Klappriger Bus am Wörthersee

8. Jänner 2009, 19:34
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Austria Kärnten hat das Trainingslager in Südafrika storniert, man bereitet sich daheim in der Kälte auf die Fußballsaison vor. Trainer Schinkels hofft auf eine Entpolitisierung, Präsident Canori fordert öffentliche Zuwendungen

Klagenfurt/Wien - Es muss ja kein auffrisierter Porsche oder luxuriöser Airbus sein, ein gebrauchter Volkswagen oder ein klappriger Autobus reichen Frenkie Schinkels allemal. Ist man Trainer und Sportdirektor von Austria Kärnten, dann fliegt man nämlich sicher nicht in ein zweiwöchiges Trainigslager nach Südafrika. Die Reise wurde spontan storniert, offiziell hatten die Spieler Sicherheitsbedenken geäußert, inoffiziell fehlte das Geld. Schinkels stimmt beiden Thesen zu. "Man muss eben aus dem Minimum das Optimum rausholen." Und er erinnerte an einen Aufenthalt vor einem Jahr in Spanien. "Die Bedingungen waren perfekt. Dann haben wir die ersten vier Spiele verloren. Gekostet hat der Spaß 67.000 Euro."

In Kärnten ist es ziemlich kalt, die Fußballplätze sind tiefgefroren, das EM-Stadion in Klagenfurt hat dummerweise keine Rasenheizung eingebaut. Schinkels sagt, dass dies ein großes Versäumnis gewesen sei. "Man hat eher darauf geschaut, dass der VIP-Club toll ist und guter Wein serviert wird. Aber das ist ein anderes Thema."

Die Austria, der Tabellenfünfte, bereitet sich seit Montag auf die Frühjahrssaison vor. Die beginnt in Klagenfurt ein bisserl früher, nämlich am 17. Februar. Die Partie gegen Sturm muss nachgeholt werden, eine andere, jene gegen Salzburg auch, aber erst zwei Wochen später (zweimal keine Rasenheizung!). Die Heimschläfer frieren derzeit in Moosburg, Schinkels wird Busse chartern, um tageweise nach Slowenien oder Italien auszuweichen. "Zumutbar. Warum sollte man nicht zwei Stunden im Bus sitzen? Auf die Gefahr hin, dass einige Leute wieder sagen, dass der Schinkels ein Trottel ist: Wirklich schlecht haben es krebskranke Kinder. Wir sind gesund."

Vereinspräsident Mario Canori, der am 1. März als Spitzenkandidat der FPÖ bei den Landtagswahlen antritt, begrüßt den Verzicht auf Südafrika. "Jeder Präsident freut sich, wenn er sparen kann." Canori gehörte ja dem BZÖ an, er sagte nicht nur dem Standard, "dass ich lediglich in meine Heimat zurückgekehrt bin". Mit dem Fußball habe seine Entscheidung insofern zu tun gehabt, "als nach dem Tod von Jörg Haider die BZÖ-Spitzen dem Klub nicht unbedingt freundlich gesinnt waren. Dabei ist er ein lupenreines Erbe von Haider. Für die fehlende Rasenheizung kann er nichts." Canori möchte auch nach den Wahlen Präsident bleiben, von der Generalversammlung hat er nichts Böses zu befürchten. "Ich mache mit Leidenschaft weiter, würde mit Leidenschaft gehen."

Brücken bauen

In Kärnten soll nach Parteigesprächen Einigkeit darüber erzielt worden sein, dass man Erstligafußball im Lande haben möchte. Lediglich die Grünen haben Bedenken geäußert. Dass eine Fusion von BZÖ und FPÖ die einzige Überlebenschance sei, wollte Canori nicht bestätigen. "Unsinn. Außerdem sind wir genauso viel oder wenig Politikum wie Rapid, die Wiener Austria, der LASK oder Mattersburg." Der Präsident sieht die Bundesligalizenz nicht gefährdet. Sofern die Politik einspringt. "Die Bespielungskosten betragen eine Million Euro. Für uns nicht leistbar. Die Eishockeyklubs KAC und Villach bekommen ihre Stätten gratis zur Verfügung gestellt. Das fordern wir auch."

Schinkels betrachtet sich als "Brückenbauer", hofft auf eine "Entpolitisierung". Das EM-Stadion solle übrigens Jörg Haiders Namen tragen. "Der Klub ist sein Kind. Fußball ist für alle Menschen da, er soll entspannen. Auch in Kärnten. Das ist gerade in Zeiten der Finanzkrise wichtig."

Herr Schinkels wird sich jedenfalls und jederzeit in einen klapprigen Bus setzen. "Sogar gerne." (Christian Hackl; DER STANDARD Printausgabe 9. Jänner 2009)

 

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