Rückenwind für Projekt Nabucco

8. Jänner 2009, 19:16
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Alternative Pipeline-Route soll Europa unabhängiger von Gas aus Russland machen

Der Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine, der zu Lieferausfällen unterschiedlicher Intensität in weiten Teilen Europas geführt hat, ist Rückenwind für die Betreiber des Pipelineprojekts Nabucco. Über ein System von Leitungen soll dereinst Gas aus dem kaspischen Raum bis vor Wien und weiter Richtung Westen fließen. Die Betreiber, allen voran die heimische OMV, erhoffen sich in den nächsten Wochen und Monaten den entscheidenden Durchbruch, um mit dem Projekt starten zu können.

Noch ringt das Nabucco-Konsortium, dem neben der OMV noch die Gasgesellschaften der Transitländer Ungarn, Rumänien, Bulgarien und Türkei sowie die deutsche RWE angehören, um ausstehende Unterschriften. In dem einen Fall geht es um eine beantragte Ausnahme von der geltenden EU-Gasdirektive, im anderen Fall um ein Abkommen zwischen den von der Pipeline tangierten Ländern.

Bis auf Rumänien und Bulgarien haben inzwischen alle Gesellschaften in den betroffenen EU-Ländern die Ausnahmegenehmigung in der Hand. Diese besagt, dass sich 50 Prozent der Leitungskapazität die Konsortialpartner sichern und nur 50 Prozent interessierte Dritte in Anspruch nehmen können. Laut geltender EU-Richtlinie hinsichtlich des sogenannten Ownership-Unbundling müssten 100 Prozent der Kapazität an Dritte vergeben werden, was aber weniger reizvoll für die Betreiber der Pipeline wäre.

Zusätzlich drängt das Konsortium auf eine einheitliche Tarifstruktur entlang der 3300 km langen Pipeline, ohne dass Regulatoren in einzelnen Ländern dazwischenfunken könnten. Das Konsortium geht davon aus, dass die rumänische und bulgarische Gesellschaft die Ausnahmegenehmigung im Laufe des ersten Quartals 2009 erhalten. Die Türkei als Nicht-EU-Land ist davon nicht betroffen.

Wenn schließlich auch noch das politische Bekenntnis der betroffenen Staaten zur Pipeline vertraglich fixiert ist, was in den nächsten Monaten passieren soll, könnte 2010 mit dem Bau der knapp acht Mrd. Euro teuren Leitung begonnen werden. Noch fehlen aber vertraglich zugesicherte Gasmengen, um das Projekt profitabel betreiben zu können. (Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.1.1.2009)

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