Moskau, Kiew im Dauerclinch

8. Jänner 2009, 19:25
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2. Oktober 2008: Der russische Premierminister Wladimir Putin und die ukrainische Regierungschefin Julia Timoschenko schließen eine Absichtserklärung, wonach Gasprom ab 1. Jänner 2009 direkt - ohne Zwischenhändler RosUkrEnergo - 7,5 Mrd. m3 Gas an Naftogas Ukrainy liefern wird. Der Gaspreis und die Transitgebühren sollen innerhalb von drei Jahren schrittweise an das übliche Marktniveau angepasst werden.

1. November: Gasprom fordert ab 2009 von der Ukraine 230 bis 250 (bisher: 179,5) Dollar pro 1000 m3 Gas. Weitere Verhandlungen über einen Gaspreis für 2009 werden blockiert, weil die Ukraine die von RosUkrEnergo gestellten Gasrechnungen nicht bezahlt. Später erhöht Gasprom seine Forderung auf 418 Dollar.

30. Dezember: Gasprom bestätigt den Eingang von Zahlungen aus der Ukraine, nicht aber der Verzugszinsen von einer halben Mrd. Dollar.

31. Dezember: Die ukrainische Premierministerin Julia Timoschenko schlägt Russland einen Gaspreis von 201 Dollar vor, was Gasprom ablehnt.

1. Jänner 2009: Gasprom beginnt um zehn Uhr Ortszeit mit der Reduzierung der Gaslieferungen an die Ukraine.

3. Jänner: Es kommt zu ersten Liefereinschränkungen in Ungarn, Polen, Rumänien und Bulgarien. Gasprom will eine Klage beim internationalen Schiedsgericht in Stockholm einbringen und so den Transport von Gas nach Europa erzwingen. Naftogas droht mit einer Gegenklage.

4. Jänner: Der Druckabfall in den Gasleistungen weitet sich auf Tschechien und die Türkei aus. Laut Naftogas hat Gasprom eine der vier Transitleitungen abgedreht und so seine Lieferungen um 52 Mio. auf 20 Mio. m3 reduziert.

5. Jänner: Gasprom verschärft seinen Vorwurf des Gasdiebstahls gegen die Ukraine. Ein Gericht in Kiew erklärt den bis 2010 geschlossenen Transitvertrag zwischen Moskau und Kiew für ungültig, weil der ukrainische Delegationsleiter bei der Unterzeichnung 2006 keine Vollmacht für die Festlegung des Preises besessen habe. Gasprom bestreitet das. Am Abend gibt Putin grünes Licht für die Verringerung der Liefermenge.

6. Jänner: Erstmals sind die Auswirkungen auch in Deutschland zu spüren. In Österreich kommen überhaupt nur noch zehn Prozent der russischen Gaslieferungen an. Laut Naftogas hat Russland seine Lieferungen um zwei Drittel von 221 auf 92 Mio. m3 gekürzt. Gasprom wirft der Ukraine vor, eigenmächtig drei der vier Exportpipelines geschlossen zu haben.

7. Jänner: Am Donnerstag kommt über die Ukraine in Europa überhaupt kein russisches Gas mehr an. Wie schon zuvor weisen sich Russland und die Ukraine gegenseitig die Schuld zu. Erstmals seit dem Gaslieferstopp nehmen in der Nacht Gasprom-Chef Alexej Miller und Naftogas-Chef Oleg Dubina ihre Gespräche wieder auf. (ved, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.1.1.2009)

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