Daimler schickt Zehntausende in Kurzarbeit

9. Jänner 2009, 08:54
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Absatz im vierten Quartal massiv eingebrochen

Stuttgart - Der Autobauer Daimler schickt wegen der Absatzkrise von Montag (12. Jänner) an Zehntausende Mitarbeiter für mehrere Wochen in Kurzarbeit. Betroffen sind neben dem Stammwerk in Stuttgart-Untertürkheim auch das größte Werk des Konzerns in Sindelfingen (Kreis Böblingen) sowie mehrere andere Pkw-Standorte in Deutschland.

Insgesamt hat Daimler das Jahr 2008 mit Schrammen überstanden. Der Absatz der Automarken Mercedes-Benz, AMG, smart und Maybach sank um 2,3 Prozent auf 1,256 Millionen ausgelieferte Wagen, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. 2007 hatten die Stuttgarter noch 1,286 Millionen Autos gezählt. Im vierten Quartal war der Absatz jedoch massiv eingebrochen. Auf eine Prognose für 2009 verzichtet der Autoriese vorerst.

In Hamburg gilt bereits seit 2. Jänner Kurzarbeit für 1700 der 2600 Beschäftigten. Unternehmensleitung und Betriebsrat hatten im Dezember für die einzelnen Standorte jeweils individuelle Lösungen vereinbart. In den Nutzfahrzeug-Werken soll es dagegen zunächst keine Kurzarbeit geben. Hier sind nach Angaben einer Daimler-Sprecherin an einigen Standorten allerdings Verkürzungen der Arbeitszeit von 35 auf 30 Stunden geplant. Dies soll aber zunächst noch über die Arbeitszeitkonten geregelt werden.

Diese Möglichkeit war in vielen Pkw-Werken des Konzerns nach den verlängerten Weihnachtsferien von bis zu vier Wochen für rund 150 000 Beschäftigte bereits ausgereizt. Allein im Stammwerk werden 10 000 der 18 000 Mitarbeiter direkt nach der verlängerten Weihnachtspause am 12. Jänner in Kurzarbeit geschickt. In dem Motorenwerk ist bis Ende März eine Vier-Tage-Woche geplant, zeitweise auch eine Drei-Tage-Woche. Außerdem soll es rund um die Faschingsfeiertage eine mehrtägige Pause geben. Für rund 20 000 der 28 800 Beschäftigten im Montagewerk Sindelfingen, wo vor allem die Mercedes-Benz S-, E- und C-Klasse gebaut wird, gelten die gleichen Regeln wie in Untertürkheim.

Rastatt, Ludwigsfelde, Berlin ...

Im Pkw-Werk Rastatt arbeiten von 12. Jänner bis zunächst Ende Februar 4900 der 6100 Mitarbeiter kurz. Im Brandenburger Transporterwerk des Konzerns in Ludwigsfelde ist im Jänner ebenfalls Kurzarbeit geplant - in Form einer Produktionspause von einer Woche direkt im Anschluss an die verlängerte Weihnachtspause von 12. bis 16. Jänner. In Berlin wird voraussichtlich von 12. Jänner bis Ende März kurzgearbeitet, für Bremen und Düsseldorf sollen erst noch genaue Termine vereinbart werden.

Die Daimler-Mitarbeiter in Baden-Württemberg bekommen während der Kurzarbeit tariflich vereinbart bis zu 80 Prozent des Bruttogehaltes vom Unternehmen. In anderen Bundesländern gibt es andere Regelungen. Die Bundesanstalt für Arbeit legt dann noch Kurzarbeitergeld drauf - bei Beschäftigten mit mindestens einem Kind 67 Prozent der Differenz zum normalen Bruttoentgelt, bei allen anderen 60 Prozent. Dies gilt bundesweit.

Im Südwesten kann so trotz Kurzarbeit je nach Steuersituation bis zu 97 Prozent eines regulären Nettogehalts herauskommen. Für die Mitarbeiter in anderen Bundesländern will der Betriebsrat erreichen, dass die Beschäftigten in der Produktion über 90 Prozent ihres normalen Netto-Entgeltes bekommen. Betriebsbedingte Kündigungen sind bis Ende 2011 bei Daimler ausgeschlossen. (APA/dpa)

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