapp 6.000 Filme und damit ungefähr 800 mehr als 2008 wurden angemeldet. Die Finanz- und Wirtschaftskrise habe auch sonst bisher keine Auswirkungen auf die Festspiele. Für die Messe Europäischer Filmmarkt müssten wegen des gestiegenen Bedarfs sogar neue Flächen eröffnet werden. Die Zahl der Akkreditierungen werde mit 20.000 voraussichtlich erneut den Stand von 2008 erreichen, sagte Kosslick. Sponsoren seien nicht abgesprungen.

Zum Programm

Als Schwerpunkte kündigte Kosslick Filme an, die sich mit den Auswirkungen der Globalisierung auf den Einzelnen beschäftigen. "Man sieht jetzt eher Menschen zu Hause, wie dort die Globalisierung negativ in ihr Leben eingegriffen und es zerstört hat. Gezeigt werden die wirklichen Opfer", betonte Kosslick. Viele Filme gäben Antwort auf die unvorstellbaren Zustände in der Welt. Ein weiterer Schwerpunkt seien Filme über Skandale und Techniken in der Lebensmittelindustrie.

Die deutsche Filmszene werde sehr stark vertreten sein, kündigte Kosslick an. Das gelte nicht nur für den Wettbewerb, sondern für das ganze Festival.

Es werde aber auch unterhaltsame Filme geben. "Das Politische ist ja nur der Hintergrund", sagte Kosslick. Nicht umsonst laufe zum ersten Mal ein rosaroter Panther auf der Berlinale. Auch der beschäftige sich mit internationaler Finanzkriminalität. Inspektor Clouseau zeige, dass man die Täter auch mit Humor fangen könne.

"Die Leute wollen ins Kino und das Wort Krise einmal nicht hören"

Kosslick sieht die Krise auch als Chance für die Branche, wenngleich er einschränkte, dass Kino ohne Geld natürlich nicht funktioniere. Er glaube aber schon, dass das Kino von der Finanzkrise "profitieren" könne, "weil man sich in solchen Situationen darauf besinnt, wie man effektiver und ökonomischer Produkte herstellen kann". Das habe schon oft zu ganz neuen Formen wie beispielsweise der dänischen Artfilmform "Dogma" geführt.

Die Filme könnten auch inhaltlich zu einem neuen Werteverständnis beitragen. Wenn nicht nur nach dem Motto 'immer weiter, größer und höher' produziert werde, sondern Werte im Mittelpunkt stünden, dann kristallisierten sich auch ganz neue Themen heraus. "Und das ist das, was das Kino braucht. Von daher haben wir eine Chance."

Der Festival-Direktor sagte, laut Statistik gingen in Krisenzeiten mehr Menschen in die Kinos. Das liege zum Teil am Eskapismus. "Die Leute haben die Nase voll, wollen ins Kino und abschalten und das Wort Krise einmal nicht hören", sagte er. Flucht vor der Wirklichkeit sei auch nach dem Zweiten Weltkrieg in den 50er Jahren eines der Haupttriebmittel in Deutschland gewesen, ins Kino zu gehen. (APA/AP)

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