Jeder zweite Betrieb spürt Auswirkung der Krise

9. Jänner 2009, 12:12
23 Postings

Die Touristen achten mehr auf ihr Geld und bleiben weniger lang

Wien - Die Konjunkturprognosen für 2009 sind alles andere als rosig. Das geht auch an den heimischen Hotellerie- und Gastronomiebetrieben nicht spurlos vorüber. Obwohl zwei Drittel der Touristiker die noch laufende Wintersaison 2008/09 positiv sehen, gibt jeder zweite Tourismusbetrieb an, die negativen Auswirkungen der Finanzmarktkrise zu spüren. Grund hierfür ist, dass die Touristen im Urlaub mehr auf ihr Geld achten und weniger lang urlauben als in den vergangenen Jahren.

Dies geht aus einer aktuellen Online-Umfrage des Market-Instituts unter 1.826 Mitgliedern der Sparte Tourismus- und Freizeitwirtschaft der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) hervor, die gestern, Donnerstagabend, vor Journalisten in Wien präsentiert wurde.

Auch hinsichtlich des Umsatzzieles und der Buchungslage ist die Erwartungshaltung der Betriebe gebremst. Lediglich 18 Prozent rechnen mit einem steigenden Umsatz im Winter 2008/09 - dem gegenüber stehen 28 Prozent, die einen sinkenden Umsatz erwarten. Jene Betriebe, die von einem sinkenden Umsatz ausgehen, geben den prognostizierten Rückgang mit 7 Prozent an, sagte Market-Institutsvorstand David Pfarrhofer.

Einen Vergleichswert bietet das Ergebnis derselben Market-Umfrage von vor einem Jahr: Damals ist noch jeder dritte Tourismusbetrieb von einem steigenden Umsatz ausgegangen.

Abwärtstrend

Auch für die Buchungslage in der Wintersaison lässt sich ein Abwärtstrend im Vergleich zu 2007/08 feststellen. Waren im vergangenen Winter 20 Prozent mit der Buchungslage "sehr zufrieden", sind es jetzt nur noch 14 Prozent. Der Großteil (65 Prozent) ist mit der Buchungslage aber zufrieden.

Die aktuellen Nächtigungszahlen lassen die Touristiker dagegen wieder jubeln: 71 Prozent sind "sehr zufrieden" bzw. "zufrieden", was mit der Praxis konform geht: Die Nächtigungszahlen über die Weihnachtsferien waren in allen Bundesländern annähernd auf Vorjahresniveau.

Die Hotelleriebetriebe, der Westen Österreichs sowie die jüngeren Touristiker bis 39 Jahre sind positiver gestimmt als der Rest der Branche.

Kein Nachfragerückgang ab März

Anderslautenden Prognosen zum trotz, geht der Obmann der Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Hans Schenner, nicht von einem Nachfragerückgang ab März aus, wie er gestern, Donnerstagabend, bei der Präsentation einer Market-Umfrage sagte. "Wer gute Angebote hat, wird auch keinen Rückgang hinnehmen müssen", glaubt Schenner. Natürlich spiele das Wetter eine entscheidende Rolle - wenn der Sommer verregnet wird, "haben wir ein Problem".

Hintergrund hierfür ist eine Einschätzung des Wifo-Tourismusexperten Egon Smeral von dieser Woche, wonach der heimische Tourismus ab März einen Nachfragerückgang erleiden wird und von der aktuellen Wirtschafts- und Finanzkrise einen starken Dämpfer versetzt bekommt. WKÖ-Obmann Schenner winkt ab: "Ich glaube nicht an einen Rückgang."

Laut Schenner sollten Touristiker "keine Krisenstimmung verbreiten". "Wir dürfen die Krise nicht ins Dorf tragen." Würden Tourismus-Unternehmer in eine Krisenstimmung verfallen und nichts mehr investieren, würde sich das auch auf den ortsansässigen Elektriker und Installateur auswirken. Diese würden dann keine Aufträge mehr bekommen, womit man die Krise, wie Schenner es nannte, ins Dorf getragen hätte.

Ganz so gut stehe es um den heimischen Tourismus aber auch wieder nicht: Die Krise mache sich in kurzfristigen Buchungen bemerkbar. "Das ist wirklich ein Problem", sagte Schenner. "Ohne dass die Menschen in ihrer Brieftasche eine Krise haben, warten sie lieber einmal ab und buchen dann sehr kurzfristig." Den Vergleich zog der WKÖ-Obmann mit der derzeit maroden Autoindustrie: Die Menschen würden sich jetzt kein Auto kaufen, sondern erstmal abwarten, was passiert.

In Zukunft nicht so gut wegkommen dürfte der Tiroler Tourismus. Der britische Markt, von dem hauptsächlich Tirol profitiert, wird Einbußen hinnehmen müssen, prognostiziert Schenner. Noch seien die Tiroler Touristiker davon nicht betroffen, aber im Ostergeschäft werde sich der schlechte Wechselkurs des Pfund bemerkbar machen. "Für die Engländer ist ja alles um 30 Prozent teurer geworden", sagte Schenner. Den Rückgang der britischen Gäste bezifferte er mit rund 10 Prozent. In der gesamten Tiroler Tourismusbilanz sollte sich das aber mit lediglich einem Prozent bemerkbar machen. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Im Vergleich zum Vorjahr ist ein Abwärtstrend bei der Buchungslage in der Wintersaison zu verzeichnen.

Share if you care.