"Die Psychiatrie ist kein Mädchenpensionat"

8. Jänner 2009, 18:10
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Laut Krankenanstalten-Generaldirektor Marhold wurden keine Missstände entdeckt

Wien - Sachlich, mit kalmierendem Tonfall stand Wilhelm Marhold am Donnerstag der gemeinderätlichen Untersuchungskommission, die seit März Missstände in der Wiener Psychiatrie untersucht, Rede und Antwort. Kern der Aussage des Generaldirektors des Krankenanstaltenverbundes (KAV): Missstände seien keine entdeckt worden. Interne Überprüfungen habe es oft und unangemeldet gegeben: "Auch die Staatsanwaltschaft hat Vorfälle geprüft und das Verfahren mittlerweile eingestellt" , sagte Marhold. Die U-Kommission war von den Grünen, der ÖVP und FPÖ eingesetzt worden, nachdem Unfälle von Patienten bekannt geworden waren. Im Otto-Wagner-Spital in Wien-Hietzing hatte sich beispielsweise eine Patientin, die an den Armen fixiert war, selbst angezündet. Ein anderer Patient, der in einem Netzbett untergebracht war, hatte einen Beckenbruch, den man tagelang nicht bemerkte. Grüne und VP hatten dies auf Personalmangel und unzeitgemäße Unterbringung zurückgeführt. Daraufhin gab es eine Debatte über den Einsatz von Netzbetten.

Marhold hält Netzbetten für sinnvoll, um aggressive Patienten zu schützen: "Eine Psychiatrie ist leider kein Mädchenpensionat" , formulierte es der KAV-Chef.

Fachärztemangel bestätigt

Marhold bestätigte den Fachärztemangel, dem man mit Ausbildungsinitiativen begegnen wolle. Derzeit werden laut Marhold 26 Fachärzte am Otto-Wagner-Spital ausgebildet. Um die Genehmigung sechs weiterer Ausbildungsplätze habe man bei der Ärztekammer bereits angesucht. Die grüne Gesundheitssprecherin Sigrid Pilz widerspricht dem: Bei der Ärztekammer sei kein Antrag eingegangen, das habe ihr auch ÖÄK-Direktor Walter Dorner bestätigt. Sie kritisierte außerdem, dass nicht 26, sondern lediglich 18 Ärzte in Ausbildung seien. Marhold konnte das nicht bestätigen und versprach, die Angaben zu überprüfen.

Marhold war der letzte nichtpolitische Zeuge vor der Kommission. Am 22. Jänner soll sich Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SP) der Kommission stellen. Den Abschluss am 30. Jänner machen die frühere Gesundheitsstadträtin Renate Brauner (SP) und Bürgermeister Michael Häupl (SP). (Marijana Miljković, DER STANDARD - Printausgabe, 9. Jänner 2009)

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