Rauchen zwischen Trend und Verbot

8. Jänner 2009, 17:52
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Vor einer vorschnellen Beurteilung des neuen Rauchergesetzes warnt Gesundheitsminister Alois Stöger im STANDARD-Interview

Der gesellschaftliche Trend gehe ohnehin in die richtige Richtung, erklärt er Michael Möseneder.

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STANDARD: Herr Minister, gibt es im Gesundheitsministerium eigentlich ein Raucherkammerl?

Stöger: Es wird sicher geraucht. Dass es ein offizielles Raucherzimmer gibt, glaube ich nicht. Aber ich kann es nicht ausschließen.

STANDARD: Nun haben wir ein neues Gesetz, das die Auswirkungen des Rauchens am Arbeitsplatz auch in der Gastronomie einschränken soll. Selbst Parteifreunde, der steirische Gesundheitslandesrat Helmut Hirt und die Salzburger Landeshauptfrau Gabi Burgstaller, kritisieren es.

Stöger: Ich glaube, dass man zunächst die Auswirkungen des Gesetzes anschauen soll. Nachdem es erst seit ein paar Tagen in Kraft ist, ist es dafür sicher noch zu früh. Eines ist klar: Die Zahl der Räume, in denen geraucht wird, wird reduziert. Der Trend geht also, und das halte ich für wichtig, in die richtige Richtung. Es gibt weniger Gelegenheiten, zu rauchen - ich gratuliere jedem, der beschließt, im Wohnzimmer nicht mehr zu rauchen, sondern nur noch auf dem Balkon. Da hoffe ich, dass diese Temperaturen auch dazu führen, ein bisschen weniger zu rauchen.

STANDARD: Ein Kritikpunkt ist die Frage der Sanktionen, die der Magistrat oder die Bezirkshauptmannschaft setzen müssen. Damit droht ein zahnloses Gesetz: Wer sich Samstagabend in einem Lokal belästigt fühlt, wird nicht die BH anrufen können.

Stöger: Ich glaube, dass man mit Strafen das Problem nicht löst. Natürlich sind die Verwaltungsbehörden aufgefordert, die Wirte, die sich prinzipiell nicht daran halten, mit Strafen zu, ich sage einmal, motivieren. Es geht darum, Hilfe für Raucher anzubieten, die Nichtraucher gesellschaftlich zu stärken. Diese Funktion erfüllt das Gesetz, man kann immer mehr machen, keine Frage. Aber es geht um Aufklärung und auch darum, Raucher zumindest ernst zu nehmen.

STANDARD: Nun hat aber schon der frühere Gesundheitsminister Kurt Steyrer Mitte der 80er-Jahre den Slogan "Ohne Rauch geht's auch" geprägt. Die Aufklärungsbestrebungen gibt es also schon länger, trotzdem hat Österreich laut der Weltgesundheitsorganisation die dritthöchste Raucherquote Europas.

Stöger: Ja, das ist richtig, die Zahl der Raucher hat aber in den vergangenen 15 Jahren abgenommen, es kann auch in wesentlich weniger Räumen geraucht werden. Vor 15 Jahren war es bei einer Sitzung völlig normal, dass man raucht, heute ist es die Ausnahme. Das ist gesellschaftliche Norm geworden, da ist viel zum Positiven bewegt worden.

STANDARD: Es ist ja von der EU-Kommission angedacht, bis möglicherweise Ende 2009 eigene Vorschläge oder Verordnungen herauszubringen. Glauben Sie, dass ein totales Rauchverbot kommen könnte? In welche Richtung würden Sie sich dann einsetzen?

Stöger: Mir geht es immer darum, dass die Wahrscheinlichkeit, gesund zu bleiben, erhöht wird. Tabak steht dazu im Widerspruch, insofern ist mein Standpunkt klar. Aber eine Kriminalisierung und Verteufelung der Raucher löst das Problem nicht. (Michael Möseneder, DER STANDARD - Printausgabe, 9. Jänner 2009)

Zur Person
Der 48-jährige Alois Stöger war vor seinem Ministerposten Obmann der Oberösterreichischen Gebietskrankenkasse und ist seit elf Jahren Nichtraucher.

  • Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) will die Raucher nicht "kriminalisieren".
    foto: standard/matthias cremer

    Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) will die Raucher nicht "kriminalisieren".

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